Pulmonale, Hypertonie

Pulmonale Hypertonie: HirnschĂ€den hĂ€ngen mit kognitiven Einbußen zusammen

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 04:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung verbindet HirnverĂ€nderungen bei pulmonaler Hypertonie mit kognitiven Einbußen und benennt NCOA7 als möglichen Risikomarker.
Abstrakte Darstellung neuronaler Vernetzungen im menschlichen Gehirn mit blÀulicher Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Die pulmonale Hypertonie (PH) galt in der klinischen Praxis lange vorrangig als GefĂ€ĂŸerkrankung der Lunge und des Herzens. Eine im Fachjournal Journal of Clinical Investigation erschienene Untersuchung unter Leitung der University of Pittsburgh und des University of Pittsburgh Medical Center (UPMC) legt nun jedoch detailliert dar, wie stark die Erkrankung auch das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft zieht.

Das Forschungsteam um Studienleiter Stephen Chan wies nach, dass spezifische strukturelle HirnverÀnderungen bei Betroffenen in direktem Zusammenhang mit messbaren kognitiven BeeintrÀchtigungen stehen.

Demnach kommt es bei PH-Patienten zu einem Verlust an Hirngewebe sowie zu einer gestörten SignalĂŒbertragung zwischen dem Kleinhirn und dem Frontallappen, welcher fĂŒr GedĂ€chtnis, Aufmerksamkeit und Handlungsplanung zustĂ€ndig ist.

Strukturelle SchÀden im MRT nachweisbar

FĂŒr die Untersuchung griffen die Wissenschaftler auf Magnetresonanztomografie-Daten (MRT) der UK Biobank mit 248 PH-Patienten zurĂŒck und ĂŒberprĂŒften die Resultate anhand einer klinischen Validierungskohorte des UPMC.

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Die Bildgebungsdaten offenbarten bei den Erkrankten ein signifikant reduziertes Markvolumen im Kleinhirn, dĂŒnnere frontale Gyri sowie eine spĂŒrbar geschwĂ€chte Kleinhirn-Frontal-KonnektivitĂ€t. Diese neuronalen VerĂ€nderungen korrelierten bei den Patienten unmittelbar mit einer schlechteren Exekutivfunktion und einer verlangsamten Verarbeitungsgeschwindigkeit.

AuffĂ€llig war dabei die SpezifitĂ€t des Schadensmusters: Bei anderen Herz-, Lungen- oder psychiatrischen Erkrankungen traten diese spezifischen HirnverĂ€nderungen nicht auf. Zudem ließen sich die Defizite weder durch einen verringerten Blutsauerstoffgehalt noch durch die eingeschrĂ€nkte Herzfunktion oder die Einnahme gĂ€ngiger PH-Medikamente erklĂ€ren.

Neuroinflammation und genetische Mechanismen

Als maßgebliche Ursache identifizierten die Forscher eine chronische Neuroinflammation. Dabei kommt es zu einer Aktivierung von Mikrogliazellen im Kleinhirn, die durch dieselbe EntzĂŒndungskaskade ausgelöst wird, welche auch fĂŒr die GefĂ€ĂŸschĂ€den in der Lunge verantwortlich ist. Sowohl in menschlichem Gewebe als auch in Modellversuchen zeigten sich ĂŒberaktive Mikroglia und neuronale VerĂ€nderungen.

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Eine entscheidende Rolle spielt hierbei das Gen NCOA7: Eine bestimmte Variante dieses Gens, die bei etwa einem Viertel der PH-Patienten vorkommt, ist eng mit der EntzĂŒndung im Kleinhirn verknĂŒpft, treibt den EntzĂŒndungsprozess voran und verschlechtert zugleich die Überlebenschancen der Betroffenen.

In Experimenten mit NCOA7-Knockout-MÀusen, die an PH litten, entwickelten die Tiere deutlich schwerere KleinhirnschÀden. Dieser Befund bestÀtigt nach Angaben der Autoren eine kausale Rolle von NCOA7 bei der Entstehung der neuronalen SchÀdigung.

Konsequenzen fĂŒr Leitlinien und kĂŒnftige Therapien

Trotz dieser schwerwiegenden Wechselwirkungen sehen die aktuellen Leitlinien zur Behandlung der pulmonalen Hypertonie bislang kein standardmĂ€ĂŸiges kognitives Screening fĂŒr Betroffene vor. Die Studienautoren heben hervor, dass die EntzĂŒndungsprozesse kĂŒnftig als potenzielles Therapieziel dienen könnten, wĂ€hrend NCOA7 eine Rolle als möglicher Biomarker zur RisikoabschĂ€tzung einnehmen dĂŒrfte.

An der unter der DOI 10.1172/jci195110 veröffentlichten Forschungsarbeit waren neben der University of Pittsburgh auch Teams der University of California, Los Angeles (UCLA), der Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen sowie der kanadischen UniversitĂ© Laval beteiligt.

Gefördert wurde das Projekt unter anderem von den US-National Institutes of Health (NIH) unter den Fördernummern R35GM164224 und R01HL161038, der American Heart Association, der NASA (Förderkennzeichen 80NSSC26K0720), der WoodNext Foundation, dem US-Veteranenministerium sowie dem EuropÀischen Forschungsrat im Rahmen des Projekts 866051.

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