Qilin-Ransomware: 1.358 Opfer 2026, Anstieg um 443 Prozent
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 23:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die unter dem Namen Qilin bekannte Ransomware-Gruppierung hat ihre Aktivitäten in den vergangenen Tagen massiv ausgeweitet und mehrere international agierende Unternehmen sowie staatliche Institutionen angegriffen.
Zu den jüngsten Opfern der kriminellen Vereinigung gehören der mexikanische Fertigungsbetrieb Cosmocolor SA de CV sowie das finnische Transportunternehmen Tramigo. Die Vorfälle wurden am 28. August registriert und markieren eine Fortsetzung einer globalen Angriffsserie.
Betroffene Unternehmen in Europa, Amerika und Asien
Neben den Angriffen auf Cosmocolor und Tramigo wurden weitere Unternehmen als Ziele identifiziert. In Deutschland meldete der Einzelhändler Kling Automaten einen Vorfall, der am 27. August entdeckt wurde.
Zeitgleich geriet das Technologieunternehmen Dotlines aus Singapur ins Visier der Angreifer. Die Qilin-Gruppe, die auch unter dem Namen Agenda operiert, nutzt für ihre Erpressungsversuche eine eigene Plattform im Darknet, auf der sie mutmaßlich entwendete Daten auflistet.
Im Vereinigten Königreich wurde das Unternehmen Whitehouse, das im Bereich Regierung und Verteidigung tätig ist, auf der Liste der Gruppierung aufgeführt. Der Schweregrad dieses Vorfalls wird vorläufig als moderat eingestuft, wobei eine unabhängige Verifizierung der Daten noch aussteht.
Auch bei dem Unternehmen Infinnium kam es Berichten zufolge zu Störungen der Betriebsabläufe und verschlüsselten Dateien, was auf ein Vorgehen der Qilin-Gruppe hindeutet. In anderen Fällen, wie beim Unternehmen Displaydata, wurden Organisationen ohne die Vorlage konkreter Beweise auf der Leak-Seite der Gruppe gelistet.
Schwerwiegender Vorfall bei US-Bundesbehörde ATF
Ein besonders beachteter Fall betrifft die US-Behörde für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe (ATF). Die Behörde bestätigte einen Cybervorfall, den sie als bedeutendes Ereignis („major incident“) klassifizierte, nachdem sie am 26. August auf der Plattform von Qilin gelistet worden war. Nach offiziellen Angaben war ein eigenständiges System betroffen, das vom restlichen Netzwerk der ATF isoliert ist.
Das kompromittierte System enthielt Daten zu Zielpersonen von ATF-Ermittlungen. Die Behörde betonte jedoch, dass keine Auswirkungen auf das allgemeine Unternehmensnetzwerk, die operative Mission oder die elektronischen Meldesysteme (eForms) vorliegen.
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Aufgrund der Einstufung als schwerwiegender Vorfall ist die Behörde verpflichtet, den US-Kongress innerhalb einer Woche zu informieren. Das Justizministerium (DOJ) hat Untersuchungen eingeleitet. Bisher hat die Qilin-Gruppe keine Beweise für den behaupteten Datenabfluss vorgelegt.
Signifikanter Anstieg der Opferzahlen und technische Hintergründe
Marktbeobachter verzeichnen im Jahr 2026 eine drastische Zunahme der Aktivitäten von Qilin. Laut Daten von Black Kite wurden im laufenden Jahr bereits 1.358 Opfer registriert, was einem Anstieg von 443 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, in dem etwa 250 Fälle gemeldet wurden.
Besonders gefährdet sind kleine und mittlere Unternehmen: Rund 67 Prozent der Opfer haben weniger als 200 Mitarbeiter. Die am stärksten betroffenen Sektoren sind die Fertigungsindustrie, professionelle Dienstleistungen, das Gesundheitswesen, die Technologiebranche sowie das Bauwesen.
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Technisch nutzt die als Ransomware-as-a-Service (RaaS) organisierte Gruppe häufig gestohlene Anmeldedaten und Sicherheitslücken in VPN-Systemen für den Erstzugriff. Dabei wurde insbesondere die Schwachstelle CVE-2026-50751 (CVSS-Wert 9.3) im Zusammenhang mit IKEv1 identifiziert.
Die EU-Agentur für Cybersicherheit wies in ihrem Lagebericht zudem darauf hin, dass Gruppen wie Qilin verstärkt Taktiken der doppelten und dreifachen Erpressung anwenden, um den Druck auf die Opfer zu erhöhen.
Analysen von Comparitech verdeutlichen jedoch eine Diskrepanz zwischen den Behauptungen der Gruppe und den bestätigten Vorfällen. Im Jahr 2025 wurden von über 700 beanspruchten Angriffen lediglich 118 offiziell bestätigt.
Dennoch bleibt die Gruppe eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Verwaltung; im zweiten Quartal 2025 war Qilin laut CIS für 24 Prozent der gemeldeten Ransomware-Vorfälle bei US-amerikanischen Kommunal- und Landesregierungen verantwortlich.
