Quantencomputer-Schutz: US-Behörden müssen bis 2030 umstellen
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 19:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts der rasanten Entwicklung im Bereich des Quantencomputings haben führende Technologieunternehmen damit begonnen, quantenresistente Schutzmechanismen in ihre Sicherheitsarchitekturen zu integrieren.
Unternehmen wie Fobi, WISeKey und Atsign implementieren derzeit Post-Quantum-Kryptographie (PQC) in mobile Anmeldedaten, Public-Key-Infrastrukturen (PKI) und sichere Hardware-Plattformen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, digitale Identitäten gegen künftige Entschlüsselungsfähigkeiten von Quantenrechnern abzusichern.
Die technologische Grundlage für diesen Übergang bilden die im Jahr 2024 vom National Institute of Standards and Technology (NIST) standardisierten Algorithmen ML-KEM, ML-DSA und SLH-DSA.
Das Unternehmen Atsign nutzt für seine Absicherung konkret den X-Wing-Mechanismus (eine Kombination aus ML-KEM-768 und X25519) sowie ML-DSA-65. Branchenexperten wie das Sicherheitsunternehmen Trellix betonen die Dringlichkeit dieser Migration, um sogenannten „Harvest now, decrypt later“-Angriffen zu begegnen, bei denen verschlüsselte Daten heute gesammelt werden, um sie in Zukunft mit leistungsstarken Quantencomputern zu dechiffrieren.
Behördliche Vorgaben und milliardenschwere Investitionen
In den Vereinigten Staaten wird der Druck zur Umstellung durch staatliche Vorgaben erhöht. Eine Executive Order der Trump-Administration verpflichtet Behörden dazu, besonders schützenswerte Bestände (High-Value-Assets) bis zum 31. Dezember 2030 auf PQC-Schlüssel und bis 2031 auf entsprechende Signaturen umzustellen.
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Das Office of Management and Budget (OMB) hat die Einreichung detaillierter Migrationspläne der Behörden bis zum 22. Oktober gefordert. Einem OMB-Bericht zufolge werden die Kosten für diese Umstellung im Zeitraum von 2025 bis 2035 auf rund 7,1 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Auch das US-Verteidigungsministerium treibt die Entwicklung voran und veröffentlichte Ende August eine Anfrage für Informationen (RFI) zu reinen Software-PQC-Lösungen, die ohne Hardware-Änderungen implementiert werden können. Die Antwortfrist hierfür endet am 27. September.
Die Strategie des Ministeriums sieht vor, dass sämtliche Systeme bis Ende 2030 PQC unterstützen und diese Standards bis Ende 2031 aktiv nutzen. Parallel dazu hat das US-Finanzministerium eine Task Force für Quantenbereitschaft im Finanzsektor ins Leben gerufen, während die General Services Administration (GSA) das Programm für Identitäts- und Zugangsmanagement (FICAM) aktualisiert.
Fortschritte im Bereich Blockchain und digitale Währungen
Auch im Sektor der dezentralen Technologien gewinnt die Quantenresistenz an Bedeutung. Ripple verfolgt einen Vier-Phasen-Plan, um das XRP-Ledger bis zum Jahr 2028 quantensicher zu gestalten.
Hintergrund sind Analysen von Google aus dem Frühjahr 2026, wonach ein Quantencomputer mit 500.000 Qubits die gängige Elliptische-Kurven-Kryptographie (ECC) in etwa neun Minuten brechen könnte. Ripple testet im Rahmen des „Project Eleven“ derzeit ML-DSA-Signaturen, die jedoch deutlich größeren Speicherbedarf als bisherige Verfahren aufweisen.
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Das NEAR-Protokoll hat ebenfalls mit der Integration von ML-DSA begonnen. Die Bereitstellung eines tragfähigen Designs ist für Mitte 2027 geplant. Bereits im Herbst 2026 sollen universelle Account-IDs eingeführt werden. Auch das Netzwerk Monad adressiert die Problematik durch einen Vorschlag zur flexiblen Konten-Authentifizierung, der eine Schlüsselrotation ohne Änderung der Kontoadresse ermöglicht und quantenresistente Schemata unterstützt.
Internationale Kooperationen und technologische Umsetzung
Die globale Reichweite der PQC-Migration zeigt sich in neuen Partnerschaften. Die Quantum Secure Encryption Corp. ist eine Kooperation mit Pos Digicert eingegangen, der ersten lizenzierten Zertifizierungsstelle Malaysias.
Das Unternehmen stellt eine Produktsuite bereit, die Lösungen wie QPrime, QScope, QSim und QGuard umfasst, um die PQC-Bereitschaft in der Region sicherzustellen. Der CEO von Quantum Secure Encryption, Ted Carefoot, und der COO Amir Suhaimi Hassan verwiesen in diesem Zusammenhang auf das Milliardenpotenzial des Marktes für Post-Quantum-Sicherheit.
Sicherheitsbehörden wie die CISA mahnen bei der Einführung neuer Produkte jedoch zur Sorgfalt. Patrick Manley von der CISA erklärte, dass Behörden PQC-Produkte nach dem Prinzip „Trust but verify“ einer genauen Prüfung unterziehen werden. Analysten des FS-ISAC warnen zudem vor einer „Krypto-Prokrastination“ und betonen, dass eine umfassende Inventur der bestehenden kryptographischen Systeme der erste notwendige Schritt für jedes Unternehmen sei.
