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Quiet Cracking: 40 Prozent der unter 30-Jährigen psychisch überfordert

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 05:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Psychische Belastung durch KI und Digitalisierung nimmt zu. Experten fordern Prävention und flexible Arbeitszeiten gegen den Burnout-Trend.

Quiet Cracking: Stille Überlastung trifft vor allem junge Arbeitnehmer
Eine junge Person sitzt gebeugt vor einem Laptop in einem dunklen Büro, symbolisierend stillen Stress und Überlastung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Unter dem Begriff „Quiet Cracking“ beschreiben Experten eine Form der psychischen Belastung, die sich unbemerkt vom Management entwickelt. Bei Arbeitnehmern unter 30 Jahren liegt der Anteil der Betroffenen bei 40 Prozent.

KI als Belastungsfaktor

Experten führen die Entwicklung unter anderem auf den zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz zurück. Viele Mitarbeiter fühlen sich durch die Automatisierung ihrer Tätigkeiten persönlich entwertet.

Eine IFES-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer und des ÖGB untermauert diese Beobachtung. Mehr als die Hälfte der befragten Arbeitnehmer gab an, dass Produktivitätssteigerungen zunehmend zulasten der Beschäftigten gehen. Während 73 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden das Thema Produktivität als zentral einstufen, sehen viele Mitarbeiter in der Prozessoptimierung (61 Prozent) und der Digitalisierung (41 Prozent) zusätzliche Belastungsfaktoren.

Lange Ausfallzeiten, hohe Kosten

Psychische Erkrankungen sind mittlerweile die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen. Sie verursachen die längsten Ausfallzeiten im Vergleich zu anderen Diagnosegruppen.

Daten der Betriebskrankenkassen belegen: Psychische Leiden machen zwar nur 5,4 Prozent der Krankheitsfälle aus, die durchschnittliche Krankheitsdauer liegt jedoch bei mehr als fünf Wochen. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Die Ausgaben für Krankengeld stiegen innerhalb von zehn Jahren um 24,4 Prozent auf zuletzt 21,6 Milliarden Euro. Analysen der DAK für das Jahr 2025 bezifferten die durchschnittlichen Fehltage pro Kopf auf 19,5 Tage.

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Prävention als Schlüssel

Um der Burnout-Gefahr entgegenzuwirken, rücken präventive Maßnahmen in den Fokus. Die Psychologin Corinna Häsele betont die Bedeutung einer offenen Kommunikation. Führungskräfte müssten Vertrauen aufbauen und auch eigene Verletzlichkeit zeigen, um Überlastungen frühzeitig zu erkennen.

Unternehmen setzen zudem verstärkt auf die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Sie ermöglicht betroffenen Mitarbeitern einen schnelleren Zugang zu psychotherapeutischen Behandlungen. Während reguläre Wartezeiten oft mehrere Monate betragen, kann durch bKV-Angebote eine Therapieaufnahme innerhalb weniger Wochen realisiert werden.

Der innere Rhythmus zählt

Ein weiterer Ansatzpunkt liegt in der Arbeitszeitorganisation. Die Chronobiologin Camilla Kring empfiehlt eine Kernarbeitszeit zwischen 10 und 15 Uhr. Das würde den biologischen Rhythmen unterschiedlicher Chronotypen besser gerecht werden.

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Sogenannte „Eulen“ – also Spätaufsteher – leiden oft unter einem sozialen Jetlag, der Gesundheit und Produktivität beeinträchtigt. Praxisbeispiele wie die Klinik Wartenberg zeigen: Eine Anpassung an diese Chronotypen kann die Müdigkeit um 72 Prozent und die Krankheitstage um 48 Prozent reduzieren.

Politische Debatte um Krankschreibungen

Parallel zu den betrieblichen Entwicklungen plant die Bundesregierung gesetzliche Anpassungen. Die schwarz-rote Koalition strebt eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag sowie die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung an. Kanzler Merz betonte, dass dies eine Rahmenregelung darstelle, von der Betriebe individuell abweichen können.

Ärzteverbände warnen jedoch vor einer massiven Zunahme der Bürokratie. Fachleute weisen darauf hin, dass diese Maßnahmen primär auf kurze Fehlzeiten abzielen – und damit am eigentlichen Kostentreiber vorbeigehen: den langwierigen psychischen und chronischen Erkrankungen. Statt auf Misstrauen zu setzen, raten Experten Arbeitgebern dazu, Fehlzeiten detailliert zu analysieren und gezielte Präventionsangebote zu schaffen.

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