Quishing, QR-Code-Phishing

Quishing explodiert: QR-Code-Phishing springt um 146 Prozent

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 20:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Banken lehnen bei autorisierten Zahlungen zunehmend Entschädigungen ab. Quishing-Angriffe steigen um 146 Prozent, während Interpol Erfolge meldet.

Cyberangriffe auf Bankkunden: Banken verweigern Haftung bei Zahlungen
Nahaufnahme eines Smartphones mit einer Banking-App, auf dem ein QR-Code und ein glänzender digitaler Glitch zu sehen sind, der Online-Banking-Betrug darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Gleichzeitig lehnen Finanzinstitute bei autorisierten Zahlungen immer häufiger jede Haftung ab.

82.000 CHF weg – Bank zahlt nicht

Ein Fall aus der Schweiz zeigt die neue Härte der Institute. Eine Kundin der Versicherungsgruppe Baloise verlor Ende November 2025 rund 82.000 CHF. Die Täter transferierten das Geld in 17 Einzelüberweisungen nach Spanien, Deutschland und Frankreich – jeweils rund 4.500 CHF pro Transaktion.

Die Bank verweigert die Entschädigung. Ihre Begründung: Die Kundin habe alle Zahlungen selbst autorisiert. Sie bestätigte sowohl die Erhöhung ihres Transferlimits von 500 auf 4.500 CHF als auch jede einzelne Überweisung per App. Der Fall liegt nun bei der Rechtsvertretung der Betroffenen.

Diese Linie wird durch internationale Urteile gestützt. Mitte Juli entschied der brasilianische Superior Tribunal de Justiça (STJ): Banken haften nicht automatisch für Schäden durch Betrugsanrufe. Ein Opfer hatte rund 31.000 BRL überwiesen – im Glauben an eine offizielle Bankanweisung. Das Gericht sah keine Pflichtverletzung des Instituts, solange dessen Sicherheitssysteme nicht direkt kompromittiert wurden.

Quishing explodiert: 146 Prozent mehr Angriffe

Während die Gerichte klären, entwickeln Kriminelle ihre Methoden weiter. Das QR-Code-Phishing – genannt Quishing – verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Anstieg um 146 Prozent. Branchenanalysten zählten allein im März 18,7 Millionen solcher Angriffe weltweit.

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Schätzungen zufolge enthält inzwischen jede neunte Phishing-E-Mail einen manipulierten QR-Code. Die Täter kapern zunehmend auch Messenger-Konten, um Schadsoftware zu verbreiten oder auf gefälschte Buchungsseiten zu locken.

Auch Smishing – Phishing per SMS – rückt in den Fokus. Die Deutsche Telekom warnte zuletzt vor einer perfiden Masche: Nach Smartphone-Diebstählen geben sich Diebe als ehrliche Finder aus und verschicken Links zu gefälschten Apple- oder Google-Anmeldeseiten. Ziel ist es, die Zugangsdaten zu erbeuten und die Aktivierungssperre zu umgehen.

Unternehmen und Steuerzahler im Visier

Neben Privatpersonen geraten zunehmend Selbstständige und Landwirte ins Visier. Aktuelle Warnungen der Finanzverwaltung weisen auf bundesweite Kampagnen hin. Die Täter verschicken gefälschte Prüfungsanordnungen nach der Abgabenordnung – mit HTML-Dateien, die zur Eingabe von Passwörtern auffordern.

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Auch Krankenkassenmitglieder sind betroffen. Im Zusammenhang mit einem angeblichen Austausch von Gesundheitskarten kursieren Phishing-Mails mit Verweis auf eine Frist zum 1. August 2026. Das Bundesamt fĂĽr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellt fest: Bereits 62 Prozent der Deutschen haben wissentlich Phishing-Mails erhalten.

Operation „First Light“: 5.811 Festnahmen

Trotz steigender Fallzahlen verbuchen Sicherheitsbehörden Erfolge. Im Rahmen der internationalen Operation „First Light 2026“ meldete Interpol 5.811 Festnahmen in 97 Ländern. Die Ermittler stellten rund 293 Millionen US-Dollar aus Anlagebetrug und Cyberkriminalität sicher.

Doch der Druck bleibt enorm. Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnete bereits fĂĽr 2024 einen Anstieg des gemeldeten Anlagebetrugs um 413 Prozent.

Experten raten Bankkunden zur verstärkten Nutzung der Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA). Zugangsdaten sollten niemals über Links in SMS oder E-Mails eingegeben werden. Bei Smartphone-Diebstahl gilt: Das Gerät sofort über den Mobilfunkbetreiber sperren und keinesfalls eigenhändig aus dem Cloud-Konto entfernen – das erleichtert den Tätern den Zugriff auf die Hardware.

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