Quishing-Welle: 18,7 Millionen QR-Code-Attacken im März 2026
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Phishing-Attacken per QR-Code ist im ersten Halbjahr 2026 drastisch gestiegen – allein im März wurden 18,7 Millionen solcher Angriffe registriert.
Der Trend ist alarmierend: Kriminelle setzen zunehmend auf sogenanntes Quishing – Phishing über manipulierte QR-Codes. Laut aktuellen Sicherheitsberichten stieg die Zahl der QR-Code-basierten Angriffe im ersten Quartal 2026 um 146 Prozent. Fast jeder zehnte Phishing-Versuch enthält mittlerweile einen schädlichen QR-Code.
Wenn der Code zur Falle wird
Die Täter haben ihre Methoden verfeinert. Statt einfacher E-Mails nutzen sie mehrstufige Kampagnen – eine Kombination aus digitalen Nachrichten, physischer Post und KI-gestützter Täuschung. Besonders perfide: In Australien verloren Betrugsopfer innerhalb weniger Tage über 1,47 Millionen Australische Dollar durch manipulierte QR-Codes auf echten Briefen. Auch in Singapur häufen sich die Fälle – 43 Betrugsfälle im Zusammenhang mit Paketdiensten wurden seit Ende Juni gemeldet.
Unternehmen sind besonders betroffen. Eine Untersuchung des Sicherheitsanbieters Barracuda Networks zeigt: 70 Prozent aller schädlichen PDF-Dokumente enthalten QR-Codes, die auf Phishing-Seiten führen.
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KĂĽnstliche Intelligenz als Brandbeschleuniger
Die Angreifer setzen zunehmend auf KI. Rund 85,8 Prozent aller aktuellen Phishing-Angriffe sind KI-gesteuert. Forscher entdeckten mit PromptSpy den ersten bekannten Android-Schädling, der generative KI nutzt.
Die Deutsche Telekom warnt vor einer neuen Betrugsmasche: Kriminelle analysieren mit KI Urlaubsfotos – mit 91-prozentiger Genauigkeit bestimmen sie den Standort der Opfer. Anschließend verschicken sie personalisierte Phishing-Links oder QR-Codes, die sich als „Mein iPhone suchen"-Dienste tarnen. Besonders dreist: Die Täter stehlen zuerst das Smartphone und schicken dann die vermeintliche Hilfsnachricht.
Deepfakes werden ebenfalls zur Waffe. Erst am 15. Juli 2026 verlor das Unternehmen Sky Gold durch eine Deepfake-basierte Betrugsmasche 1,3 Millionen Euro.
Telekommunikation im Fadenkreuz
Die Telekommunikationsbranche bleibt das Hauptziel – 33 Prozent aller Angriffe im ersten Quartal 2026 richteten sich gegen diesen Sektor. Besonders begehrt: Microsoft-365-Zugänge. Die Täter nutzen Methoden wie MFA-Ermüdung, OAuth-Zustimmungs-Phishing und Gerätecode-Phishing.
Die australische Signalsdirektion warnt speziell vor Gerätecode-Phishing. Kriminelle setzen dabei Werkzeuge wie EvilTokens ein, um traditionelle Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen und ganze Konten zu übernehmen.
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Die Lage in Deutschland
Die Bedrohung ist auch hierzulande real. Die Anti-Phishing-Arbeitsgruppe dokumentierte im ersten Quartal 2026 weltweit über 971.000 Phishing-Angriffe – ein Anstieg von 13,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.
Die Bundesregierung reagiert mit einem 26-Punkte-Plan gegen Finanzkriminalität, die jährlich schätzungsweise 100 Milliarden Euro Schaden verursacht. Geplant sind 1.500 neue Stellen, ein elektronisches Mehrwertsteuersystem und härtere Strafen – bis zu 15 Jahre Haft für schwere Finanzbetrugsfälle.
Das US-amerikanische Finanzamt IRS hat QR-Codes inzwischen auf seine „Dirty Dozen"-Liste der Steuerbetrugsmethoden gesetzt. Auch in Deutschland warnen Experten vor gefälschten Nachrichten, die angeblich vom Steuerportal Elster stammen – pünktlich vor der Abgabefrist am 31. Juli 2026.
Ransomware: Weniger Opfer zahlen
Ein Lichtblick: Während Ransomware-Angriffe weiter zunehmen, zahlen immer weniger Unternehmen Lösegeld. Schätzungen zufolge kommen nur noch 14 bis 28 Prozent der betroffenen Organisationen den Forderungen nach. Das FBI konnte zudem das Phishing-Network „Outsider" zerschlagen, das über 8.000 Domains betrieb und für Schäden in Höhe von rund 1,9 Milliarden US-Dollar verantwortlich war.
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