R+V-Studie: 59 Prozent fürchten steigende Lebenshaltungskosten
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 16:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vor dem Hintergrund eines erneuten Teuerungsschubs dominieren materielle Sorgen das Stimmungsbild der Menschen in Deutschland. Nachdem die Inflationsrate im September 2026 auf 3,3 % und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2023 geklettert ist, rücken die wirtschaftlichen Belastungen privater Haushalte wieder stärker in den Fokus.
Bereits die im Jahresverlauf erhobene Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen 2026“ der R+V Versicherung hatte gezeigt, dass die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten die Rangliste der persönlichen Sorgen weiterhin klar anführt.
Lebenshaltungskosten bleiben das dominierende Thema
Laut einem Bericht vom 1. Oktober 2026 gaben bei der 35. Ausgabe der R+V-Erhebung 59 % der Befragten an, steigende Lebenshaltungskosten zu fürchten. Dies entspricht einem Zuwachs von 7 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr (52 %). Damit belegt die Sorge um die Bezahlbarkeit des Alltags zum fünften Mal in Folge und zum 16. Mal in 35 Befragungen seit dem Erhebungsbeginn im Jahr 1992 den Spitzenplatz.
Der Studienleiter ordnete diese Furcht als das am häufigsten wiederkehrende Top-Thema der Messreihe ein. Im Befragungszeitraum lag die Inflationsrate bei 2,3–2,8 %, während sich das allgemeine Preisniveau gut 20 % über dem Niveau von 2020 bewegte.
Frauen äußerten mit 63 % häufiger Furcht vor den Lebenshaltungskosten als Männer (55 %). Auch ein geografisches Gefälle zeichnet sich ab: In Westdeutschland stuften 60 % der Befragten die Kostenentwicklung als große Sorge ein, in Ostdeutschland lag der Wert bei 53 %.
Wer sich mit den steigenden Kosten für Wohnraum befasst, sollte alle Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung nutzen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie als Vermieter Ihre Betriebskostenabrechnung optimieren und rechtssicher gestalten. Betriebskosten 2026: Jetzt kostenlosen PDF-Report sichern
Steuererhöhungen, Wirtschaftslage und Migration
Direkt hinter den Lebenshaltungskosten folgen weitere finanz- und wirtschaftspolitische Themen. Auf Platz zwei rangiert die Angst vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen mit 53 %, was einem Anstieg um 4 Prozentpunkte im Vergleich zu 2025 (49 %) entspricht.
Den stärksten Sprung verzeichnete jedoch die Sorge um eine schlechtere Wirtschaftslage: Sie kletterte von 41 % im Vorjahr auf 51 % (+10 Prozentpunkte) und rückte von Platz zehn auf Platz vier vor.
Die Furcht vor einer Überforderung des Staates durch Geflüchtete belegt mit 52 % den dritten Rang, während 47 % Spannungen durch Zuzug befürchten. Eine Überforderung der Politik sehen 48 % der Bürger (+6 Prozentpunkte).
Die politische Arbeit von Regierung und Opposition bewerteten die Teilnehmer im Durchschnitt mit der Note 4,1 nach 3,8 im Vorjahr (auf einer Skala von 1 als beste bis 6 als schlechteste Note).
Hingegen verharrt die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes auf einem historischen Tiefstand: Lediglich 20 % der befragten Erwerbstätigen befürchten Arbeitslosigkeit – der niedrigste gemessene Wert seit 1992.
Angesichts der Inflation und steigender Preise ist eine korrekte Einordnung der eigenen Einnahmen wichtiger denn je. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie Ihre Mietpreise rechtssicher prüfen und bei Bedarf anpassen können. Kostenlose Mietpreis-Analyse 2026 herunterladen
Methodik und weitere Sorgenfelder
Für die Untersuchung befragte das Institut zwischen dem 11. Mai und dem 29. Juli 2026 rund 2.400 deutschsprachige Personen ab einem Alter von 14 Jahren; als große Angst wurden die Skalenwerte 5 bis 7 auf einer Skala bis 7 gewertet. Das durchschnittliche Angstniveau lag stabil bei 38 % und damit deutlich unter dem historischen Höchststand von 52 % vor zehn Jahren.
Weitere abgefragte Felder betrafen die Außenpolitik und Umweltfragen: Die Furcht vor der Politik unter US-Präsident Donald Trump nannten 45 % (während seiner ersten Amtszeit lag dieser Spitzenwert bei bis zu 69 %).
Einen Krieg mit deutscher Beteiligung befürchten 34 % (2025: 41 %). Die Sorge vor den Folgen des Klimawandels liegt bei 30 %, vor Naturkatastrophen bei 27 %.
Regionale Auswertungen zeigen punktuelle Besonderheiten: In Berlin nannten 61 % die Furcht vor überforderten Politikern, neben Lebenshaltungskosten und unbezahlbaren Mieten.
In Brandenburg fürchten 64 % Kürzungen oder Steuererhöhungen, während 60 % eine Überforderung durch Geflüchtete sehen (2025: 70 %). Im Ländervergleich reicht die Spanne von 47 % in Sachsen-Anhalt bis 13 % in Thüringen; diese Werte sind wegen geringer Fallzahlen jedoch nicht repräsentativ.
Ergänzende Indikatoren zur Verbraucherstimmung
Die Ergebnisse spiegeln sich auch in anderen Erhebungen wider. Das Liquiditätsbarometer der TeamBank wies nach einer YouGov-Befragung von 3.073 Personen im April 2026 einen Indexstand von +1,75 Punkten auf – die schwächste finanzielle Stimmung seit Erhebungsbeginn 2016. Dort gaben 38 % an, sich wegen gestiegener Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten um Finanzen zu sorgen. 36 % rechneten binnen drei bis fünf Jahren mit einer Verschlechterung (+10 Prozentpunkte seit Herbst 2025).
Zudem stieg laut Erhebungen der GfK und des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen die Sparneigung der Verbraucher im Dezember auf 18,7 Punkte (+5 Punkte), den höchsten Wert seit Juni 2008, während der Konsumklimaindikator auf ?26,9 Punkte nachgab. Als zentrale Treiber galten Inflationsängste und Rentendebatten.
