Radikalisierung, Jugendlichen

Radikalisierung von Jugendlichen: TikTok und Telegram als Kanäle

01.07.2026 - 00:05:29 | boerse-global.de

Die Zahl extremistischer Personen in Deutschland erreicht einen neuen Höchststand. Besonders besorgniserregend ist die zunehmende Radikalisierung Minderjähriger im Internet.

Verfassungsschutzbericht 2025: Extremismus auf Rekordniveau in Deutschland
Radikalisierung - Eine Silhouette einer jungen Person, die auf einen leuchtenden Bildschirm schaut, mit einem verschwommenen digitalen Hintergrund. 01.07.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Besonders alarmierend: Immer mehr Minderjährige radikalisieren sich im Netz.

Der aktuelle Verfassungsschutzbericht für 2025 zeichnet ein düsteres Bild. Die Sicherheitsbehörden registrierten insgesamt 85.837 politisch motivierte Straftaten. Fast die Hälfte davon – 42.544 Fälle – entfällt auf das rechtsextreme Spektrum.

Rechte Gewalt nimmt zu

Das rechtsextremistische Personenpotenzial stieg auf 58.700 – ein Plus von 8.450 im Vergleich zum Vorjahr. Davon gelten 15.600 als gewaltorientiert. Die Zahl rechtsextremer Gewalttaten kletterte um rund neun Prozent auf 1.395 Fälle.

Auch links tickt es explosiver: 42.200 Personen zählt der Bericht im linksextremistischen Lager. Die Gewalttaten schnellten um 61 Prozent auf 856 Delikte hoch. Das islamistische Potenzial beziffern die Behörden mit 28.645 Personen.

Ein verbindendes Element aller extremistischen Strömungen: Antisemitismus.

Jugendliche als Zielgruppe

Ein zentraler Befund ist die zunehmende Verjüngung der Szenen. Minderjährige geraten vermehrt über TikTok, Instagram, Telegram und Gaming-Portale an radikales Gedankengut. Der Bericht widmet der Radikalisierung der nächsten Generation ein eigenes Kapitel.

Rechtsextreme Akteure ködern Jugendliche gezielt in sozialen Medien. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stufte das Medienprojekt AUF1 als gesichert rechtsextremistisch ein. Auch Gruppierungen wie die „Letzte Verteidigungs Welle“ oder der „Brenton Fanclub“ tauchen im Bericht auf.

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Bayern reagierte Ende Juni 2026 mit der „Agenda Digitale Balance“. Die Maßnahmen: ein Chat-Kompass für Grundschulen, ein Social-Media-Kompass für weiterführende Schulen und Handynutzungsbeschränkungen bis zur siebten Jahrgangsstufe.

Streit um Prävention und Befugnisse

Trotz steigender Zahlen zeichnet sich eine Debatte über die Finanzierung der Präventionsarbeit ab. Innenminister Dobrindt fordert mehr Ermittlungsbefugnisse und technische Aufrüstung der Geheimdienste. Gleichzeitig gibt es Kritik an geplanten Kürzungen bei Programmen wie „Demokratie Leben“.

Fachleute aus der Jugendarbeit warnen: Ein Mangel an Jugendhilfe und Medienkompetenz-Förderung spiele den Extremisten in die Hände.

In Österreich startet die Muslimische Jugend gemeinsam mit dem ehemaligen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka eine Bildungsoffensive. Ziel ist es, Jugendliche vor radikalen Predigern auf digitalen Plattformen zu schützen.

Neue Wege in der Suchtpolitik

Parallel zur Extremismusprävention rückt ein anderer Ansatz in den Fokus: weg von Verboten, hin zu kontrollierten Abgabesystemen. In der Schweiz zeigen Pilotprojekte zur Cannabis-Abgabe erste Ergebnisse. Der Schwarzmarkt wird eingedämmt, mehr Kontakte zum Gesundheitssystem entstehen.

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Der Kanton St. Gallen weitete die Erprobung aus. Rund 5.000 Teilnehmer beziehen Cannabis über Apotheken oder auf dem Postweg. In Deutschland verfolgen Städte wie Köln und Düsseldorf ähnliche Ansätze – auch für schwerere Substanzen in medizinischen Einrichtungen.

Fachleute betonen: Eine reine Verbotslogik schade der Gesellschaft oft mehr, als sie nützt. Stattdessen empfehlen sie den offenen Austausch mit gefährdeten Jugendlichen, um deren Gesundheitskompetenz nachhaltig zu stärken.

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