Rapsöl-Mythos: Experten widerlegen Influencer-Vorwürfe zur Giftigkeit
01.06.2026 - 09:13:44 | boerse-global.deFührende Ernährungswissenschaftler und Verbraucherschützer stellen sich gegen eine Welle von Social-Media-Behauptungen, die Rapsöl als gesundheitsschädlich darstellen. Die Vorwürfe entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage, so der Tenor aktueller Stellungnahmen.
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Wissenschaft weist Influencer-Vorwürfe zurück
Matthias Riedl vom Medicum Hamburg und Hans Hauner von der Technischen Universität München widersprechen den viralen Behauptungen entschieden. Influencer bezeichnen Rapsöl als entzündungsfördernd und krebserregend – ohne Belege. Die Experten betonen: Rapsöl ist in vielen Aspekten sogar hochwertiger als Olivenöl und dabei deutlich günstiger.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben keine Hinweise auf gesundheitliche Gefahren gefunden. Besonders die Angst vor Erucasäure – einer Fettsäure, die historisch problematisch war – ist bei modernem Speiserapsöl unbegründet. Stattdessen punktet das Öl mit wertvollen ungesättigten Fettsäuren und Vitamin E.
Industrielle Verarbeitung: Fluch oder Segen?
Ein zentraler Vorwurf der Influencer: die industrielle Raffination. Sie bezeichnen raffiniertes Rapsöl als „Industrieschlamm". Die Wissenschaft sieht das anders. Die Raffination ist ein kontrollierter Prozess, der die Hitzestabilität verbessert. Gerade beim Braten und Frittieren macht das Rapsöl sicherer und vielseitiger einsetzbar.
Die Debatte um stark verarbeitete Lebensmittel (UPF) spielt hier ebenfalls eine Rolle. Kritiker werfen dem ursprünglich von Carlos Monteiro entwickelten UPF-Konzept vor, Ideologie mit Wissenschaft zu vermischen. Forscher argumentieren: Der Verarbeitungsgrad allein sagt nichts über die Gesundheit aus. Auch verpacktes Brot oder bestimmte Cerealien können Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Entscheidend sei die Nährstoffzusammensetzung, nicht die Verarbeitungsmethode.
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Digitale Gesundheitsmythen im Aufwind
Die Rapsöl-Diskussion ist Teil eines größeren Problems. Verbraucherschutzzentralen beobachten eine Zunahme gezielter Verunsicherung – sogenanntes „Doubt-Sowing" – zur Steigerung von Klicks und Interaktionen. Ende Mai 2026 warnten Verbraucherzentralen vor betrügerischen Werbeanzeigen mit KI-generierten Bildern von Sebastian Lege (ZDF), die Abnehmpräparate anpriesen.
Ähnliche Muster zeigen sich bei Pflanzendrinks. Während einige Inhalte sie als identischen Milchersatz darstellen, hält die DGE fest: Kuhmilch bleibt nährstoffreicher bei Protein, Kalzium und Jod. Auch alte Mythen um Soja wurden bereits 2020 in einer Metastudie widerlegt – hormonelle Wirkungen bei Männern ließen sich nicht nachweisen.
Trotz der alarmistischen Inhalte im Netz empfehlen die Aufsichtsbehörden weiterhin Rapsöl. Die Experten sind sich einig: Die aktuelle Welle der Warnungen wird nicht von klinischen Erkenntnissen getrieben, sondern von der Jagd nach Reichweite.
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