Reanimation, Schulen

Reanimation an Schulen: 7.300 Jugendliche trainieren am 16. Oktober

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schulprojekte, öffentliche Aktionen und QR-Karten erleichtern den Zugang zu Wiederbelebungswissen und Defibrillatoren.

Wiederbelebung in Deutschland: Training und digitale Hilfe sollen Hemmschwellen senken
Ein minimalistischer, heller Trainingsraum für medizinische Notfallschulungen mit einer Übungspuppe auf dem Boden. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Fachbeiträge und Berichte rücken den Abbau von Hemmschwellen bei der Wiederbelebung in den Mittelpunkt. Neben kontinuierlichen Trainingsinitiativen gewinnen dabei zunehmend auch digitale Hilfsmittel an Bedeutung, um Ersthelfenden im Ernstfall Orientierung zu geben und Berührungsängste zu minimieren.

Hohe Fallzahlen und die Hürde der Unsicherheit

Nach Angaben des Deutschen Reanimationsregisters erleiden in Deutschland im Jahr 2025 täglich etwa 350 Menschen einen plötzlichen Herzstillstand, was hochgerechnet rund 130.000 Betroffenen pro Jahr entspricht. Nur elf Prozent der Betroffenen werden demnach erfolgreich wiederbelebt.

Rund 70 Prozent dieser Notfälle ereigneten sich im Jahr 2025 im häuslichen Umfeld. Wie Jan-Thorsten Gräsner als Sprecher des Deutschen Reanimationsregisters darlegte, leiteten Laien im Jahr 2025 in 53,5 Prozent jener Fälle Wiederbelebungsmaßnahmen ein, bei denen der Rettungsdienst nicht bereits vor Ort war.

Die Sana Kliniken Niederlausitz, der Rettungsdienst Niederlausitz sowie die DRK-Wasserwacht verweisen ergänzend darauf, dass außerhalb von Krankenhäusern etwa alle vier Minuten ein Mensch einen Herzstillstand erleidet.

Als wesentlicher Hemmschuh gilt weiterhin persönliche Unsicherheit: Laut dem German Resuscitation Council (GRC) stellt die Furcht davor, Fehler zu machen, den häufigsten Grund für ein Ausbleiben von Hilfsmaßnahmen dar. Dabei zählt jede Minute.

Dr. Björn Tauchmann, Leiter der Akut- und Notfallmedizin der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach, erläutert, dass Gehirnzellen ohne Sauerstoff bereits nach drei bis fünf Minuten absterben und nach zehn Minuten irreversible Schäden entstehen. Er empfiehlt eine Drucktiefe von fünf bis sechs Zentimetern bei einer Frequenz von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute.

Dr. Thomas Ihmann, Chefarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin am GLG Werner Forßmann Klinikum, betont ebenfalls, dass jede Herzdruckmassage die Überlebenschancen um ein Vielfaches steigere.

Praxisnahes Training in Schulen und Öffentlichkeit

Um Ängste frühzeitig abzubauen, fordert der GRC seit Längerem verbindlichen Reanimationsunterricht ab der siebten Klasse im Umfang von zwei Jahresstunden. Zwar sprach der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz bereits 2014 eine entsprechende Empfehlung aus, diese ist nach GRC-Angaben bislang jedoch nicht flächendeckend realisiert.

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Regional schließen verschiedene Projekte diese Lücke. Im Landkreis Günzburg ist für den 16. Oktober 2026 an Gymnasien, Real- und Mittelschulen ein Reanimationstraining an Übungspuppen für rund 7.300 Schülerinnen und Schüler vorgesehen.

Das Vorhaben knüpft an die Initiative „Kids make the heart beat“ an, die unter anderem von den Kreiskliniken, dem BRK-Kreisverband Günzburg, dem Landkreis, dem Lions Club und der CSU-Landtagsabgeordneten Jenny Schack getragen wird.

Auch an der Sekundarschule Sassenberg im Kreis Warendorf übt der Schulsanitätsdienst unter Betreuung von Lehrerin Veralies Ostendorf an neun Reanimationstorsos, die von der Bezirksregierung übergeben wurden. Ab Jahrgangsstufe sieben ist dort eine schrittweise Schulung der Schülerschaft nach entsprechender Fortbildung der Lehrkräfte geplant.

Parallel setzen Rettungsdienste und Kliniken auf niedrigschwellige Aktionen im öffentlichen Raum. Das Prinzip „Prüfen – Rufen – Drücken“ stand etwa Ende September 2026 bei Demonstrationen des Klinikums Memmingen auf dem dortigen Marktplatz im Rahmen der Woche der Wiederbelebung im Fokus.

Am 16. Oktober 2026 veranstalten zudem die Kommunale Gesundheitskonferenz Rhein-Neckar-Kreis/Heidelberg, die Fachschaft Medizin Heidelberg, der Malteser Hilfsdienst und das DRK einen kostenlosen Aktionstag mit Mitmach-Stationen in der Heidelberger Fußgängerzone.

Digitale Wegweiser für den Notfalleinsatz

Ergänzend zu praktischen Übungen kommen vermehrt digitale Informationsangebote zum Einsatz. Die Stadt Goslar und die Asklepios Harzklinik verteilen Aufkleber mit QR-Codes an Betriebe, Gastronomie und Vereine.

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Nach dem Scannen per Smartphone wird eine digitale Karte geöffnet, welche die nächstgelegenen Defibrillatoren mitsamt deren Verfügbarkeitsdaten anzeigt. Die Stadt hatte hierfür bereits im Frühjahr 2026 ein entsprechendes Kataster eingeführt, um lebensrettende Technik im Ernstfall schneller auffindbar zu machen.

Mehr zum Thema bei Augsburger Allgemeine: „Herzdruckmassage: Am 16. Oktober trainieren Schulen im Landkreis Günzburg“

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