Rechenzentren verbrauchen 2026 Strom für 6,5 Millionen Haushalte
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 10:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBitkom beziffert Ausbau und Engpässe
- Bitkom erwartet für deutsche Rechenzentren und kleinere IT-Installationen 2026 einen Strombedarf von 23 Milliarden Kilowattstunden.
- Der Bedarf könnte bis 2030 auf 35 bis 38 Milliarden und bis 2035 auf 56 bis 70 Milliarden Kilowattstunden steigen.
- Rund 80 Prozent der befragten Betreiber und Experten sehen begrenzte Netzanschlusskapazitäten als größte Herausforderung.
Deutsche Rechenzentren treiben Strombedarf nach oben
Deutsche Rechenzentren und kleinere IT-Installationen benötigen 2026 rund 23 Milliarden Kilowattstunden Strom. Bitkom warnt, dass Netzengpässe und langwierige Genehmigungsverfahren den Ausbau der digitalen Infrastruktur bremsen könnten.
Bedarf soll bis 2035 deutlich wachsen
Nach Erhebungen des Digitalverbands entspricht der aktuelle Verbrauch etwa dem Jahresstrombedarf von 6,5 Millionen Haushalten. Bis 2030 erwartet die Branche 35 bis 38 Milliarden Kilowattstunden, bis 2035 könnten es 56 bis 70 Milliarden sein.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sagte am Rande des Digitalgipfels der Bundesregierung, der KI-Wettbewerb sei auch ein Wettbewerb um Rechenleistung. Der Verband fordert unter anderem Entlastungen bei den Strompreisen sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Netzanschlüsse werden zum Engpass
Rund 80 Prozent der befragten Betreiber und Branchenexperten stuften begrenzte Netzanschlusskapazitäten in einer Studie des Borderstep Instituts als größte Herausforderung ein. Nach Einschätzung des Bitkom entscheidet sich deshalb zunehmend, an welchen Standorten neue Rechenzentren entstehen.
Bereits 2026 entfallen rund 20 Prozent der deutschen Rechenzentrumskapazität auf KI und Höchstleistungsrechnen. Bis 2035 soll der Anteil auf 55 Prozent steigen; die Anschlussleistung dafür könnte von 670 auf rund 5.300 Megawatt wachsen.
Investitionen und Effizienz steigen zugleich
Die Investitionen in deutsche Rechenzentren sollen 2026 auf 23,5 Milliarden Euro steigen. Das wären 57 Prozent mehr als im Vorjahr.
Nach Angaben des Verbands arbeiten moderne Server inzwischen bis zu dreimal energieeffizienter als Systeme aus dem Jahr 2021. Der PUE-Wert, der den Infrastrukturverbrauch etwa für Kühlung ins Verhältnis zur Serverleistung setzt, sank seit 2020 von 1,63 auf 1,42.
Wasserverbrauch bleibt regionales Thema
Bei 65 Prozent der Rechenzentren liegt der Wasserverbrauch nach Bitkom-Angaben bei höchstens 0,1 Litern pro Kilowattstunde. Einen nennenswerten Bedarf gibt es vor allem bei Verdunstungskühlung, die rund ein Drittel der Anlagen nutzt.
Der steigende Strombedarf deutscher Rechenzentren fällt in eine Phase, in der das Energiesystem zugleich durch Elektromobilität, Wärmepumpen, industrielle Elektrifizierung und den Ausbau erneuerbarer Energien stärker beansprucht wird. Rechenzentren erhöhen dabei nicht nur den jährlichen Verbrauch, sondern benötigen dauerhaft hohe Anschlussleistungen an geeigneten Standorten.
Für den Digitalstandort ist deshalb die Verfügbarkeit von Netzanschlüssen ein ebenso entscheidender Faktor wie die Zahl verfügbarer Server oder die Nähe zu Kunden. Lange Genehmigungs- und Ausbauzeiten können Investitionen verzögern oder dazu führen, dass Unternehmen Kapazitäten in Länder mit schneller verfügbaren Stromanschlüssen verlagern. Für Verbraucher bleibt der Zusammenhang indirekt: Cloud-Dienste, Streaming, digitale Verwaltung und KI-Anwendungen benötigen Rechenleistung, deren Infrastrukturkosten sich über Strompreise, Netzentgelte und Investitionen auswirken können.
Netzausbau und flexible Nachfrage
Die Debatte beschränkt sich nicht auf zusätzliche Leitungen und Umspannwerke. Eine bessere Auslastung vorhandener Netze, flexible Stromtarife, Speicher und eine zeitliche Steuerung bestimmter Verbraucher können Belastungsspitzen abfedern. Auch die Herkunft des Stroms gewinnt an Bedeutung, weil ein wachsender Verbrauch aus fossiler Erzeugung die Klimabilanz der Digitalisierung verschlechtern würde.
Effizientere Server und niedrigere PUE-Werte begrenzen den Verbrauch je Recheneinheit, heben den absoluten Mehrbedarf durch den KI-Ausbau aber nicht auf. Politisch geht es damit um einen Zielkonflikt: Deutschland muss digitale Infrastruktur ermöglichen, zugleich Netze, Stromerzeugung, Flächen, Wasserressourcen und Klimaschutz miteinander verbinden.
