Rechenzentren, Wasserverbrauch

Rechenzentren: Wasserbedarf könnte bis 2030 stark steigen

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 05:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Kurzstudie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace sieht durch den Ausbau großer Serverfarmen wachsende Risiken für die regionale Wasserversorgung. Besonders in trockenen Gebieten könnten Kühlverfahren zu Verteilungskonflikten führen.

Rechenzentrumsregister und Kühltechnik

  • Die Studie berechnet für ein 100-Megawatt-Rechenzentrum jährlich 200 bis 930 Millionen Liter Wasser.
  • Der gewichtete Mittelwert liegt laut Öko-Institut bei 0,67 Litern Wasser je Kilowattstunde IT-Strom.
  • Greenpeace fordert Wassergutachten, Verbote in Trockengebieten und Sanktionen bei fehlenden Meldungen.
Der Jahreswasserverbrauch von Rechenzentren in Deutschland entspricht einer Studie zufolge dem Inhalt des Berliner Wannsees. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa

Öko-Institut warnt vor wachsendem Wasserbedarf

Der KI-getriebene Ausbau von Rechenzentren droht nach Warnungen von Umweltschützern die regionale Wasserversorgung in Deutschland zu belasten. Laut einer Kurzstudie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace verbrauchten deutsche Serverfarmen 2025 rund 13 Milliarden Liter Wasser zur Kühlung.

Bedarf könnte sich bis 2030 verdoppeln

Bis 2030 könnte der jährliche Wasserbedarf durch neue Mega-Rechenzentren auf bis zu 27 Milliarden Liter steigen. Das entspräche dem Trinkwasserverbrauch einer Großstadt mit rund 580.000 Einwohnern.

Die Berechnung steht im Gegensatz zur Einschätzung des Branchenverbands Bitkom. Danach verbrauchten fast zwei Drittel der Anlagen höchstens 0,1 Liter Wasser je Kilowattstunde IT-Strom; nennenswerter Bedarf entstehe vor allem bei Verdunstungskühlungen.

Studie setzt anderen Mittelwert an

Das Öko-Institut kommt nach der Bereinigung fehlerhafter Datensätze aus dem behördlichen Rechenzentrumsregister auf einen gewichteten Mittelwert von 0,67 Litern je Kilowattstunde IT-Strom. Der heutige Jahresverbrauch von 13 Milliarden Litern entspreche dem gesamten Wasserinhalt des Berliner Wannsees.

Für ein einzelnes Rechenzentrum mit 100 Megawatt veranschlagen die Fachleute je nach Kühltechnik 200 bis 930 Millionen Liter Wasser pro Jahr. Das entspreche dem Trinkwasserverbrauch einer Kleinstadt mit bis zu 20.000 Einwohnern.

Trockenkühlung als Alternative

In bereits trockenen Regionen könnten die Anlagen laut Studie akuten Grundwasserstress, Verteilungskonflikte und Schäden an lokalen Ökosystemen verursachen. Zugleich lasse sich kein statistischer Zusammenhang zwischen Strom- und Wassereffizienz nachweisen.

Moderne Trocken- oder Kompressionskühlung könne den direkten Wasserverbrauch demnach vollständig auf null senken. Eine hohe Energieeffizienz sei somit auch ohne Wasserkühlung möglich.

Greenpeace fordert strengere Vorgaben

Greenpeace kritisiert, dass weniger als die Hälfte der rund 1.200 meldepflichtigen Betreiber Daten an die Behörden geliefert habe. Nur 139 Meldungen seien verwertbar gewesen.

Die Organisation fordert verpflichtende Wassergutachten vor Genehmigungen, ein Verbot wasserintensiver Anlagen in Trockengebieten und Sanktionen bei Verstößen gegen Meldepflichten.

Der Ausbau von Rechenzentren verbindet zwei Infrastrukturfragen: den wachsenden Bedarf an Rechenleistung und die Verfügbarkeit von Strom und Wasser. Der KI-Boom erhöht den Druck, weil neue Anlagen dauerhaft hohe Kapazitäten für Server, Kühlung und Netzanbindung benötigen.

Für die Wasserversorgung ist vor allem der Standort entscheidend. Ein hoher Verbrauch fällt regional an und kann deshalb in trockenen Gebieten stärker ins Gewicht fallen als in wasserreichen Regionen. Der von der Studie genannte Unterschied zwischen durchschnittlichen Branchenwerten und einzelnen wasserintensiven Kühlverfahren zeigt zudem, dass die Gesamtbilanz stark von Technik, Auslastung und lokalen Bedingungen abhängt.

Technik und Genehmigungen

Die Debatte verschiebt sich damit von der reinen Effizienz einzelner Anlagen zur Planung neuer Standorte. Trockenkühlung oder Kompressionskühlung können den direkten Wasserverbrauch senken, müssen aber technisch und wirtschaftlich zum jeweiligen Rechenzentrum passen. Für Kommunen werden deshalb belastbare Angaben zu Wasserentnahme, Rückführung, Kühltechnik und möglichen Spitzenlasten wichtiger.

Parallel wächst der Druck auf Genehmigungsbehörden, konkurrierende Nutzungen frühzeitig abzuwägen. Rechenzentren sichern digitale Dienste und wirtschaftliche Wertschöpfung, greifen aber zugleich auf knappe Ressourcen und Flächen zurück. Verbindliche Meldepflichten und nachvollziehbare Wassergutachten könnten die Grundlage schaffen, um Investitionen regional besser mit dem Schutz von Trinkwasser und Ökosystemen zu verbinden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Warum stehen so viele Rechenzentren in Hessen?“ (06.11.2026)

Der Beitrag ordne den Wasserverbrauch als einen von mehreren Kritikpunkten am Ausbau ein und stelle die besondere Bedeutung Hessens als Rechenzentrumsstandort heraus. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stärker auf Standortfaktoren und den ebenfalls hohen Strombedarf.

Frankfurter Rundschau: „KI-Boom in Deutschland – doch der Strom wird knapp“ (05.11.2026)

Der Artikel beschreibe den KI-getriebenen Ausbau vor allem als Problem für Stromnetze und Anschlusskapazitäten. Damit ergänze er die Wasserperspektive der Studie um die Frage, wie konkurrierende Infrastrukturbedarfe bis 2030 bewältigt werden könnten.

Gemeinsam ist den Beiträgen der Hinweis, dass der Ausbau nicht nur von Investitionen, sondern auch von regional begrenzten Ressourcen abhängt. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt: Die dpa-Meldung behandelt Wasserverbrauch und Kühltechnik, die beiden Beiträge vor allem Standort- und Stromfragen.

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