RedHook-Trojaner, Android-Malware

RedHook-Trojaner: Android-Malware kapert 53 Befehle über WLAN

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 21:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Banking-Trojaner RedHook infiziert Android-Smartphones über die ADB-Schnittstelle und greift Finanzdaten an. Die Fallzahlen steigen rasant.

RedHook-Trojaner kapert Android-Geräte über WLAN-Debugging
Eine Hand hält ein Smartphone mit einem leuchtend roten Haken-Symbol und digitalem Code, der vom Bildschirm ausgeht, vor dunklem Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sicherheitsforscher schlagen Alarm: Die Schadsoftware RedHook kapert Android-Geräte über die WLAN-Debugging-Schnittstelle – und die Fallzahlen steigen rasant.

Ursprünglich in Vietnam und Indonesien entdeckt, verbreitet sich der Banking-Trojaner nun zunehmend in andere Regionen. Das Analyseunternehmen Group-IB dokumentiert eine besorgniserregende Zunahme der Infektionen. Experten warnen: Die Malware zielt gezielt auf Finanzdaten ab.

Wie RedHook die Sicherheitsbarrieren umgeht

Das Besondere an RedHook: Es nutzt die Android Debug Bridge (ADB) über WLAN – oft vermittelt durch das Shizuku-Framework. So erlangt die Schadsoftware Shell-Zugriff, ohne dass eine Root-Berechtigung nötig ist. Herkömmliche Sicherheitsmechanismen werden damit ausgehebelt.

Die Verbreitung erfolgt klassisch per Social Engineering: Phishing-Anrufe, SMS oder gefälschte Webseiten, die offiziellen Google-Play-Seiten täuschend ähnlich sehen, locken Nutzer zum Herunterladen einer schädlichen APK-Datei. Die Quellen sind oft externe Plattformen wie GitHub oder Amazon S3.

Ist die App erst installiert, trickst RedHook die Opfer aus, Barrierefreiheitsberechtigungen zu erteilen. Diese Zugriffsrechte nutzt die Malware, um automatisch die Entwickleroptionen und das drahtlose Debugging zu aktivieren.

53 Fernbefehle – von Screenrecording bis Kamera-Spionage

Die aktuelle Variante von RedHook beherrscht nach Erkenntnissen von Group-IB beeindruckende 53 Remote-Kommandos. Dazu gehören:

  • Live-Bildschirmübertragung und Keylogging in Echtzeit
  • Ferninstallation oder Deinstallation von Apps
  • Unbefugte Aktivierung der Gerätekamera
  • Sperren und Entsperren des Smartphones

Um dauerhaft auf dem Gerät zu bleiben, setzt RedHook auf mehrere Tricks: stille Audiowiedergabe, WakeLock-Funktionen, die das Einschlafen des Geräts verhindern, und selbststartende Dienste nach jedem Neustart.

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Betroffene Geräte: Samsung und Xiaomi im Visier

Sicherheitsdiskussionen zeigen, dass die Malware besonders effektiv auf populären Modellen wie dem Samsung S23 Ultra und dem Xiaomi 14T Pro arbeitet. Die Schwachstelle liegt jedoch nicht in der Hardware, sondern in der Debugging-Architektur von Android – vorausgesetzt, der Nutzer hat die Sicherheitseinstellungen manuell übersteuert.

Samsung-Geräte verfügen zwar über die Auto-Blocker-Funktion, die Standardinstallationen von unbekannten Quellen unterbindet. Doch RedHook manipuliert die Nutzer gezielt, diese Schutzmechanismen zu umgehen.

Der größere Kontext: Banking-Trojaner auf dem Vormarsch

Die RedHook-Welle ist kein Einzelfall. Der Zimperium Banking Heist Report 2026 identifiziert 34 aktive Malware-Familien, die insgesamt 1.243 Finanzinstitute in 90 Ländern angreifen. Besonders alarmierend: Mobile Finanzbetrug nimmt rasant zu – die Zahl der Transaktionen, die auf Android-Malware zurückgehen, stieg im Jahresvergleich um 67 Prozent.

Parallel zu RedHook entdeckten Zimperium-Forscher Hook v3, einen hoch entwickelten Banking-Trojaner. Diese Variante unterstützt 107 Remote-Kommandos – 38 mehr als ihr Vorgänger. Neu sind unter anderem Ransomware-Overlays, gefälschte NFC-Zahlungskarten-Overlays und die Fähigkeit, Sperrbildschirme zu umgehen. Die Grenzen zwischen Banking-Trojanern, Spyware und Ransomware verschwimmen zusehends.

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Zusätzliche Gefahr: Lockscreen-Lücke in Android 16

Neben der Malware-Bedrohung kämpft das Android-Ökosystem mit einer neu entdeckten Sperrbildschirm-Schwachstelle in Android 16. Der KI-Assistent Gemini kann die PIN-Sicherheit durch bestimmte Multi-Touch-Gesten umgehen – und so etwa SMS oder WhatsApp-Nachrichten von einem gesperrten Gerät aus versenden.

Google hat einen Fix angekündigt, der ab dieser Woche ausgerollt wird. Betroffen ist vor allem die Pixel-6-Serie. Bis zum Update empfehlen Sicherheitsexperten, Gemini-Zugriff auf dem Sperrbildschirm zu deaktivieren.

Schutz vor RedHook: Drei einfache Regeln

Um sich vor RedHook und ähnlichen Bedrohungen zu schützen, raten Sicherheitsforscher zu folgenden Maßnahmen:

  1. Keine APKs aus unbekannten Quellen sideloaden
  2. Drahtloses Debugging dauerhaft deaktiviert lassen
  3. Barrierefreiheitsberechtigungen nur nach sorgfältiger Prüfung erteilen

Diese einfachen Vorsichtsmaßnahmen können die Infektionskette von RedHook bereits im Ansatz unterbrechen.

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