Rehabilitation in der Schweiz: Vier von neun könnten Leistungen benötigen
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie gesundheitspolitische Bedeutung rehabilitativer MaĂnahmen nimmt im Zuge einer alternden Bevölkerung und chronischer Erkrankungen weltweit zu. In der Schweiz hat die UniversitĂ€t Luzern gemeinsam mit Partnerinstitutionen im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift âPublic Health Reviewsâ einen Policy Brief veröffentlicht, der 22 evidenzinformierte Politikempfehlungen formuliert.
Das Papier baut auf einer Resolution der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2023 auf und zielt darauf ab, bestehende LĂŒcken in der nationalen Versorgungsstruktur systematisch zu schlieĂen.
Wachsender Bedarf und strategische Leerstellen
Der Handlungsdruck in der schweizerischen Gesundheitsversorgung lÀsst sich anhand epidemiologischer Daten ablesen. Im Jahr 2022 lebte mehr als ein Drittel der Bevölkerung in der Schweiz mit einer chronischen Erkrankung.
SchÀtzungen zufolge könnten im Laufe ihres Lebens vier von neun Menschen von rehabilitativen Leistungen profitieren. Zudem stieg die Kennzahl der mit BeeintrÀchtigung gelebten Jahre (Years Lived with Disability) im Zeitraum zwischen 1990 und 2021 um 38,2 Prozent.
Trotz dieser Entwicklung weist die strategische Steuerung des Gesundheitssystems Defizite auf. Wie die UniversitĂ€t Luzern und ihre Partner darlegen, fehlt der Bereich der Rehabilitation bislang sowohl in der nationalen Strategie âHealth2030â als auch in der Schweizer Strategie zu nichtĂŒbertragbaren Krankheiten (NCD-Strategie).
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Ansatzpunkte fĂŒr strukturelle Reformen
Um die Rehabilitation im Gesundheitssystem fest zu verankern, benennt das Autorenteam ein Spektrum konkreter Reformschritte. Zu den zentralen VorschlĂ€gen zĂ€hlen der Aufbau einer nationalen Allianz fĂŒr Rehabilitation sowie die Einrichtung einer Koordinationseinheit. Daneben fordern die Forschenden eine Reform der geltenden Tarife, um Versorgungsstrukturen zukunftsfĂ€hig zu finanzieren.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Dezentralisierung und Digitalisierung der Versorgung. Der Policy Brief regt den gezielten Ausbau von Tele-Rehabilitation und Heimrehabilitation an, um Patientinnen und Patienten flexibler im Alltag zu erreichen.
ErgÀnzend betonen die Experten die Notwendigkeit assistiver Technologien, eines kontinuierlichen Workforce-Monitorings gegen FachkrÀftemangel sowie einer standardisierten Erfassung von Funktionsdaten gemÀà der Internationalen Klassifikation der FunktionsfÀhigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF).
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Evidenzbasierte Optimierung therapeutischer Verfahren
Parallel zu strukturellen Fragestellungen liefert auch die klinische Forschung im Bereich chronischer Schmerzen Impulse fĂŒr die praktische Umsetzung rehabilitativer Interventionen.
Eine randomisierte kontrollierte Studie von Jongutchariya et al., die 2026 in der Fachzeitschrift âPLoS Oneâ erschien, untersuchte an einem Zentrum in Thailand die Effizienz repetitiver peripherer Magnetstimulation (rPMS) bei 66 Erwachsenen mit Myofaszialschmerz des oberen Musculus trapezius.
Die Untersuchung verglich eine zehnminĂŒtige mit einer fĂŒnfzehnminĂŒtigen Sitzung. Nach vier Wochen zeigten sich zwischen beiden Interventionsdauern keine signifikanten Unterschiede bei der SchmerzintensitĂ€t (adjustierte Differenz -0,27; 95-Prozent-Konfidenzintervall -0,95 bis 0,40; p=0,43), der Druckschmerzschwelle (0,17; 95-Prozent-Konfidenzintervall -0,70 bis 1,03; p=0,71) sowie dem Neck Disability Index (-0,64; 95-Prozent-Konfidenzintervall -3,29 bis 2,02; p=0,64).
Die VerlĂ€ngerung der Therapiedauer von 10 auf 15 Minuten brachte somit keinen zusĂ€tzlichen klinischen Nutzen. Solche Detailergebnisse aus der Forschung verdeutlichen, dass Behandlungsressourcen in der Schmerztherapie und Rehabilitation durch gezielte EvidenzĂŒberprĂŒfung optimiert werden können.
