Rente ab 63: 68 Prozent der Deutschen lehnen Abschaffung ab
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Rentenkommission hat weitreichende Empfehlungen zur Zukunft der Altersteilzeit und der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren vorgelegt. Im Kern geht es um die Abschaffung des sogenannten Blockmodells sowie eine Anhebung des Einstiegsalters für Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre.
Parallel steht die Rente ab 63 zur Disposition. Die Vorschläge lösen Widerspruch bei Gewerkschaften, der Linken und Teilen der SPD aus, während die Bundesregierung eine Abschaffung des Blockmodells anstrebt.
Was das Blockmodell betrifft
Beim Blockmodell arbeiten Beschäftigte zunächst in Vollzeit weiter, reduzieren ihre tatsächliche Arbeitszeit aber faktisch auf null in der zweiten Phase vor der Rente – bei gleichbleibender, anteiliger Bezahlung über den gesamten Zeitraum.
Laut Statistischem Bundesamt nutzten 2023 rund 284.000 Beschäftigte Altersteilzeit, davon entfielen 82 Prozent auf dieses Modell. Die Rentenkommission empfiehlt nun dessen Abschaffung sowie die Anhebung des frühestmöglichen Einstiegsalters von 55 auf 58 Jahre. Die Bundesregierung unterstützt das Vorhaben, das Blockmodell abzuschaffen.
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Das Sozialministerium betont, dass Altersteilzeit grundsätzlich weiterhin möglich bleiben solle, etwa über Wertguthaben-Modelle, die eine graduelle Reduzierung der Arbeitszeit ermöglichen, ohne auf eine vollständige Freistellungsphase zu setzen.
Kritik aus Wirtschaft und Politik
Der Bankenverband warnt eindringlich vor den Folgen: In der Privatbanken-Branche nutzen nach eigenen Angaben 99 Prozent der Beschäftigten in Altersteilzeit das Blockmodell. Eine Abschaffung käme aus Sicht des Verbands einer faktischen Abschaffung der Altersteilzeit insgesamt gleich.
Der Arbeitgeberverband der Privatbanken, dem unter anderem Commerzbank und Deutsche Bank angehören, verweist zudem darauf, dass mit dem Modell ein wichtiges Instrument für sozialverträglichen Personalumbau verloren ginge.
Auch die Linke äußert scharfe Kritik: Sie warnt vor betriebsbedingten Kündigungen, sollte das Blockmodell wegfallen, und bezeichnet die geplante Einschränkung als mehr als fahrlässig.
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Streit um die Rente ab 63
Neben der Altersteilzeit steht auch die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, umgangssprachlich Rente ab 63, im Fokus der Kommissionsempfehlungen. Laut Rentenkommission verursacht diese Regelung Kosten von 3,5 Milliarden Euro jährlich; eine Abschaffung würde nach ihren Berechnungen 9,5 Milliarden Euro pro Kohorte einsparen. Die Koalition plant, insgesamt 33 Empfehlungen der Kommission umzusetzen – darunter auch diese Abschaffung.
Der Widerstand ist beträchtlich: Der SPD-Arbeitnehmerflügel um Cansel Kiziltepe fordert den Erhalt der Regelung. Bundesarbeitsministerin Bas signalisierte sich offen für einen Verzicht auf die Abschaffung. Auch Gewerkschaften kritisieren die Pläne. Einer Umfrage zufolge lehnen 68 Prozent der Deutschen die Abschaffung der Rente ab 63 ab.
Ein Konflikt zwischen Konsolidierung und sozialer Absicherung
Die Debatte offenbart ein grundsätzliches Spannungsfeld: Während die Rentenkommission mit ihren Empfehlungen auf finanzielle Entlastung der Rentenkassen zielt, sehen Gewerkschaften, Teile der Politik und Arbeitgeberverbände in den bisherigen Modellen ein bewährtes Instrument, um Beschäftigten einen planbaren Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen. Ob und in welcher Form die Empfehlungen tatsächlich umgesetzt werden, hängt von den weiteren politischen Abstimmungen innerhalb der Koalition ab.
