Rentenkommission: 70-Prozent-Ziel erfordert private Vorsorge
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 09:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Juli ihre lang erwarteten VorschlÀge vorgelegt. Kernpunkte: eine teilweise Kapitaldeckung, ein spÀteres Renteneintrittsalter und eine Zielmarke von 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Die PlÀne könnten das deutsche Rentensystem grundlegend verÀndern.
70-Prozent-Ziel: Gesetzliche Rente allein reicht nicht
Die Kommission empfiehlt eine Nettoersatzquote von mindestens 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens als Gesamtversorgung. Diese Kennzahl soll regelmĂ€Ăig veröffentlicht werden. Doch die Experten sind deutlich: Die gesetzliche Rente allein wird dieses Niveau kĂŒnftig nicht mehr erreichen. Private oder betriebliche Vorsorge sei zwingend nötig. Ein Rechtsanspruch auf diese Quote ist nicht vorgesehen.
Beim Renteneintrittsalter schlĂ€gt die Kommission eine Kopplung an die Lebenserwartung vor â das sogenannte 2:1-Modell. Gewonnene Lebensjahre werden im VerhĂ€ltnis zwei Teile Arbeit zu einem Teil Rente aufgeteilt. Ab 2031 könnte die Regelaltersgrenze schrittweise steigen. FĂŒr heute 30-JĂ€hrige bedeutet das: Rente erst mit 68. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren soll perspektivisch entfallen oder angepasst werden.
Kapitalrente nach schwedischem Vorbild
Ein zentraler Baustein der PlĂ€ne: die EinfĂŒhrung einer Kapitalrente. ZusĂ€tzliche BeitrĂ€ge von bis zu 2 Prozent wĂ€ren fĂ€llig â ein jĂ€hrliches Volumen von rund 40 Milliarden Euro. Ab 2040 soll dieses Modell das Rentenniveau stabilisieren.
Bereits 2027 startet das Altersvorsorgedepot. Es verzichtet auf Beitragsgarantien, verspricht aber höhere Renditechancen. Rund 16 Millionen bestehende Riester-VertrĂ€ge könnten ĂŒbertragen werden, staatliche Zulagen bleiben erhalten. Die Modellrechnungen zeigen konkrete Effekte: Ein Durchschnittsverdiener des Jahrgangs 1979 könnte bei Renteneintritt mit 67,5 Jahren auf 3.570 Euro monatlich kommen â 315 Euro mehr als nach aktueller Rechtslage.
Die Rentenkommission hat klargestellt: Die gesetzliche Rente allein wird das 70-Prozent-Ziel nicht erreichen. FĂŒr heute 30-JĂ€hrige bedeutet das Rente erst mit 68 â und eine wachsende private LĂŒcke. Unser kostenloser Report zeigt Ihnen in drei konkreten Schritten, wie Sie diese LĂŒcke schlieĂen. Jetzt kostenlosen Vorsorge-Plan anfordern
Kritik: Kaufkraftverlust und soziale Schieflage
Doch die PlĂ€ne haben ihre Schattenseiten. IMK-Expertin Ulrike Stein warnt vor einem Entzug von Kaufkraft. Ein GroĂteil der Mittel fĂŒr die Kapitalrente flieĂe an internationale FinanzmĂ€rkte â fehle dem heimischen Konsum. Erste SchĂ€tzungen sprechen von einem möglichen BIP-Verlust von bis zu einem Prozent. Rechnerisch könnten 250.000 ArbeitsplĂ€tze gefĂ€hrdet sein.
Auch sozialpolitisch gibt es massiven Widerstand. SoVD-Rentenexpertin Henriette Wunderlich widerspricht Kanzler Merz: Die Behauptung, 50 Euro private Vorsorge pro Monat seien fĂŒr jeden leistbar, sei realitĂ€tsfern. Viele Haushalte hĂ€tten dafĂŒr schlicht keine SpielrĂ€ume. Wunderlich fordert stattdessen steuerliche MaĂnahmen â eine Reform der Erbschaftsteuer oder die EinfĂŒhrung einer Vermögensteuer.
Politische Fronten: SPD lehnt zentrale Punkte ab
Bereits ab 2027 startet das Altersvorsorgedepot â ohne Beitragsgarantie, aber mit höheren Renditechancen. Wer jetzt seine Strategie anpasst, kann von den neuen Möglichkeiten profitieren. Unser Report vergleicht Depot und Riester, gibt Steuertipps und zeigt den optimalen Weg. Altersvorsorge-Checkliste jetzt sichern
Die Politik reagiert gespalten. SPD-Politiker wie Armin Willingmann und Manuela Schwesig lehnten zentrale VorschlĂ€ge bereits ab. Besonders die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren stöĂt auf Widerstand. Die BefĂŒrchtung: ein massiver Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Auch die Opposition ĂŒbt deutliche Kritik an Kapitalrente und spĂ€terem Renteneintritt.
Bis 2031 bleibt das Rentenniveau von 48 Prozent gesichert. Ab 2032 dĂŒrfte der Nachhaltigkeitsfaktor die Erhöhungen dĂ€mpfen. Die Debatte um Finanzierbarkeit und gerechte Lastenverteilung zwischen den Generationen wird die Wirtschaftspolitik der kommenden Monate bestimmen.
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