Rentenreform: Mindestalter für den Rentenbezug soll von 63 auf 64 steigen
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Neuaufstellung an der Spitze des Bundesarbeitsministeriums fällt in eine Phase intensiver Debatten über die künftige Alterssicherung in Deutschland. Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas übernimmt Alexander Schweitzer die Leitung des Ressorts, womit sich die Auseinandersetzungen innerhalb der Koalition über die Ausgestaltung der Rentenreform zuspitzen.
Während Bundeskanzler Friedrich Merz auf eine zügige Verabschiedung der Reformpläne drängt, knüpft der neue Arbeitsminister die Vorlage eines konkreten Gesetzentwurfs an eine vorherige grundlegende Einigung der Koalitionspartner. Sobald über alle Fragen der Alterssicherung Konsens herrsche, solle die gesetzliche Umsetzung erfolgen.
Divergierende Zeitpläne und Streit um die Frühverrentung
Auf dem Arbeitgebertag in Berlin bekräftigte Bundeskanzler Merz seine Erwartung, dass der Gesetzentwurf noch im Jahr 2026 im Bundeskabinett behandelt und im ersten Quartal 2027 im Bundestag beschlossen werden müsse. Ursprünglich war die Zielmarke von Jahresende auf das Frühjahr verschoben worden.
Merz plädierte für eine umfassende Reform ohne Abstriche und hob hervor, dass ein Ende der abschlagsfreien Frühverrentung das Rentensystem gerechter mache. Zudem sei ein Einstieg in eine kapitalgedeckte Komponente notwendig; hier liege Deutschland mindestens drei Jahrzehnte zurück.
Zwar führten die Reformen der Sozialversicherungssysteme zu langfristig stabilen Beitragssätzen und durch eine gesetzliche Kapitalrente zu höheren Rentenleistungen, für den Aufbau des Kapitalstocks seien jedoch vorübergehend höhere Beiträge erforderlich.
Demgegenüber vertritt Bundesarbeitsminister Schweitzer abweichende Prioritäten. In einem Zeitungsinterview Ende September hatte er die Einstufung der Reform als unteilbares Gesamtpaket zurückgewiesen und auch einen Kompromiss seiner Amtsvorgängerin abgelehnt, die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Berufsjahren über Übergangsfristen abzufedern.
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Angesichts des Erstarkens der AfD hatte Schweitzer bereits zuvor verlangt, das Reformvorhaben noch einmal grundlegend zu verhandeln. Auch SPD-Chef Lars Klingbeil betonte den Klärungsbedarf bei der abschlagsfreien Rente, den Regelungen zu Minijobs sowie der Altersteilzeit und verwies auf eine Verabredung, zunächst mehrere Landtagswahlen abzuwarten.
Die Kernpunkte der Expertenkommission
Grundlage der parlamentarischen Debatte bildet der Bericht der Alterssicherungskommission, die am 23. Juni 2026 insgesamt 33 Empfehlungen vorgelegt hatte.
Zu den Kernvorschlägen gehören die Einführung einer gesetzlichen Kapitalrente mit einem zusätzlichen Beitrag von zwei Prozent, der je zur Hälfte von Arbeitgebern und Beschäftigten getragen werden soll, sowie die Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung nach dem Jahr 2031. Darüber hinaus empfahl das Gremium, das Mindestalter für den frühesten Rentenbezug nach 35 Versicherungsjahren von 63 auf 64 Jahre anzuheben und weitere Selbstständige in die Versicherungspflicht einzubeziehen.
Konflikte bestehen vor allem bei drei Vorhaben:
- Abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren: Die Kommission plädiert für eine Streichung der Regelung, was von der Unionsführung unterstützt wird, während die SPD auf Härtefallregelungen pocht.
- Minijobs: Vorgesehen ist eine Einbeziehung in die Rentenversicherung ohne Befreiungsmöglichkeit – ausgenommen Schüler – sowie die Abschaffung steuer- und beitragsrechtlicher Sonderregelungen, was Teile der Union ablehnen.
- Altersteilzeit: Das vorgeschlagene Mindestalter soll von 55 auf 58 Jahre steigen und an die Regelaltersgrenze gekoppelt werden; die Blockvariante soll entfallen.
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Druck aus Wirtschaft und Parlament
Während SPD-Fraktionschef Matthias Miersch einen Rentengipfel unter Einbindung der Bundestagsfraktionen und Ministerpräsidenten vorschlug, lehnen Vertreter der Unionsfraktion wie Florian Winkel zusätzliche Verhandlungsrunden ab. Auch CSU-Chef Markus Söder forderte den neuen Arbeitsminister auf, bestehende Koalitionsvereinbarungen zu übernehmen.
Mahnungen kommen zudem von den Wirtschaftsverbänden: Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger forderte eine zügige Einigung und warnte davor, dass ein politischer Stillstand bis zur nächsten Bundestagswahl erhebliche wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen würde.
