Resolution vom 24. Juli: Vietnam setzt auf Wissenswirtschaft
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der am 24. Juli 2026 verabschiedeten Resolution der Kommunistischen Partei Vietnams hat die Staatsführung eine grundlegende Erneuerung des nationalen Entwicklungsmodells eingeleitet. Die auf der 3. Konferenz des Zentralkomitees beschlossenen Maßnahmen zielen darauf ab, die wirtschaftliche Basis des Landes von traditionellen, wachstumsabhängigen Produktionsfaktoren hin zu einer wissensbasierten Ökonomie zu transformieren.
Abkehr von traditionellen Produktionsfaktoren
Generalsekretär und Präsident To Lam betonte im Zuge der Konferenz die Notwendigkeit, den Fokus künftig verstärkt auf Produktivität, technologisches Know-how und Humankapital zu legen. Er warnte davor, dass Vietnam Gefahr laufe, den globalen Anschluss zu verlieren, sollte die geforderte Erneuerung der wirtschaftlichen Strukturen ausbleiben. Das Ziel dieser Neuausrichtung ist ein grundlegender Wandel in der Wachstumsqualität und der nationalen Wettbewerbsfähigkeit, der bis zum Jahr 2045 vollständig vollzogen sein soll.
Das verabschiedete Modell umfasst neun Schlüsselkomponenten, wobei Wissenschaft, Technologie und Innovation als zentrale Pfeiler fungieren. Die digitale Transformation sowie die Etablierung von Daten als grundlegende Infrastruktur bilden das Rückgrat der neuen Strategie. In diesem Zusammenhang soll insbesondere der Privatsektor eine führende Rolle bei der praktischen Anwendung neuer Technologien übernehmen.
Prioritäre Industriesektoren und strategische Investitionen
Die Resolution definiert eine Reihe von Hochtechnologiesektoren, die künftig priorisiert behandelt werden. Dazu gehören unter anderem die Halbleiterindustrie, Künstliche Intelligenz (KI), Quantentechnologie und die Biotechnologie. Auch die Materialindustrie, neue Energien sowie der Bereich der Logistik und moderne Finanzdienstleistungen stehen im Fokus der staatlichen Förderung. Ergänzt wird dieses Spektrum durch Investitionen in die Hightech-Landwirtschaft und die Kulturindustrie.
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Ein wesentlicher Aspekt der neuen Strategie betrifft die Behandlung von ausländischen Direktinvestitionen (FDI). Hier sieht die Planung einen Paradigmenwechsel vor: Anstatt einer rein quantitativen Steigerung der Investitionssummen soll künftig die Qualität der Projekte im Vordergrund stehen. Hintergrund dieser Entscheidung ist die derzeitige Situation, in der FDI-Projekte in Vietnam oft nur eine geringe inländische Wertschöpfung von 30-35 % aufweisen.
Wirtschaftlicher Kontext und Wachstumserwartungen
Die wirtschaftliche Ausgangslage Vietnams ist durch eine hohe Abhängigkeit vom Bankensektor geprägt, wobei das Bankkapital derzeit mehr als 50 % der gesamten Wirtschaftsressourcen des Landes ausmacht. Zudem dominieren bisher Exporte von Agrarprodukten und Rohstoffen die Handelsbilanz. Gleichzeitig steht das Land unter einem zunehmenden Kostendruck: Die Löhne im verarbeitenden Gewerbe haben sich im letzten Jahrzehnt fast verdreifacht und erreichen mittlerweile nahezu das Niveau des regionalen Wettbewerbers Thailand.
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Trotz dieser Herausforderungen konnte Vietnam seine internationale Position in den vergangenen Jahren festigen. Im Jahr 2025 belegte das Land beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) weltweit den 32. Platz und gehörte im Bereich des Handelsvolumens zu den Top 15 Nationen.
Experten wie Professor Hoang Van Cuong, Mitglied der 15. Nationalversammlung, verbinden mit der nun eingeleiteten Reform hohe Erwartungen. Durch die konsequente Umstellung des Wachstumsmodells auf Wissenschaft und Technologie sei ein entscheidender Sprung möglich, der zu einem dauerhaften zweistelligen Wirtschaftswachstum führen könne. Diese Entwicklung gilt als Voraussetzung, um die ambitionierten Ziele für die Mitte des Jahrhunderts zu erreichen.
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