Retina-Scan, Jahren

Retina-Scan: KI schÀtzt das Alter mit nur 2,5 bis 2,7 Jahren Fehler

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Retina-Scans schÀtzen das Lebensalter prÀzise; ZusammenhÀnge mit Erkrankungen sind erkennbar, eine klinische Diagnose ermöglicht das Verfahren bislang nicht.

KI analysiert Netzhaut: Hinweise auf biologisches Alter und Gesundheitsrisiken
Detailaufnahme eines komplexen Adergeflechts im menschlichen Auge bei medizinischer Untersuchung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsarbeiten untersuchen verstĂ€rkt das Potenzial der Netzhaut-Analyse als nicht-invasives Instrument zur Bestimmung des biologischen Alterns und zur FrĂŒherkennung systemischer Erkrankungen. Im Zentrum dieser Entwicklung stehen KI-gestĂŒtzte Modelle, die mithilfe von Retina-Scans die Differenz zwischen dem chronologischen und dem biologischen Alter eines Menschen bestimmen können.

Technologische Grundlagen und Validierung durch die Wissenschaft

Forschende der Seoul National University entwickelten ein KI-Modell, das im September 2026 in der Fachzeitschrift GeroScience thematisiert wurde. Das Modell wurde mit einem Datensatz von 29.530 Retina-Aufnahmen von 7.535 Personen trainiert.

Zur anschließenden ÜberprĂŒfung der Genauigkeit nutzten die Wissenschaftler 14.832 Aufnahmen von 7.416 Probanden. Die Analyse ergab, dass die kĂŒnstliche Intelligenz in der Lage ist, das chronologische Alter mit einem mittleren Fehler von lediglich 2,5 bis 2,7 Jahren zu schĂ€tzen.

Das Modell verwendet fĂŒr die Auswertung sowohl Bilder gesunder Augen als auch Aufnahmen von Netzhaut- oder Sehnervenerkrankungen. Ziel der Entwicklung ist die Identifizierung der sogenannten Retina-Altersdifferenz (retinal age gap, RAG). Dieser Wert gibt Aufschluss darĂŒber, wie stark das durch die Netzhautstruktur indizierte biologische Alter von der tatsĂ€chlichen Lebenszeit abweicht.

Korrelationen zwischen Netzhautalter und systemischen Risiken

Die Auswertungen der Seoul National University deuten auf signifikante ZusammenhÀnge zwischen bestimmten LebensumstÀnden oder Erkrankungen und einer beschleunigten biologischen Alterung hin. Den Daten zufolge lag die Retina-Altersdifferenz bei Personen mit Diabetes im Durchschnitt bei +2,52 Jahren.

Auch das Konsumverhalten spielt eine messbare Rolle: Bei aktiven Rauchern wurde eine Differenz von etwa +0,5 Jahren festgestellt, wÀhrend der Wert bei ehemaligen Rauchern bei +0,46 Jahren lag.

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Zudem wurden ZusammenhÀnge mit spezifischen Augenerkrankungen beobachtet. WÀhrend die Differenz bei einer Makuladegeneration bei +0,6 Jahren lag, zeigte sich beim Katarakt (Grauer Star) eine Abweichung von +1,86 Jahren.

Die Forschenden gaben hierbei jedoch zu bedenken, dass der Wert beim Katarakt teilweise durch eine beeintrĂ€chtigte BildqualitĂ€t aufgrund der TrĂŒbung der Linse beeinflusst sein könnte. GrundsĂ€tzlich belegen die Befunde Korrelationen, erlauben jedoch keine direkten RĂŒckschlĂŒsse auf Ursache-Wirkungs-Prinzipien.

Klinische Einordnung und kĂŒnftige Anwendungsbereiche

Trotz der prĂ€zisen SchĂ€tzwerte betonen Fachleute, dass das Verfahren derzeit keine individuellen Erkrankungen diagnostiziert. Es handele sich momentan noch nicht um ein validiertes Maß fĂŒr die biologische Alterung im klinischen Sinne, sondern vielmehr um ein Werkzeug, das sich fĂŒr die Analyse von Bevölkerungstrends eignet. Eine LĂ€ngsschnittvalidierung sowie Vergleiche mit bereits etablierten biologischen Altersmaßen stĂŒnden noch aus.

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Dennoch sehen Forschende in dem Verfahren ein erhebliches Potenzial als FrĂŒhwarnsignal. Eine Integration der KI-gestĂŒtzten Analyse in routinemĂ€ĂŸige Augenuntersuchungen wird als kĂŒnftige Möglichkeit angefĂŒhrt, um Hinweise auf verborgene systemische Risiken frĂŒhzeitig zu erhalten.

ErgĂ€nzt werden diese Erkenntnisse durch Forschungsergebnisse der UniversitĂ€t Lausanne, die bereits im August 2026 publiziert wurden. In einer Studie mit ĂŒber 70.000 Teilnehmenden der UK-Biobank im Alter zwischen 40 und 79 Jahren wurde das Alter ebenfalls mit einem mittleren Fehler von unter 3 Jahren geschĂ€tzt. Dabei zeigte sich, dass ein höheres geschĂ€tztes Retina-Alter mit einem gesteigerten Krankheits- und Sterberisiko innerhalb der folgenden 15 Jahre korrelierte. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung der retinalen Diagnostik fĂŒr die prĂ€ventive Medizin und die Altersforschung.

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de | wissenschaft | 70190136 |