Rheuma und Herz: Neue S3-Leitlinie senkt Kardio-Risiko systematisch
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 08:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine neue Leitlinie will das systematisch ändern.
Anfang Juli veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) die erste S3-Leitlinie zum Management kardiovaskulärer Komorbiditäten bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Das Ziel: Das Herz-Kreislauf-Risiko erfassen und senken.
Herzrisiko vergleichbar mit Diabetes
Nach Einschätzung von Experten wie Prof. Jan Leipe vom UKSH Kiel ist das Risiko bei Rheuma-Patienten mit dem von Diabetikern vergleichbar. Die Leitlinie empfiehlt deshalb eine regelmäßige Kontrolle klassischer Risikofaktoren: Blutdruck, Blutfette, Diabetes, Übergewicht und Rauchverhalten.
Ein zentraler Punkt: Die rheumatische Entzündung selbst muss konsequent behandelt werden. Sie gilt als wesentlicher Treiber für kardiovaskuläre Schäden. Bei Medikamenten raten die Experten, Glukokortikoide und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) so niedrig dosiert und kurz wie möglich einzusetzen.
DGRh-Präsident Prof. Ulf Wagner betont: Die Leitlinie stärke den interdisziplinären Blick zwischen Rheumatologie und Kardiologie.
Ernährung als Schlüsselfaktor
Schon Mitte Juni empfahl die DGRh eine tägliche Ballaststoffzufuhr von mindestens 30 Gramm – deutlich über dem deutschen Durchschnitt von etwa 18 Gramm.
Chronische Entzündungen und Bluthochdruck sind oft eng miteinander verknüpft und belasten das Herz-Kreislauf-System massiv. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie Ihre Werte mit 12 natürlichen Entzündungs-Killern und gezielter Ernährung effektiv verbessern können. Gratis-Ratgeber: Entzündungshemmende Ernährung herunterladen
Studien aus der ersten Jahreshälfte 2026 untermauern die Bedeutung der Ernährung. Eine Untersuchung in JAMA Neurology mit rund 160.000 Erwachsenen zeigte: Die DASH-Diät senkt den kognitiven Abbau um bis zu 41 Prozent und das Risiko für Herzerkrankungen um etwa 20 Prozent.
Daten der Tufts University deuten zudem darauf hin, dass maßgeschneiderte Mahlzeitenpläne Krankenhausaufenthalte um 31 Prozent reduzieren können.
Neue Biomarker für Herzinfarkt-Risiko
Parallel zur Leitlinie liefert die Forschung präzisere Diagnostik. Forscher der Universität Münster veröffentlichten im Sommer 2026 in Nature Cardiovascular Research Erkenntnisse zu unreifem Immunzellen, sogenannten Preneutrophilen. Deren Nachweis über einen einfachen Blutwert (IG-Wert) kann das 30-Tage-Sterberisiko nach einem Herzinfarkt genauer vorhersagen als bisherige Biomarker.
Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck zählt zu den gefährlichsten Risikofaktoren für Folgeschäden am Herzen, wird aber oft viel zu spät erkannt. Prof. Dr. med. Thomas Kurscheid zeigt Ihnen in seinem Spezialreport 7 einfache Wege auf, wie Sie Ihren Blutdruck auf natürliche Weise regulieren und Ihr Infarktrisiko senken. 7 Tipps zur natürlichen Blutdrucksenkung hier kostenlos sichern
Neue Wirkstoffe in der Pipeline
Auch die Pharmaforschung liefert Fortschritte:
- Statine: Eine Studie der McMaster University in Science Advances entschlüsselte den Mechanismus für Statin-assoziierte Muskelbeschwerden – der Weg für verträglichere Cholesterinsenker ist geebnet.
- SGLT-2-Inhibitoren: Der Wirkstoff Dapagliflozin schützt laut einer Studie in Nature Medicine Menschen mit genetischer Veranlagung für Kardiomyopathie wirksam vor Herzinsuffizienz.
- GLP-1-Rezeptoragonisten: Auf dem EULAR-Kongress 2026 wurde diskutiert, dass diese Wirkstoffe durch Gewichtsreduktion auch bei Osteoarthrose eine krankheitsmodifizierende Option sein könnten.
Für die Praxis wurden zum 1. Juli 2026 neue Abrechnungsziffern im EBM für digitale Gesundheitsanwendungen wie die App „Axia“ eingeführt. Sie unterstützt Patienten mit axialer Spondyloarthritis.
Die neue Leitlinie reiht sich ein in zehn neue oder aktualisierte S3-Leitlinien, die im ersten Halbjahr 2026 unter anderem für Demenz, Lungenkrebs und Multimorbidität veröffentlicht wurden.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
