Rheumatoide, Arthritis

Rheumatoide Arthritis: Krafttraining senkt Demenzrisiko um 45%

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 08:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studien belegen Potenzial von Krafttraining und Höhlentherapie bei chronischen Erkrankungen. Jobcenter müssen künftig auf Reha-Angebote hinweisen.

Krafttraining, Höhlenaufenthalte: Neue Therapien für chronisch Kranke
Eine Person praktiziert sanfte Bewegung in einer ruhigen Naturlandschaft mit Bäumen und weichem Sonnenlicht, das durch die Blätter fällt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Krafttraining, Höhlenaufenthalte und Achtsamkeit – immer mehr wissenschaftliche Studien belegen das Potenzial ergänzender Behandlungsansätze bei chronischen Erkrankungen. Von gezielten Übungen bis zu spezifischen Umweltreizen: Die Forschung entdeckt traditionelle und neue Methoden, die Lebensqualität spürbar verbessern können.

Krafttraining: 40 Minuten pro Woche reichen

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat im Juli 2026 neue Erkenntnisse veröffentlicht. Bereits 40 bis 60 Minuten moderates Krafttraining pro Woche erfüllen demnach die WHO-Empfehlungen. Der sogenannte „Minimal-Dosis-Ansatz“ setzt auf hohe Intensität und Mehrgelenksübungen.

Besonders spannend: Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis kann dieses Training das Demenzrisiko um bis zu 45 Prozent senken. Die Kombination mit antientzündlicher Ernährung begünstigt sogar eine Remission. Rauchen hingegen verschlechtert den Krankheitsverlauf nachweislich. Die Universitätsklinik Erlangen bietet mit „Rheumatic?“ ein neues Online-Tool zur besseren Symptomeinordnung.

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Auch in der Kinderonkologie wird Bewegung erforscht. Die Universität Hildesheim und die Medizinische Hochschule Hannover analysieren seit Mitte Juli Daten von rund 2.500 Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie. Ziel: den therapeutischen Nutzen von Sport wissenschaftlich validieren.

Höhlentherapie: Subjektive Besserung, keine objektiven Werte

Die Speläotherapie stand im Fokus einer aktuellen Studie in „Scientific Reports“. 208 Teilnehmer mit Asthma, COPD und Long-COVID absolvierten über drei Wochen sechs Sitzungen in Höhlen. Das Ergebnis: subjektive Verbesserungen bei Asthmakontrolle, Atemnot und Fatigue. Objektive Veränderungen der Lungenfunktion ließen sich jedoch nicht nachweisen.

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Neben der Untertage-Therapie gewinnen „blaue Räume“ an Bedeutung. Das Konzept der Meerestherapie basiert auf dem „Blue Mind“-Ansatz und wird weltweit in über 100 Programmen eingesetzt. Berichte zeigen: Aufenthalte am Meer senken den Cortisolspiegel und steigern das Wohlbefinden. Beispiele reichen von Surftherapien in Kalifornien bis zu Segelprogrammen für Veteranen in Großbritannien.

Urge Surfing: Gegen den Drang anschwimmen

Bei Impulskontrollstörungen setzen Therapeuten vermehrt auf „Urge Surfing“. Die in den 1980er-Jahren entwickelte Technik basiert auf einer einfachen Erkenntnis: Ein akutes Verlangen hält meist nicht länger als 30 Minuten an. Durch Achtsamkeitsschritte wie das Benennen des Impulses und einen Körper-Scan lernen Betroffene, Drangzustände zu akzeptieren statt zu unterdrücken.

Weitere spezialisierte Entspannungsverfahren finden sich in Kliniken und Kultureinrichtungen:

  • Snoezelen: Die Stadtklinik Frankenthal eröffnete Mitte Juli einen neuen Sinnesraum für Psychiatrie-, Geriatrie- und Palliativpatienten. Gezielte Reize fördern dort die Entspannung.
  • Augen-Yoga: Der Kunstpalast Düsseldorf kombiniert ab Ende Juli Kunstbetrachtung mit Augentraining. Sechs der neun Augenmuskeln werden trainiert – über den Parasympathikus soll das zur Entspannung beitragen.
  • Kneipp-Lehre: In Hessen integrieren Vereine die klassischen Anwendungen wie Armbäder und Bürstenmassagen in den Alltag von Seniorenheimen.

Neue Pflichten für Jobcenter

Auch strukturell verändert sich die Versorgung chronisch Kranker. Seit dem 1. Juli 2026 müssen Jobcenter Bezieher von Grundsicherung bei gesundheitlichen Einschränkungen explizit auf Reha- und Teilhabeleistungen hinweisen. Hintergrund: Laut IAB sind fast 45 Prozent der erwerbsfähigen Grundsicherungsbeziehenden gesundheitlich beeinträchtigt.

Parallel setzt die LWL-Klinik Herten auf stationsäquivalente Behandlung (StäB). Ein multiprofessionelles Team führt tägliche Hausbesuche durch – das vermeidet Wiedereingliederungsprobleme nach Klinikaufenthalten und ermöglicht Therapie im vertrauten Umfeld.

Für die Zukunft zeichnen sich technologische Innovationen ab: Hamburger Wissenschaftler forschen an Implantaten aus Plexiglas-Röhrchen zur Rückenmarkregeneration. Die Markteinführung wird in etwa zehn Jahren erwartet.

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