Ricardo-Datenleck: 890.000 Konten betroffen, WhatsApp-Phishing folgt
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 04:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach aktuellen Sicherheitsvorfällen bei großen Plattformen wie dem Schweizer Online-Marktplatz Ricardo und dem Reiseveranstalter TUI nutzen Cyberkriminelle entwendete Kundendaten für zielgerichtete Phishing-Angriffe über WhatsApp. Die Täter verwenden dabei authentische persönliche Angaben, um das Vertrauen der Kontaktierten zu erschleichen und sensible Finanzdaten abzugreifen.
Im Fall von Ricardo gaben die Betreiber bekannt, dass das Unternehmen seine Kundinnen und Kunden grundsätzlich nie per E-Mail, SMS oder WhatsApp kontaktiert, um persönliche Daten abzufragen oder Transaktionen abzuwickeln. Nutzer werden dringend aufgefordert, keine verdächtigen Links zu öffnen und unter keinen Umständen Passwörter, Kreditkartenangaben, Twint- oder E-Banking-Daten preiszugeben.
Betrugsmaschen nutzen erbeutete Datensätze
Bei dem Vorfall bei Ricardo, einer Tochtergesellschaft der Swiss Marketplace Group (SMG), hatten Unbefugte Zugriff auf Namen, Postadressen und Telefonnummern von rund 890'000 Nutzerkonten erhalten. Bei Geschäftskonten war zusätzlich der Firmenname einsehbar. Die verdächtigen Serverzugriffe wurden am 7. Oktober 2026 entdeckt, woraufhin die Sicherheitslücke bis zum 9. Oktober 2026 geschlossen werden konnte.
Wie Ricardo-CEO Francesco Vass mitteilte, waren E-Mail-Adressen und Passwörter nicht von dem Abfluss betroffen. Dennoch folgten auf das Leck unmittelbar manipulierte WhatsApp-Nachrichten. Diese enthielten korrekte Namen, Adressen sowie Rufnummern der Betroffenen.
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Als Absender traten unter anderem Profile mit Bezeichnungen wie «Ricardo Help Center» oder «Les Schwab Tire Center» auf. Die in den Nachrichten platzierten Links leiten nicht auf die offizielle Plattform des Marktplatzes weiter, sondern auf gefälschte Webseiten.
Die Betreibergesellschaft SMG informierte den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB), erstattete Meldung an das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) und kündigte eine Strafanzeige an. Das BACS hatte bereits im Frühjahr 2026 vor Betrugsmaschen gewarnt, die gezielt auf Erstanbieter auf solchen Marktplätzen abzielten.
Ricardo zählte Ende 2022 rund 4,75 Millionen Mitglieder, von denen gut 1,5 Millionen aktiv waren. CEO Vass sprach vom größten Sicherheitsvorfall in der Unternehmensgeschichte. SMG beschäftigt knapp 1'000 Mitarbeitende und verfügt laut Berichten über zwölf Cybersecurity-Spezialisten, die mehrere Plattformen der Gruppe überwachen.
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Reiseangaben für gefälschte Check-in-Angebote missbraucht
Parallel dazu wurde auch TUI Belgien von einem Sicherheitsvorfall getroffen. Das Unternehmen bestätigte ein Datenleck, dessen genauer Umfang und die exakte Zahl der Betroffenen noch Gegenstand laufender Untersuchungen durch ein internationales Expertenteam sind. Nach bisherigem Erkenntnisstand sind ausschließlich belgische Kunden betroffen, während Reisende aus den Niederlanden nicht tangiert wurden.
Zu den möglicherweise exponierten Informationen zählen vollständige Namen von Reisenden, gebuchte Hotels, exakte Flugzeiten sowie Mobilfunknummern. Auch hier traten kurz nach dem Vorfall Fälle auf, in denen Reisende WhatsApp-Nachrichten mit exakten Buchungsdetails erhielten.
Betrüger gaben sich darin als TUI-Mitarbeitende aus, stellten einen beschleunigten Check-in in Aussicht und forderten die Empfänger über Weblinks zur Eingabe von Daten oder zu einer Anzahlung auf.
TUI kontaktierte sämtliche Kunden mit der Warnung, verdächtige Nachrichten nicht zu öffnen und keine Zahlungen zu leisten. Ein abschließender Nachweis, dass die für diese Phishing-Welle genutzten Kontaktdaten direkt aus dem gemeldeten Systemzugriff stammen, liegt bislang nicht vor.

