Ricardo-Datenleck, Nutzerkonten

Ricardo-Datenleck: 890.000 Nutzerkonten betroffen, Phishing läuft bereits

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 01:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gestohlene Namen, Anschriften und Telefonnummern dienen bereits für Phishing; Passwörter waren nach bisherigem Kenntnisstand nicht betroffen.

Ricardo-Datenleck: Kontaktdaten von rund 890.000 Konten offengelegt
Ein einzelnes Glasfaserkabel auf einem dunklen Industrieboden in einem minimalistischen, kühlen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Auf der Schweizer Online-Handelsplattform Ricardo ist es zu einem gravierenden Sicherheitsvorfall gekommen. Bei einem Datenleck wurden die Daten von rund 890'000 Nutzerkonten offengelegt.

Betroffen sind Namen, Postadressen und Telefonnummern aus Bestellungen, bei Geschäftskunden zudem Firmennamen. Der Betreiber, die SMG Swiss Marketplace Group, schloss die Lücke kurz nach deren Entdeckung, während Kriminelle die entwendeten Kontaktdaten bereits für Phishing-Angriffe nutzen.

Verdächtige Aktivitäten wurden am 7. Oktober 2026 festgestellt. Nach Unternehmensangaben konnte die Sicherheitslücke am selben Mittwoch innerhalb weniger Stunden geschlossen werden. Am Freitagnachmittag, dem 9. Oktober 2026, machte das Unternehmen den Cybervorfall öffentlich und informierte die betroffenen Kunden per E-Mail.

Keine Passwörter betroffen, Behörden eingeschaltet

Ricardo-Chef Francesco Vass wandte sich direkt an die Nutzerschaft, bat um Entschuldigung und stellte klar, dass E-Mail-Adressen, Passwörter sowie weitere persönliche Daten nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen seien. Laut einer Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur AWP waren die Daten zudem nie frei zugänglich, und es lägen keine Lösegeldforderungen vor.

Das Unternehmen hat den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) über den Vorfall in Kenntnis gesetzt und eine Meldung an das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) angekündigt. Zudem beabsichtigt Ricardo, Strafanzeige zu erstatten. Ende 2022 zählte der Marktplatz rund 4,75 Millionen Mitglieder, darunter gut 1,5 Millionen aktive Nutzer.

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Phishing-Welle über Messenger-Dienste

Die offengelegten Daten werden offenbar bereits für betrügerische Zwecke missbraucht. Kriminelle versenden täuschend echte Phishing-Nachrichten über den Kurznachrichtendienst WhatsApp, in denen korrekte Namen, Adressen und Rufnummern der Opfer verwendet werden.

Als Absender traten unter anderem Bezeichnungen wie «Ricardo Help Center» oder «Les Schwab Tire Center» auf. Die Plattform warnt die Nutzerschaft eindringlich davor, persönliche Daten per E-Mail, SMS oder WhatsApp weiterzugeben oder in solchen Mitteilungen enthaltene Links zu öffnen.

Sicherheitsvorfälle rund um Online-Handel und Telekommunikation häuften sich zuletzt in der Schweiz. Das BACS hatte bereits im Frühjahr 2026 vor einer Betrugsmasche gegen Personen gewarnt, die erstmals Inserate auf Plattformen schalten. Erst im September 2026 kam es zudem beim Telekomanbieter Salt zu einem Vorfall, bei dem ebenfalls Namen, Adressen und Rufnummern betroffen waren.

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Kritik an personeller Aufstellung im Sicherheitsbereich

Der Vorfall rückt auch die IT-Sicherheitsstrukturen des Mutterkonzerns in den Fokus. Die SMG Swiss Marketplace Group beschäftigt knapp 1'000 Mitarbeiter, von denen etwa die Hälfte im IT-Bereich tätig ist, wobei zahlreiche Stellen an Standorte in Berlin, Belgrad und Ho-Chi-Minh-Stadt ausgelagert wurden. Noch im Jahr 2024 wurde der Sicherheitschef des Unternehmens mit einem Cybersecurity-Preis ausgezeichnet.

Gleichzeitig umfasst das IT-Sicherheitsteam von SMG lediglich 12 Personen. Dieses Team betreut neben Ricardo auch weitere Plattformen wie Tutti, Anibis, AutoScout24, MotoScout24, ImmoScout24, Homegate, Flatfox und FinanceScout24. Zudem erfolgte die Überwachung der Systeme laut Berichten nur fast rund um die Uhr statt im branchenüblichen Dauerbetrieb über 24 Stunden an sieben Tagen der Woche. In Medienberichten wird der Vorfall bereits als schwerster Rückschlag in der Unternehmensgeschichte von Ricardo gewertet.

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