Risiken in Unternehmen: Vernetzung steigt laut Swiss-Re-Analyse um 24 Prozent
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 02:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Swiss Re Institute und die London School of Economics (LSE) haben eine gemeinsame Analyse veröffentlicht, wonach die zunehmende Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Lieferketten neue Wege für systemischen Stress schafft. Wie aus Berichten vom 25. September 2026 hervorgeht, untersucht die Studie, wie die technologische Vernetzung herkömmliche Risiken verstärkt und neue Abhängigkeiten schafft.
Zunehmende Vernetzung der Risikofaktoren
Grundlage der Untersuchung ist ein Vergleich von Berichten (10-K-Filings) von 91 Fortune-100-Unternehmen aus den Zeiträumen Anfang 2019 und 2026. Zur Klassifizierung der Risiken setzten die Forscher ein Large Language Model ein.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine signifikante Veränderung der Risikolandschaft: Zwischen den von den Unternehmen ausgewiesenen Risiken bestehen heute 24% mehr Verbindungen als noch im Jahr 2019. Als zentrale Knotenpunkte in diesem Geflecht wurden insbesondere die Bereiche KI und Lieferketten identifiziert.
Die Analyse macht deutlich, dass Lieferketten heute als Bindeglied zwischen verschiedensten Bedrohungsszenarien fungieren. Sie verknüpfen geopolitische Spannungen, Zollfragen, Klimaveränderungen, Pandemierisiken und Cybergefahren miteinander. Jérôme Haegeli, Group Chief Economist beim Swiss Re Institute, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Spielraum für Fehler immer kleiner werde, je stärker die Risiken miteinander verknüpft seien.
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Sektorübergreifende Ausweitung technologischer Gefahren
Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist die Beobachtung, dass technologische Risiken nicht mehr nur den IT-Sektor betreffen. Der Anteil der Unternehmen, die KI- oder Technologierisiken in ihren Berichten explizit nennen, stieg zwischen 2019 und 2026 um rund 30%. Betroffen sind demnach verstärkt Branchen wie der Einzelhandel, die Luftfahrt, die Pharmaindustrie sowie der Lebensmittelbereich.
Parallel dazu nehmen auch ökologische Sorgen zu. Die Nennungen von Klimarisiken stiegen seit 2019 um rund 31%. Die Analyse beleuchtet dabei auch die physische Verwundbarkeit der technologischen Infrastruktur. So liegt mehr als ein Viertel der US-Rechenzentren in Gebieten, in denen jährlich an mindestens drei Tagen kräftiger Hagel auftritt.
Über 40% dieser Zentren befinden sich zudem in Zonen mit erheblichem Tornadorisiko. In Taiwan sind die Herausforderungen ähnlich gelagert: Dort liegen 88% der Halbleiterwerke in Regionen mit extremem Erdbebenrisiko.
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Konzentration kritischer Infrastrukturen
Die Forscher warnen zudem vor einer starken Konzentration bei Dienstleistern. Im Jahr 2024 kontrollierten lediglich drei Anbieter rund 70% der weltweiten Cloud-Infrastruktur. Ähnlich verhält es sich im Finanzsektor, wo drei Unternehmen 97% der globalen Kreditkartentransaktionen abwickeln. Ein Ausfall dieser hochgradig konzentrierten Infrastruktur würde den täglichen Zahlungsverkehr laut der Analyse deutlich beeinträchtigen.
Ivan Gonzalez, CEO Corporate Solutions bei Swiss Re, gab zu bedenken, dass die Diversifizierung eines Unternehmens täuschen könne. Oft stelle sich erst bei genauerer Betrachtung heraus, dass Zulieferer, Technologieanbieter und Kunden letztlich von derselben kritischen Infrastruktur abhängig seien.
Jón Daníelsson von der LSE ergänzte, dass der Einsatz von KI die Dynamik systemischer Krisen grundlegend verändern könne. Neben technologischen Aspekten und Lieferketten berücksichtigt die Analyse auch die Auswirkungen des Klimawandels sowie die zunehmende geopolitische Fragmentierung auf das globale Wirtschaftssystem.
