Robotaxis, Lenkrad

Robotaxis ohne Lenkrad: NHTSA genehmigt Zoox für 2.500 Fahrzeuge

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

US-Behörde genehmigt Zoox-Robotaxis ohne Lenkrad, während San Francisco und Washington strengere Regeln fordern. Der Streit um autonome Fahrzeuge eskaliert.

Robotaxi-Konflikt: NHTSA erlaubt Zoox-Fahrzeuge, Städte wehren sich
Ein futuristisches autonomes Robotaxi durchquert bei Dämmerung eine Stadtkreuzung ohne Fahrer. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während die US-Bundesbehörde NHTSA Robotaxis ohne Lenkrad den Weg ebnet, stemmen sich San Francisco und Washington dagegen. Der Konflikt um autonome Fahrzeuge spitzt sich zu – und könnte auch für Europa richtungsweisend werden.

Grünes Licht für Robotaxis ohne Lenkrad

Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat dem Amazon-Tochterunternehmen Zoox eine befristete Ausnahmegenehmigung von acht bundesweiten Sicherheitsstandards erteilt. Damit darf der Spezialanbieter seine selbst entwickelten Robotaxis ohne Lenkrad und Pedale für bezahlte Personenbeförderung einsetzen. Die Genehmigung gilt für zwei Jahre und ist auf 2.500 Fahrzeuge pro Jahr begrenzt. Zoox muss regelmäßig Sicherheitsberichte vorlegen.

Schon im nächsten Monat will das Unternehmen einen bezahlten Fahrdienst in Las Vegas starten. Die Warteliste umfasst bereits eine halbe Million Interessenten. Die Entscheidung fällt in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen autonomen Flotten und Rettungskräften. Erst am 8. Juli hatte die NHTSA in einem Schreiben an verschiedene Entwickler „inakzeptable Behinderungen" von Einsatzkräften dokumentiert.

San Francisco fordert Vetorecht

Die Stadt San Francisco zieht nun die Notbremse. Bürgermeister Daniel Lurie verlangt von den kalifornischen Regulierungsbehörden deutlich strengere Regeln für Robotaxis. Auslöser war ein Vorfall am 4. Juli, bei dem Fahrzeuge von Waymo liegen blieben und die Stadt lahmlegten. Bereits im Dezember hatte ein Stromausfall zu rund 1.600 stillstehenden Fahrzeugen geführt.

Lurie fordert ein Vetorecht der Stadt bei neuen Genehmigungen sowie verpflichtende Notfalltests. Sein Plan umfasst vier Prüfungen: das Räumen blockierter Fahrzeuge, dynamische Umleitungen im Notfall, Echtzeit-Datenaustausch mit städtischen Behörden und Systemtests unter Volllast. Die Feuerwehr ist so frustriert, dass der Feuerwehrchef bereits erwog, liegen gebliebene Robotaxis mit Einsatzfahrzeugen beiseitezuschieben.

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Nationale Standards gefordert

Der Kongressabgeordnete Kevin Mullin hat den „AV Emergency Response Coordination Act" eingebracht – das erste bundesweite Regelwerk für das Zusammenspiel von autonomen Fahrzeugen und Rettungskräften. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass alle autonomen Fahrzeuge Einsatzfahrzeugen Vorfahrt gewähren und per Geofencing aktive Einsatzorte meiden müssen. Zudem soll eine rund um die Uhr erreichbare Hotline für Einsatzkräfte eingerichtet werden.

Waymo begrüßt einen bundesweiten Rahmen und „Mindestrichtlinien", hat sich aber noch nicht auf den konkreten Gesetzestext festgelegt. Der Entwurf hat bislang weder eine offizielle Nummer noch Mitunterstützer.

Arbeitsplätze in der Hauptstadt in Gefahr

In Washington D.C. tobt ein weiterer Verteilungskampf. Der Gesetzentwurf B25-0417 würde den flächendeckenden Einsatz autonomer Fahrzeuge in der Hauptstadt erlauben. Ungewöhnlich: Uber hat sich mit Gewerkschaften wie der UAW und der Taxivereinigung verbündet, um das Gesetz zu verhindern. Der Fahrdienst-Konzern plädiert für ein Hybridmodell mit menschlichen Fahrern neben autonomen Systemen – andernfalls drohe der Verlust von 35.000 Arbeitsplätzen in der Gig-Economy.

Eine Studie zeigt: Würden autonome Fahrzeuge ein Viertel des lokalen Marktes erobern, könnten rund 8.000 Fahrerjobs wegfallen. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass bis 2030 ein Mensch im Fahrzeug bleiben muss und ein Übergangsfonds für betroffene Beschäftigte eingerichtet wird. Waymo kündigte derweil an, Hunderte Stellen in der Hauptstadt schaffen zu wollen und prüft, die Partnerschaft mit Uber in Städten wie Austin und Atlanta bis 2028 zu beenden.

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Milliarden fließen trotz Widerständen

Die Branche lässt sich von lokalen Hürden nicht bremsen. Seit 2018 wurden rund 50 Milliarden Dollar in die Entwicklung autonomer Fahrzeuge investiert. Morgan Stanley schätzt das Marktpotenzial bis 2030 auf zwei Billionen Dollar.

Waymo ist inzwischen in zwölf US-Städten aktiv, zuletzt in Austin und Miami. Das Unternehmen meldet zehn Millionen gefahrene autonome Meilen ohne selbstverschuldeten Unfall. Der chinesische Konzern Baidu testet mit Lyft und Freenow in London und plant den öffentlichen Start 2027.

Tesla hat die Marke von zehn Millionen produzierten Fahrzeugen geknackt, erwägt aber offenbar den Verkauf seines China-Geschäfts. Ferrari meldet für sein erstes Elektroauto „Luce" bereits nach zwei Monaten das Erreichen des Verkaufsziels für 2025. Florida lenkt um: 200 Millionen Dollar aus Bundesmitteln für E-Auto-Infrastruktur fließen nun in Landeplattformen für senkrecht startende Flugtaxis. DoorDash baut eine eigene Drohnen-Lieferflotte auf, und der Rivian-Ableger „Also" liefert nächste Woche seine erste E-Bike-Flotte aus.

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