Roboter-Revolution, Forscher

Roboter-Revolution: Forscher kopieren Gürteltier-Panzer und Fledermaus-Echolot

01.06.2026 - 04:30:13 | boerse-global.de

Forscher präsentieren neuartige Schutzmechanismen für Roboter, darunter selbstzerstörende Materialien und widerstandsfähige Laufmaschinen.

Roboter-Revolution: Forscher kopieren Gürteltier-Panzer und Fledermaus-Echolot - Foto: über boerse-global.de
Roboter-Revolution: Forscher kopieren Gürteltier-Panzer und Fledermaus-Echolot - Foto: über boerse-global.de

Forscher weltweit entwickeln Roboter, die sich durch biologische Abwehrmechanismen schützen – von Gürteltier-Panzern bis zu seltsamen „Blob"-Maschinen.

Die Innovationen kommen aus den USA, Südkorea, Deutschland und Japan. Ihr Ziel: Maschinen widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse und mechanische Schäden zu machen. Ein Überblick über die spannendsten Entwicklungen.

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Panzer wie ein Gürteltier: Schutz für empfindliche Elektronik

Ein Team der North Carolina State University hat eine schützende Hülle entwickelt, die sich bei Gefahr zusammenrollt – genau wie ein Gürteltier. Das sogenannte „morpho-interlocking protective module" (MIPM) besteht aus einem 3D-gedruckten Exoskelett und zehn inneren Segmenten.

Sensoren und Heizelemente erkennen äußere Belastungen. Dann kugelt sich die Struktur ein und hält Kräften von rund zehn Newton stand. Die Entwicklung wurde von der National Science Foundation und dem US-Verteidigungsministerium gefördert.

Ein zweites Schutzprinzip verfolgen Forscher der Seoul National University. Sie stellten ein magnetisches Elastomer vor, das sich auf Befehl selbst zerstören kann. Das Material besteht aus Eisenoxid-Nanopartikeln in einer Silikonmatrix. Unter Gleichstrom bewegt es sich normal. Doch bei hochfrequentem Wechselstrom erhitzt es sich binnen einer Sekunde auf über 200 Grad Celsius – das Silikon zersetzt sich. Ein Sicherheitsmechanismus für sensible Daten oder sensible Einsätze.

20 Beine, keine Orientierung: Der Roboter, der nicht umfallen kann

Ingenieure der Duke University präsentierten einen Roboter namens „Argus" mit 20 Beinen. Das Besondere: Er hat keine definierte Oberseite, Unterseite oder Seiten. Diese dynamische Symmetrie macht ihn extrem robust.

In Tests auf Sand, Kies und senkrechten Flächen lief Argus weiter, selbst wenn mehrere Beine zerstört wurden. Die Entwicklung wurde von der DARPA finanziert. Der Roboter kann sich ohne Neuausrichtung über jedes Gelände bewegen – ideal für Katastropheneinsätze oder unwegsames Gelände.

Mars-Rover schwimmt durch Sand

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Universität Würzburg haben einen Mars-Rover vorgestellt, der sich am Sandfisch orientiert. Statt klassischer Räder nutzt er gebogene Räder, die sich in einer Acht-Bewegung drehen. So „schwimmt" der Rover durch Sand und hinterlässt S-förmige Spuren.

Herkömmliche Rover drohen im lockeren Marsboden einzusinken. Der neue Ansatz könnte das Problem lösen. Ähnliche Schwarmroboter mit den typischen 3-Hz-Vibrationen des Sandfisches werden für die Erkundung von Höhlen im Valles Marineris erwogen.

Fledermaus-Drohne navigiert im Dunkeln

Das Worcester Polytechnic Institute hat eine Drohne entwickelt, die sich wie eine Fledermaus orientiert. Das 450 Gramm schwere Quadrocopter-Modell nutzt Ultraschall-Echolotung, die ein neuronales Netz interpreitert. So fliegt es durch Rauch, Schnee und völlige Dunkelheit.

In 180 Tests erreichte das System eine Navigationserfolgsrate zwischen 72 und 100 Prozent. Die Flugzeit ist mit rund fünf Minuten allerdings noch sehr begrenzt.

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Cyborg-Kakerlake: Insekt als Spion

Forscher der Universität Osaka haben eine Schaltung entwickelt, die Kakerlaken fernsteuert. Der „Insect Synergy Circuit" (ISC) überwacht Herzschlag und neuronale Aktivität des Insekts. So erkennt die Schaltung die Umgebung, bevor sie Bewegungsbefehle per Vibration oder Licht gibt.

In Tests erreichte der bio-hybride Ansatz eine Genauigkeit von 93 Prozent bei der Identifikation von Umgebungszuständen. Die Kakerlake navigierte durch Labyrinthe – gesteuert von der Technik, angetrieben von der Natur.

Mini-Pumpe treibt Schmetterlingsflügel an

Die University of Bristol stellte eine Flüssigmetall-Pumpe vor, die kaum größer als eine Erbse ist. Sie wiegt 0,2 Gramm und arbeitet mit weniger als 0,1 Volt. Die magnetohydrodynamische Pumpe trieb in Tests Schmetterlingsflügel und haptische Systeme an.

Die University of California, Los Angeles (UCLA) entwickelte weiche, dehnbare Elektroden, die sich um über 150 Prozent dehnen lassen, ohne ihre Leitfähigkeit zu verlieren. Und die ETH Zürich präsentierte ein phononisches Metamaterial aus geätzten Siliziummembranen, das Vibrationen entlang vorgegebener Pfade umleitet – ein Schutz für empfindliche Signalprozessoren.

Vom Labor ins Feld: Ukrainischer Roboter hält 45 Tage

Die Entwicklungen sind keine reine Theorie. Ein Bericht vom Mai 2026 zeigt, wie ein ukrainischer Droid TW 12.7-Bodenroboter 2025 eine Stellung 45 Tage lang verteidigte. Der ferngesteuerte Roboter kostet zwischen 10.000 und 30.000 Euro. Er beweist: Die widerstandsfähigen Roboter-Konzepte verlassen zunehmend die Labore und bewähren sich im Einsatz.

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