Robotera sammelt 200 Millionen Euro für humanoide Roboter ein
08.05.2026 - 14:21:55 | boerse-global.deDer chinesische Entwickler humanoider Roboter Robotera hat in einer neuen Finanzierungsrunde mehr als 200 Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wurde die Runde vom Logistikriesen SF Group, wie das Unternehmen am heutigen Freitag bekannt gab. Es ist bereits die zweite große Kapitalspritze innerhalb von zwei Monaten – ein klares Zeichen für die rasante Kommerzialisierung von humanoiden Maschinen in der Logistik und Industrie.
Erst im Frühjahr hatte Robotera eine strategische Runde über eine Milliarde Yuan (rund 130 Millionen Euro) abgeschlossen. Nun liegt die Bewertung des Start-ups bei über zehn Milliarden Yuan – umgerechnet etwa 1,4 Milliarden Euro. Damit festigt das Pekinger Unternehmen seine Position als einer der führenden Akteure im schnell wachsenden Ökosystem der „verkörperten Künstlichen Intelligenz".
Investoren aus Industrie und Finanzwelt
Neben der SF Group, dem Mutterkonzern des Paketdienstes SF Express, beteiligten sich zahlreiche weitere Investoren an der Runde. Dazu zählen die renommierten Wagniskapitalgeber HSG, IDG Capital, Hillhouse Investment und CICC Capital. Auch Jingming Capital, SparkEdge Capital, Luxin Venture Capital Group sowie Fonds der China Unicom stiegen mit ein.
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Besonders auffällig: die starke Beteiligung von Industrieunternehmen. KENGIC, Dongfeng Asset Investment und ICBC Capital sind ebenso dabei wie die früheren Geldgeber Tsinghua Holding Tiancheng Asset Management und Horizon Investment. Die Nachfrage der Investoren übertraf die ursprünglichen Ziele deutlich, wie das Unternehmen mitteilte.
Das frische Kapital soll in den Ausbau der Fertigung, die Weiterentwicklung großer KI-Modelle und die Skalierung kommerzieller Anwendungen fließen. Mit dieser Runde hat Robotera ein Investorennetzwerk aufgebaut, das die gesamte Bandbreite der Industrie abdeckt: von der Auto- und Halbleiterbranche über Unterhaltungselektronik bis zur Telekommunikation. Zu den bereits bekannten Geldgebern gehören Alibaba, Geely Capital, BAIC und Lenovo.
Vom Labor zur Serienreife
Robotera wurde erst im August 2023 gegründet – und hat seitdem ein atemberaubendes Entwicklungstempo vorgelegt. Das Unternehmen bringt derzeit drei Produktlinien auf den Markt: vollwertige zweibeinige humanoide Roboter, rollende Serviceroboter und hochpräzise Roboterhände.
Das Flaggschiff-Modell L7 ist etwa 171 Zentimeter groß und verfügt über fortschrittliche Bewegungssteuerung. 2025 sorgte der Roboter für Aufsehen, als er bei den World Humanoid Robot Games Rekorde im Weit- und Hochsprung aufstellte. Ein weiteres Modell, der STAR1, machte Ende 2024 und Anfang 2025 international Schlagzeilen – mit erfolgreichen Tests in der Wüste Gobi und auf der Chinesischen Mauer. In der Wüste erreichte der STAR1 eine Spitzengeschwindigkeit von fast 13 Kilometern pro Stunde und galt kurzzeitig als schnellster humanoidere Roboter der Welt auf zwei Beinen.
Mitte 2025 präsentierte Robotera den Serviceroboter Q5. Er navigiert mithilfe von Stereokameras und Lidar-Sensoren eigenständig durch komplexe Einzelhandels- und Gewerbeflächen. Das Herzstück aller Plattformen ist das KI-Modell ERA-42 – ein sogenanntes „End-to-End"-Modell für verkörperte Intelligenz. Es ermöglicht den Robotern, ihre Umgebung wahrzunehmen und komplexe Aufgaben zu lösen: etwa den Einsatz von Industriewerkzeugen oder das Sortieren unregelmäßiger Pakete.
Mehr als 95 Prozent der Kernkomponenten – darunter Hochleistungsmotoren, Getriebe und Gelenkmodule – fertigt Robotera in Eigenregie. Die hauseigene Roboterhand XHAND 1 erreicht in Logistikaufgaben angeblich bereits 70 Prozent der menschlichen Effizienz.
Logistik als Sprungbrett
Der Einstieg der SF Group als Lead-Investor unterstreicht die strategische Ausrichtung von Robotera auf die Logistikbranche. Analysten bescheinigen dem Unternehmen bereits eine Produkt-Markt-Passung: In mehr als zehn Logistikzentren in ganz China sind die Roboter im Einsatz.
In Zusammenarbeit mit der chinesischen Post und der SF Group übernehmen die humanoiden Maschinen Aufgaben, die zuvor Menschen vorbehalten waren – etwa das Zuführen und Sortieren kleiner Pakete auf Förderbändern. Hochgeschwindigkeitskameras identifizieren die Pakete auf den laufenden Bändern, während die Roboter ihre Bewegungen koordinieren, um einen kontinuierlichen Arbeitsfluss zu gewährleisten. In bestimmten Anlagen erreichen die Maschinen demnach rund 85 Prozent der menschlichen Effizienz – und das vollständig autonom.
Im zweiten Quartal 2026 lieferte Robotera die erste Charge von tausend Einheiten an Industriekunden aus. Die gesamten Auftragseingänge haben die Marke von 500 Millionen Yuan (rund 65 Millionen Euro) überschritten – etwa die Hälfte davon stammt aus internationalen Märkten in Nordamerika, Europa und dem Nahen Osten.
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Chinas Strategie für humanoide Roboter
Der rasante Aufstieg von Robotera ist Teil einer nationalen Strategie. Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat humanoide Roboter als „disruptives Produkt" eingestuft – vergleichbar mit Smartphones oder Elektroautos. Die politischen Vorgaben zielen auf die Massenproduktion bis 2025 und die globale Marktführerschaft bis 2027 ab.
Diese Politik hat enorme Kapitalströme in Technologiezentren wie Peking und Shanghai gelenkt, in denen heute rund 150 Hersteller humanoider Roboter ansässig sind. Robotera hebt sich von der Konkurrenz durch eine enge Verbindung zur Wissenschaft ab: Das Unternehmen ist der einzige Hersteller humanoider Roboter, an dem die Tsinghua-Universität direkt beteiligt ist.
Gegründet wurde Robotera von Professor Chen Jianyu vom Institut für interdisziplinäre Informationswissenschaften der Tsinghua-Universität. Ursprünglich begann das Projekt 2022 als reines Forschungsvorhaben. Die Universität hält weiterhin einen indirekten Anteil von über sechs Prozent an dem Start-up und sichert so einen stetigen Technologietransfer von der Forschung in die Kommerzialisierung.
Ausblick: Vom Labor in den Alltag
Für den Rest des Jahres 2026 plant Robotera, die Produktionskapazität auf mehrere tausend Einheiten hochzufahren. Neben der Logistik sollen auch die Automobil- und Elektronikfertigung erschlossen werden. Das frische Kapital soll vor allem die Weiterentwicklung der KI-Modelle beschleunigen, um die Roboter noch flexibler in „unstrukturierten" Umgebungen einsetzen zu können – also dort, wo sie mit unvorhersehbarem menschlichem Verhalten zurechtkommen müssen.
Der Wettbewerb im Bereich humanoider Roboter ist hart. Inländische Konkurrenten wie Unitree und Agibot sowie internationale Anbieter wie Figure und 1X Technologies drängen ebenfalls in die Massenproduktion. Robotera hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: die etablierte Präsenz in großen Logistikzentren und die enge Verzahnung mit den Industrie-Lieferketten von Geely und BAIC.
Das Unternehmen will seine globale Expansion fortsetzen. Messen wie die CES in Las Vegas dienen als Plattform, um weitere Partnerschaften in der Pharmazie und im kommerziellen Dienstleistungssektor zu schließen. Und während die Kosten für die Hardware durch Massenproduktion weiter sinken, hat Robotera ein klares Ziel vor Augen: den Schritt aus der Industrie in private Haushalte.
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