Robotik-Boom, Markt

Robotik-Boom: Markt wächst von 4 auf 40 Milliarden Dollar

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 23:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Chinesische Firmen dominieren die Entwicklung humanoider Roboter. Analysten prognostizieren ein massives Marktwachstum, doch der Durchbruch bei autonomer Steuerung steht noch aus.

Robotik-Boom: China treibt Massenproduktion humanoider Roboter voran
Ein humanoider Roboter arbeitet an einer modernen automatisierten Fließbandfertigung in einer High-Tech-Fabrik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die globale Robotik-Branche macht den Schritt von Prototypen zur industriellen Nutzung – mit weitreichenden Folgen auch für den deutschen Markt. Das wurde auf der World AI Conference (WAIC) in Shanghai deutlich, die am 20. Juli zu Ende ging. Über 300 humanoide Roboter zeigten dort, was sie können: autonome Navigation, industrielles Sortieren, komplexe Handgriffe. Analysten von Morgan Stanley und Grand View Research sehen die Branche vor einem massiven Wachstumsschub – angetrieben durch bessere KI-Modelle und fallende Hardwarekosten.

China dominiert die Entwicklung humanoider Roboter

Chinesische Unternehmen haben nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) inzwischen über 400 verschiedene Modelle humanoider Roboter entwickelt. Das ist mehr als die Hälfte aller weltweit existierenden Entwürfe. Die Zahlen belegen den Boom: Die Umsätze im Bereich der „Embodied Intelligence“ – also KI, die in physischen Körpern steckt – legten von Januar bis Mai 2026 um 22,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Die Regionalregierungen treiben die Integration der Maschinen massiv voran. Shanghai will bis 2030 rund 100.000 humanoide Roboter in Fabriken einsetzen. Der Staatsrat hat noch ambitioniertere Ziele: Die KI-Durchdringung der Wirtschaft soll bis 2027 bei über 70 Prozent liegen, bis 2030 sogar bei 90 Prozent. Auf der WAIC in Shanghai feierten gleich mehrere neue Modelle Premiere – darunter der AgiBot A3 Ultra mit 51 Freiheitsgraden und der Fourier GR-3, ein Roboter-Butler.

Massenproduktion und Milliarden-Investitionen

Die Fertigung komplexer Roboter erreicht neue Effizienzrekorde. Am 21. Juli eröffnete Lingyi Zhizao im Pekinger Bezirk Yizhuang eine „Super-Fabrik“ für verkörperte KI. Das Werk ist auf die Massenproduktion des humanoiden Roboters Tiangong 3.0 ausgelegt. Ein Fließband fertigt dort alle 15 Minuten einen kompletten Roboter. Für 2026 plant das Unternehmen eine Produktion von 10.000 Einheiten – bis 2030 sollen es 500.000 Stück pro Jahr sein.

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Doch nicht nur in Asien fließt Geld in die Branche. Das britische Startup Humanoid erreichte nach einer Series-A-Finanzierungsrunde über 152 Millionen US-Dollar (rund 139 Millionen Euro) eine Bewertung von 1,35 Milliarden US-Dollar (rund 1,24 Milliarden Euro). Das Unternehmen baut rollende humanoide Roboter für Logistik und Fertigung. Der größte Auftrag kam von Schaeffler – dem deutschen Automobil- und Industriezulieferer. Er bestellte mehrere tausend Roboter. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von Prime Movers Lab, beteiligt waren auch Schwergewichte wie Bosch.

Marktprognosen: Von 4 auf 40 Milliarden

Der Markt für humanoide Roboter wird 2026 nach Schätzung von Grand View Research rund 4,2 Milliarden US-Dollar (etwa 3,85 Milliarden Euro) erreichen. Bis 2033 soll er auf 40,5 Milliarden US-Dollar (rund 37,1 Milliarden Euro) anwachsen – das entspricht einem jährlichen Wachstum von 38,2 Prozent. Als wichtigsten Treiber sehen Analysten den Fertigungssektor, besonders in der Region Asien-Pazifik.

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Noch fehlt der „GPT-Moment“

Trotz aller Fortschritte: Einen echten Durchbruch bei der autonomen Steuerung gibt es noch nicht. Ein Manager von Unitree Robotics erklärte am 22. Juli, die Branche sei wohl noch zwei bis fünf Jahre von einem „GPT-Moment“ entfernt – also einer ähnlich revolutionären Entwicklung wie bei den großen Sprachmodellen. Das Problem: Während KI-Systeme in digitalen Welten glänzen, ist die Steuerung von Hardware in der realen, unberechenbaren Umgebung ungleich schwieriger.

Hinzu kommt ein eklatanter Datenmangel. Branchenerhebungen zufolge stehen für das Training verkörperter KI mehr als 10.000 Mal weniger Daten zur Verfügung als für herkömmliche Sprachmodelle. Zwar setzen Unternehmen wie JD.com bereits Roboter in Dutzenden Filialen ein und planen die Beschaffung von drei Millionen Einheiten über fünf Jahre. Doch für breite industrielle Anwendungen rechnen Experten mit einer Reifezeit von drei bis acht Jahren.

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