Robotik: Simulation trainiert Fähigkeiten jetzt in Minuten statt Tagen
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die technologische Entwicklung in der Robotik erreicht durch neue Simulationsverfahren eine neue Geschwindigkeit. Während herkömmliche Trainingsmethoden für komplexe Bewegungsabläufe oft Tage in Anspruch nehmen, demonstrierte das in Cambridge ansässige Unternehmen Vsim mit seinem Roboter „Freddo“ ein Verfahren, das neue Fähigkeiten innerhalb von Minuten vermittelt.
Parallel dazu festigen Branchengrößen wie Nvidia und ABB ihre Infrastruktur für virtuelle Testumgebungen, um die Lücke zwischen Simulation und Realität weiter zu schließen.
Das zehnköpfige Ingenieursteam von Vsim nutzt für das Training von „Freddo“ eine hochperformante virtuelle Umgebung. Dabei werden etwa 20.000 Szenarien gleichzeitig berechnet, wobei das System rund eine Sekunde vorausschauend agiert. Diese Methode ermöglicht es dem Roboter, Aufgaben in einem Bruchteil der bisher üblichen Zeit zu erlernen.
Nvidia baut Ökosystem für physikalische KI aus
Parallel zu diesen Fortschritten im Bereich spezialisierter Start-ups erweitert Nvidia seine Kapazitäten massiv. Das Unternehmen, das Hunderte von Ingenieuren für Projekte wie Isaac Sim und das Weltmodell Cosmos beschäftigt, hat im September 2026 die Version Isaac Sim 6.1 GA veröffentlicht. Diese basiert auf dem Kit SDK 110.3.0 und führt unter anderem einen integrierten Controller-Manager für ros2_control sowie Unterstützung für H.265-Streaming ein.
Zudem hat Nvidia den Workflow-Orchestrator OSMO unter der Apache-2.0-Lizenz als Open Source zur Verfügung gestellt. Das Tool ermöglicht die Steuerung von Training und Simulation über eine einzige YAML-Datei und unterstützt Hardware-Cluster vom Jetson AGX Thor bis hin zu GB200-Systemen.
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In Zusammenarbeit mit Hugging Face integriert Nvidia zudem das Reasoning-VLA-Modell Isaac GR00T 1.7 in die LeRobot-Plattform, wodurch Millionen von Entwicklern Zugriff auf umfangreiche Datensätze mit über 350.000 Trajektorien erhalten.
Industrielle Anwendung und Präzisionssteigerung
Der Automatisierungskonzern ABB Robotics setzt ebenfalls auf die Integration von Nvidia-Technologien. Mit dem für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigten Produkt RobotStudio HyperReality soll die Korrelation zwischen Simulation und Realität einen Wert von 99 Prozent erreichen.
Laut Unternehmensangaben könnten durch den Einsatz dieser virtuellen Zwillinge die Bereitstellungskosten um bis zu 40 Prozent gesenkt und die Inbetriebnahmezeiten um bis zu 80 Prozent verkürzt werden. Ein wesentlicher Faktor ist hierbei die Funktion „Absolute Accuracy“, welche Positionierfehler von ursprünglichen 8 bis 15 Millimetern auf etwa 0,5 Millimeter reduziert.
Ergänzt wird diese Software-Infrastruktur durch Fortschritte in der Sensorik. Synaptics stellte Mitte September 2026 ein CTS-Modul mit dem SN6012T-Controller vor, das speziell für die Einbindung in Isaac Sim optimiert wurde. Die Sensoren verfügen über einen Taxel-Pitch von 2,5 Millimetern und können Kräfte bis zu 100 Newton bei einer Auflösung von 0,1 Newton erfassen.
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Neue Basismodelle für vielseitige Aufgaben
Im Bereich der Softwaremodelle zeigen Unternehmen wie Skild AI und XPENG Robotics signifikante Fortschritte bei der Generalisierung. Das Foundation-Model S1 von Skild AI erreichte in Tests eine Erfolgsquote von rund 66 Prozent pro Arbeitsschritt bei komplexen Aufgaben, während Vergleichssysteme lediglich auf 9 Prozent kamen.
Das Unternehmen meldete bereits zehn Monate nach dem ersten kommerziellen Einsatz einen jährlichen Umsatzlauf von 100 Millionen US-Dollar. Gemeinsam mit Foxconn wird das System für die Montage von Nvidia-Blackwell-Systemen eingesetzt.
XPENG Robotics präsentierte mit XPACE eine Umgebung für den humanoiden Roboter IRON. Dieser wurde mit 5.000 Stunden Videomaterial menschlicher Aktivitäten trainiert und erreichte bei Aufgaben wie dem Eingießen von Wasser eine Erfolgsrate von 68,3 Prozent, womit er bisherige Modelle wie DreamZero übertraf.
Investitionsklima und Markterwartung
Die steigende Relevanz dieser Technologien spiegelt sich auch in den Finanzierungsrunden wider. Das in New York ansässige Unternehmen Antioch sicherte sich im September 2026 eine Series-A-Finanzierung in Höhe von 32 Millionen US-Dollar unter der Führung von Greylock.
Antioch spezialisiert sich auf Cloud-basierte digitale Zwillinge, mit denen Tausende von Szenarien parallel getestet werden können. Branchenanalysten von Goldman Sachs passten ihre Prognosen angesichts dieser Dynamik an und erwarten bis zum Jahr 2035 weltweit rund 6,5 Millionen humanoide Roboter im Einsatz.
