RRMS-Laborstudie, Curcumin

RRMS-Laborstudie: Curcumin plus Vitamin D senkt drei T-Zell-Populationen stärker

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Zellversuch beeinflusste die Kombination bestimmte T-Zell-Gruppen stärker; ein klinischer Nutzen bei Multipler Sklerose ist nicht belegt.
Ein leeres, steriles Laborglas auf einer Edelstahloberfläche, im Hintergrund unscharfe Laborgläser in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der Erforschung neuroinflammatorischer Erkrankungen gewinnen immunmodulierende Stoffe zunehmend an Bedeutung. Eine im iranischen Fachjournal Iranian Journal of Allergy, Asthma and Immunology veröffentlichte Laborstudie liefert neue Einblicke in das Zusammenspiel von Curcumin und Vitamin D bei schubförmig remittierender Multipler Sklerose (RRMS).

Die Untersuchung an isolierten Immunzellen deutet darauf hin, dass die kombinierte Gabe beider Substanzen bestimmte entzündungsfördernde Zellpopulationen wirksamer regulieren kann als die jeweiligen Einzelstoffe.

Reduktion spezifischer T-Zell-Populationen im Laborversuch

Für die Laboruntersuchung analysierten die Forscher Blutproben von 24 Personen mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose sowie von 15 gesunden Vergleichspersonen. Die Patientengruppe wies ein Durchschnittsalter von 34 Jahren auf; der Frauenanteil lag bei 58,3 Prozent. Zehn der Proben stammten von Betroffenen in einer akuten Schubphase, während sich 14 Teilnehmer in Remission befanden.

In den Versuchsreihen zeigte sich, dass die Kombination aus Vitamin D und Curcumin den Anteil an CXCR3-positiven CD4-T-Zellen stärker absenkte als jede Substanz für sich genommen. Ein vergleichbarer Zusatzeffekt zeigte sich bei weiteren Immunzelltypen: Die Kombination verringerte auch den Anteil CCR6-positiver CD4-T-Zellen sowie CXCR3-positiver CD8-T-Zellen deutlicher als die Monosubstanzen.

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Zudem führte das Zusammenspiel in proben aus akuten Schüben zu einer signifikanten Senkung der Dichte von CXCR3- und CCR6-Rezeptoren auf CD4-T-Zellen. Bei CCR4+CCR6+ CD4-T-Zellen wiederum entfaltete Vitamin D allein den stärksten modulierenden Effekt.

Trotz dieser Beobachtungen mahnen Fachleute zur Zurückhaltung. Die Untersuchung basiert auf einer kleinen Stichprobe und fand ausschließlich im Reagenzglas statt. Ein tatsächlicher klinischer Nutzen für Erkrankte ist bislang unbestätigt, da hierzu kontrollierte klinische Studien am Menschen fehlen. Behandelnde Experten betonen, dass Betroffene ihre bestehende medikamentöse Therapie keinesfalls eigenmächtig verändern sollten.

Wirkmechanismen, Bioverfügbarkeit und Risiken von Curcumin

Curcumin, der aktive Inhaltsstoff der Kurkumawurzel, greift in mehrere zentrale Entzündungssignalwege ein, darunter NF-?B, COX-2, TNF-?, IL-1? sowie IL-6. Eine zentrale Hürde in der praktischen Anwendung stellt jedoch die äußerst geringe Bioverfügbarkeit der Substanz dar.

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In einer klassischen Kurkumapulver-Zusammensetzung machen Kurkuminoide lediglich 2 bis 5 Prozent des Materials aus, und weniger als 1 Prozent einer oral eingenommenen Dosis gelangt tatsächlich in die Blutbahn.

Um eine vergleichbare Exposition zu erreichen, wie sie etwa eine biooptimierte Formulierung mit 200 mg Curcumin pro Tablette bietet, wären rein rechnerisch mehr als 3,8 kg Kurkumapulver erforderlich.

Verschiedene technologische Ansätze versuchen, diese Aufnahmebarriere zu überwinden: Die Zugabe von 20 mg Piperin zu 2 g Curcumin kann die Absorption um den Faktor 20 (2000 Prozent) steigern; moderne Formulierungen wie Phytosome oder Mizellen erhöhen sie um das 10- bis 100-Fache.

Die gesteigerte Aufnahme birgt jedoch auch gesundheitliche Risiken. Im Rahmen behördlicher Nutrivigilanz-Überwachungen wurden in Frankreich über 100 unerwünschte Nebenwirkungen registriert, darunter 15 schwere Hepatitis-Fälle im Zusammenhang mit curcuminspezifischen Nahrungsergänzungsmitteln.

Eine klare Kontraindikation besteht bei Vorliegen von Gallensteinen sowie bei einer Antikoagulation, eine Therapieform, die allein in Frankreich etwa 4 Millionen Menschen betrifft. Bei technologisch hoch bioverfügbaren Formen wird zudem eine Maximaldosis von 153 mg Curcumin pro Tag angeraten.

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