Rückenbeschwerden: GEER räumt mit sieben Mythen zu OP und Diagnostik auf
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deFehlannahmen über Rückenbeschwerden und Wirbelsäulenleiden führen bei Betroffenen häufig zu Verunsicherung und Fehlentscheidungen im Therapieverlauf. Um Patienten vor ineffektiven oder potenziell schädlichen Maßnahmen zu bewahren, hat die spanische Wirbelsäulengesellschaft GEER (Sociedad Española de Columna Vertebral) sieben zentrale Mythen rund um Wirbelsäulenpathologien entkräftet.
Rückenleiden stellen ein globales Gesundheitsproblem dar: Berichten zufolge sind weltweit derzeit über 600 Millionen Menschen von Kreuzschmerzen betroffen, wobei bis zum Jahr 2050 ein Anstieg auf über 800 Millionen prognostiziert wird. Mehr als 80 Prozent der aktiven Erwachsenen erleben mindestens einmal im Leben eine entsprechende Episode.
Sieben Mythen zu Wirbelsäuleneingriffen und Diagnostik
Die Fachgesellschaft GEER betont, dass jeder Fall eine individuelle Bewertung erfordert und pauschale Faustregeln der Komplexität der Krankheitsbilder nicht gerecht werden.
Zu den von der Fachgesellschaft behandelten Fehlannahmen zählt zunächst die Annahme, dass das Alter allein einen chirurgischen Eingriff ausschließe. Ebenso schließe ein unauffälliges Bild in der Magnetresonanztomografie (MRT) das Vorhandensein von Schmerzen keineswegs aus.
Hinsichtlich der Bandscheiben stellt GEER klar, dass nicht jede Hernie zwangsläufig in einer Operation enden müsse. Umgekehrt sei ein operativer Eingriff aber auch nicht in jedem Fall erst als allerletzter Ausweg zu betrachten.
Zudem führt eine Operation bei einer lumbalen Kanalstenose der Fachgesellschaft zufolge üblicherweise nicht zu einer dauerhaften neurologischen Schädigung.
Bei den Operationsmethoden gelte wiederum, dass minimalinvasive Techniken nicht prinzipiell besser als eine offene Operation seien; die Wahl des Verfahrens hänge von der konkreten Situation ab. Als siebten Aspekt führt GEER an, dass das Tragen einer Halskrause nach einem Eingriff an der Halswirbelsäule keineswegs immer obligatorisch sei.
Diskrepanz zwischen Bildgebung und tatsächlichen Beschwerden
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Fachleute weisen darauf hin, dass Schmerzstärke und radiologische Befunde häufig nicht direkt korrelieren. Nach Angaben des Verbands Physio Deutschland bedeuten starke Schmerzen nicht automatisch einen strukturellen Schaden. Sowohl Magnetresonanztomografien als auch Röntgenaufnahmen zeigen vielfach Auffälligkeiten, die in gleicher Weise auch bei beschwerdefreien Personen vorkommen.
Auch die Neurologin Anastasia Honchar und der Physiotherapeut Artem Zghurskyi unterstreichen in einer Analyse, dass radikuläre Schmerzen nur einen kleinen Anteil der Fälle ausmachen; in den meisten Situationen sei der Schmerz unspezifisch.
Eine MRT-Untersuchung helfe oft nicht dabei, die genaue Schmerzquelle zu bestimmen, und könne zudem einen negativen psychologischen Effekt (Nocebo-Effekt) begünstigen. Zudem gebe es laut den beiden Fachleuten keine wissenschaftliche Evidenz für einen ursächlichen Zusammenhang von Beckenverkippungen, Beinlängendifferenzen oder Haltungsformen wie Hyperlordose und Hyperkyphose mit Rückenschmerzen.
Bewegung und Belastung statt Bettruhe
Ein grundlegender Wandel zeigt sich auch im Umgang mit Belastung und Schonung. Nach Angaben von Physio Deutschland gilt strikte Bettruhe inzwischen als überholt. Stattdessen fördere moderate Aktivität die Genesung.
Bewegungen wie Bücken und Heben seien nicht generell gefährlich; es gebe keine verbotenen Bewegungen, sondern lediglich ungewohnte Belastungen. Der Verband empfiehlt daher einen bio-psycho-sozialen Ansatz, der körperliche wie mentale Faktoren einbezieht.
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Auf konservative Behandlungswege weisen auch Honchar und Zghurskyi hin, die eine acht- bis zwölfwöchige Physiotherapie als Kernmaßnahme hervorheben, wenngleich das Rezidivrisiko bei rund 60 Prozent liege.
Eindeutige und absolute Indikationen für eine unverzügliche Operation seien spezifischen Notfällen vorbehalten: Dazu zählen ein Cauda-equina-Syndrom, Taubheitsgefühle im Dammbereich oder schnell fortschreitende motorische Defizite. Liegen derartige neurologische Warnzeichen nicht vor, zielen moderne therapeutische Leitlinien vor allem auf Bewegungserhalt und gezielte Aktivierung ab.
