Rückenschmerzen, WHO

Rückenschmerzen: WHO erwartet bis 2050 weltweit 843 Millionen Betroffene

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

WHO-Prognosen zeigen mehr Betroffene bis 2050; Fachleute betonen individuelle Behandlung und regelmäßige Bewegungspausen.

Weltwirbelsäulentag 2026: Rückenleiden nehmen bei Berufstätigen zu
Symbolbild: Yogamatte, Trinkflasche und Laufschuhe Illustration mit AI erstellt.

Rückenschmerzen zählen weltweit zu den führenden Ursachen für körperliche Einschränkungen und Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Anlässlich des Weltwirbelsäulentags am 16. Oktober 2026 machen Fachgesellschaften, Kliniken und Präventionsinitiativen international auf die Verbreitung von Wirbelsäulenleiden aufmerksam.

Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verdeutlichen das Ausmaß: Im Jahr 2020 litten rund 619 Millionen Menschen an Schmerzen im unteren Rückenbereich, bis 2050 wird ein Anstieg auf 843 Millionen Betroffene prognostiziert. Bei etwa 90 Prozent der Fälle liegt keine spezifische Grunderkrankung vor.

Mythen rund um Bildgebung und chirurgische Eingriffe

Zum Welttag der Wirbelsäule am 16. Oktober 2026 trat die spanische Wirbelsäulengesellschaft GEER (Sociedad Española de Columna Vertebral) gängigen Fehleinschätzungen bei Diagnose und Therapie entgegen.

Die Fachgesellschaft betonte, dass ein normales MRT-Ergebnis bestehende Beschwerden nicht ausschließe, da Lumbalgien häufig ohne sichtbare Ursache auftreten. Ebenso führten nicht alle Bandscheibenvorfälle zu einer Operation; chirurgische Eingriffe seien vielmehr bei persistierenden Symptomen, neurologischer Verschlechterung oder im Notfall angezeigt.

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Zudem stellte die GEER klar, dass das Lebensalter allein keine Wirbelsäulenoperation verhindere. Entscheidend seien stattdessen der körperliche Zustand, Begleiterkrankungen, Autonomie und die Knochenqualität. Eine Operation sei nicht immer der letzte Ausweg, und eine Lumbalkanalstenose-OP führe keineswegs regelhaft zum Rollstuhl.

Da es keine universellen Lösungen gebe, bleibe eine individuelle Bewertung unerlässlich. Bei Mädchen mit schwererer Skoliose verzeichnete die Fachgesellschaft zudem 2,6-mal mehr Krankenhausaufenthalte wegen Deformitäten als bei Jungen.

Steigende Fallzahlen bei Berufstätigen durch Bildschirmarbeit

Die veränderten Arbeitsbedingungen führen laut Medizinern zu einer deutlichen Zunahme von Wirbelsäulenproblemen. Dr. Shardul Soman, Wirbelsäulenchirurg am Apollo Spectra in Pune, wies darauf hin, dass die Beschwerden bei Berufstätigen um 50 Prozent gestiegen seien.

Fünf von zehn Erwerbstätigen im Alter von 25 bis 55 Jahren litten monatlich unter Schmerzen im unteren Rücken, Steifheit im Nacken- und Schulterbereich oder Taubheitsgefühlen. Eine Studie unter IT-Fachkräften in Pune aus dem Jahr 2026 ergab, dass 54,2 Prozent muskuloskelettale Schmerzen angaben; bei einer täglichen Arbeitszeit von 12 bis 14 Stunden erreichte die Prävalenz 63,3 Prozent.

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Ähnliche Beobachtungen meldeten die indischen CARE Hospitals vor dem Aktionstag: Langes Pendeln, Erschütterungen im Straßenverkehr und Bildschirmarbeit belasten Berufstätige, Fahrer und IT-Kräfte mit 8 bis 10 Stunden Laptop-Arbeit gleichermaßen. Ein Bericht aus Mumbai verwies zudem auf eine Zunahme der Fälle um 60 Prozent bei Berufstätigen zwischen 25 und 50 Jahren.

In Deutschland zeigte bereits eine Erhebung des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2020, dass 47,5 Prozent der Befragten im vorangegangenen Jahr von Nackenschmerzen betroffen waren. Dr. Britta Weber vom Institut für Arbeitsschutz der DGUV unterstrich in einem Fachgespräch, dass die wirksamste ergonomische Maßnahme keine Hardware sei und kein Geld koste: Regelmäßige Bewegungspausen seien bei langen Bildschirmzeiten entscheidend.

Belastung für Gesundheitssysteme und Initiativen zur Vorbeugung

Die ökonomischen Folgen von Rückenleiden sind erheblich. In Finnland zahlte die Sozialversicherungsanstalt Kela im Jahr 2025 rund 80 Millionen Euro Krankengeld für fast 1,3 Millionen Fehltage aufgrund von Wirbelsäulenerkrankungen. Die finnische Organisation Selkäliitto rief im Rahmen ihrer Aktionswoche zu vielseitiger Bewegung und Erholung auf. Nach finnischen Behandlungsleitlinien verlaufen etwa 25 Prozent der Fälle chronisch.

Im klinischen Bereich zeigt sich eine wachsende Inanspruchnahme durch jüngere Altersgruppen. Das Indospine Hospital in Ahmedabad registrierte von Oktober 2022 bis Oktober 2026 bei 8.789 neuen Patienten einen Anstieg der 20- bis 45-Jährigen von 35 Prozent auf 43 Prozent; 94 Prozent dieser Gruppe konnten ohne stationäre Aufnahme versorgt werden.

Fachleute wie der portugiesische Kampagnenkoordinator Nuno Neves und Professor Feng Shuaihua aus China raten übereinstimmend dazu, Bewegungsmangel zu reduzieren, Übergewicht zu vermeiden und einseitige Sitzhaltungen regelmäßig durch Mobilisationsübungen zu unterbrechen. Bei anhaltenden Schmerzen, Taubheit, Gangunsicherheit oder Schwächezeichen sei jedoch eine rasche ärztliche Abklärung unerlässlich.

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