Rüstung: US-Konzern baut Raketenfabrik in Leipzig ab 2027
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das US-amerikanische Verteidigungsunternehmen Covenant beabsichtigt den Aufbau einer Fertigungsstätte für Mittelstreckenraketen in der Region Leipzig. Ab dem Jahr 2027 sollen dort jährlich bis zu 1.000 Marschflugkörper des Typs „Anthem“ produziert werden, um bestehende Fähigkeitslücken in der europäischen Verteidigungsstrategie zu schließen.
Wie das Unternehmen am 29. August 2026 bekannt gab, markiert die geplante Ansiedlung einen strategischen Schritt zur Stärkung der Rüstungsproduktion auf europäischem Boden. Die Marschflugkörper des Typs Anthem verfügen über eine Reichweite von mehr als 1.500 Kilometern. Damit zielt das System auf eine spezifische Kapazitätslücke der Bundeswehr ab: Das derzeit genutzte Taurus-System erreicht lediglich eine Reichweite von 500 Kilometern.
Erfolgreiche Erprobung und technische Eckdaten
Die Ankündigung der Produktionspläne folgt auf einen erfolgreichen Meilenstein in der Entwicklung des Waffensystems. Am 6. August 2026 absolvierte Covenant Industries den ersten „Live-Fire-Test“ der Anthem-Marschflugkörper in Marokko. Die Erprobung auf dem AMTEC-Testgelände verlief laut Unternehmensangaben erfolgreich.
Ein wesentliches Merkmal der Anthem-Rakete ist ihre Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu etablierten Systemen. Während für einen Tomahawk-Marschflugkörper Kosten von circa 2 Millionen US-Dollar veranschlagt werden, soll der Stückpreis der Anthem-Raketen bei einigen hunderttausend US-Dollar liegen.
Trotz der US-amerikanischen Herkunft des Unternehmens sollen die Komponenten für die Fertigung in Sachsen überwiegend aus Deutschland und anderen europäischen Ländern bezogen werden.
Strategischer Hintergrund und Beschaffungsprozess
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Der Vorstoß von Covenant erfolgt vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen in der transatlantischen Rüstungskooperation. Obwohl die USA noch im Juli 2026 dem Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern mit einer Reichweite von 2.000 Kilometern an Deutschland zugestimmt hatten, werden diese Systeme nun nicht mehr an die Bundesrepublik geliefert. Diese Entwicklung hat den Bedarf an alternativen Lösungen beschleunigt.
Das Bundesverteidigungsministerium hat bereits auf die neuen Produktionspläne reagiert. Demnach wurden erste Angebotsanfragen (Requests for Proposal, RFP) für die Beschaffung des Anthem-Systems versendet. Die Bundeswehr prüft den Einsatz der Marschflugkörper als kostengünstige Alternative zu den ursprünglich vorgesehenen US-Systemen.
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Unternehmenshintergrund und Investoren
Covenant Industries wurde im Jahr 2024 gegründet und konnte in kurzer Zeit namhafte Risikokapitalgeber gewinnen. Zu den Investoren zählen Michael Kaufman sowie die Risikokapitalgesellschaften Andreessen Horowitz und Founders Fund. Mit dem geplanten Werk bei Leipzig positioniert sich das junge Unternehmen direkt im europäischen Markt, um die Nachfrage nach weitreichenden Präzisionswaffen lokal zu bedienen.
Die Entscheidung für den Standort Leipzig unterstreicht die Bedeutung der Region als Industriestandort, wobei die Nähe zu europäischen Zulieferketten ein entscheidender Faktor für die Produktionslogistik des Unternehmens darstellt. Mit dem geplanten Produktionsstart im Jahr 2027 könnte die Bundeswehr eine signifikante Erhöhung ihrer Reichweitenkapazitäten erreichen.
