Rumpftraining, WHO

Rumpftraining: WHO empfiehlt 30 bis 50 Wiederholungen an mehreren Tagen

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Funktionelle Übungen stĂ€rken den Rumpf; gezielter Bauchmuskelaufbau allein reduziert das Fett an der Körpermitte nicht.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Fitnessraum mit einer aufgerollten Sportmatte und einer Sprossenwand aus Holz. Illustration mit AI erstellt.

Ein stabiler Rumpf und eine definierte Bauchmuskulatur gelten im Fitnessbereich als zentrale Trainingsziele. Sportwissenschaftliche Erkenntnisse und TrainingsleitfÀden verdeutlichen jedoch, dass reines Bauchmuskeltraining oft missverstanden wird. Ein sichtbares Sixpack sei nicht gleichzusetzen mit echter RumpfstabilitÀt, betonte Trainerin Lidia Poza.

Die Rumpfmuskulatur umfasse neben den geraden Bauchmuskeln auch die schrĂ€gen MuskelstrĂ€nge, tiefe Stabilisatoren sowie den RĂŒcken. Ihre primĂ€re Aufgabe bestehe darin, die WirbelsĂ€ule zu stabilisieren, KrĂ€fte zu ĂŒbertragen und Bewegungen zu kontrollieren.

StabilitÀt und Anti-Rotation statt klassischer Crunches

Experten empfehlen vermehrt funktionelle Übungen anstelle traditioneller Sit-ups. Poza rĂ€t zu BewegungsablĂ€ufen zur Anti-Rotation und LendenstabilitĂ€t.

In ihrer sogenannten „Shield Core“-Routine kombiniert sie drei Runden aus sechs Übungen mit jeweils 60 Sekunden Pause: zwölf Wiederholungen Dead Bug, zwölf Wiederholungen Bird-Dog, 45 Sekunden High Plank, jeweils 30 Sekunden Side Plank pro Seite, 45 Sekunden Elbow Plank und 30 Sekunden Elbow Side Plank pro Seite.

Auch Men’s Health Australia definierte eine Auswahl von zehn wirkungsvollen Übungen fĂŒr Rumpfkraft, die ohne Varianten wie Toe Touches oder Mountain Climbers auskommen. Das Programm beansprucht die schrĂ€gen Bauchmuskeln, tiefe Stabilisatoren sowie den Rectus abdominis. Zum Einsatz kommen Hilfsmittel wie Klimmzugstange, Kabelzug, SchrĂ€gbank, Bauchroller und Gymnastikball.

Zu den KernĂŒbungen zĂ€hlen Dead Bugs fĂŒr die Rumpfspannung, hĂ€ngendes Beinheben fĂŒr den unteren Bauchbereich, Kabelzug-Holzhacken fĂŒr Drehbewegungen, das Ausrollen mit dem Bauchroller fĂŒr die vordere Muskelkette sowie Planks mit SchulterberĂŒhrungen zur Schulung der Anti-Rotation.

Physiotherapeut Mark Gugliotti vom New York Institute of Technology beschreibt die Rumpfmuskulatur als Zylinder aus Vorderseite, RĂŒcken, Zwerchfell und Beckenboden.

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FĂŒr das Training ohne Fitnessstudio empfiehlt er unter anderem Pull-and-Press-Übungen mit einem an einer TĂŒr befestigten Widerstandsband, Bird-Dog-Varianten mit Band sowie isometrische Sit-ups mit einem Yogablock oder Karton, die anfangs fĂŒnf Sekunden gehalten und schrittweise gesteigert werden sollen.

Pilates und elektromyografische Befunde

Im Pilates-Bereich gilt die Übung „The Hundred“ – eine der 34 ursprĂŒnglichen MattenĂŒbungen von Joseph Pilates – als etablierte ErwĂ€rmung fĂŒr das Rumpfzentrum. Dabei erfolgen 100 Armbewegungen synchron zur Atmung, aufgeteilt in zehn Zyklen aus je fĂŒnf Ein- und AusatemzĂŒgen. Trainiert werden der Transversus abdominis, der Rectus abdominis, die schrĂ€gen Bauchmuskeln sowie Halsflexoren.

Laut der Weltgesundheitsorganisation schĂŒtzt ein gezieltes Rumpftraining den RĂŒcken jedoch nur dann effektiv, wenn die Ausrichtung und Atmung fehlerfrei bleiben. Typische Haltungsfehler sind ein ĂŒberstreckter Nacken oder ein zu tiefes Absenken von Armen und Beinen. Einsteigern werden 30 bis 50 Wiederholungen an zwei bis drei Tagen pro Woche angeraten.

Vergleichsuntersuchungen mittels Elektromyografie (EMG) zeigen, dass dynamische Bewegungen wie das sogenannte Air Bike zu den effektivsten Übungen zĂ€hlen, gefolgt von Varianten wie Leg Raise Crunches und Crunches auf dem Gymnastikball. Eine instabile Unterlage steigere die Muskelkontraktion im Vergleich zu AusfĂŒhrungen auf festem Boden deutlich.

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Lokaler Fettabbau und metabolische Aspekte

Dass Bauchmuskeltraining allein Fettpolster an der Körpermitte verschwinden lÀsst, gilt wissenschaftlich als widerlegt. Eine sechswöchige Studie unter der Leitung von Vispute mit 24 Personen zeigte zwar Verbesserungen der Muskelausdauer, jedoch keine signifikante Verringerung des Bauchumfangs oder des Unterhautfettgewebes.

Eine Untersuchung von Escamilla und Kollegen an 21 gesunden MÀnnern und Frauen belegte zudem hohe Aktivierungswerte des Rectus abdominis und der schrÀgen Muskeln beim Training mit RollgerÀten, empfahl die Nutzung aufgrund der IntensitÀt jedoch nur ein- bis zweimal wöchentlich.

Personal Trainer Tomoya Fukasawa erklĂ€rte, dass tĂ€glich zehn Wiederholungen Beinheben zwar den unteren Bauch stĂ€rken und die Haltung verbessern, ein lokaler Fettabbau dadurch jedoch nicht stattfinde. FĂŒr optische VerĂ€nderungen seien begleitendes Ausdauertraining und eine angepasste ErnĂ€hrung unerlĂ€sslich.

ErnĂ€hrungsexperten betonen die Relevanz der Unterscheidung zwischen subkutanem Fett unter der Haut und tief sitzendem viszeralem Fett, das die inneren Organe umgibt und Risiken fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen birgt. Endokrinologin Laura BartolomĂ© wies darauf hin, dass die reine Gewichtskontrolle oft trĂŒgerisch sei.

Ein Bauchumfang von mehr als 88 Zentimetern bei Frauen und ĂŒber 102 Zentimetern bei MĂ€nnern gelte als problematisch. Ein nachhaltiger Fettabbau erfordere neben gezieltem Krafttraining ein moderates Kaloriendefizit, eine proteinreiche ErnĂ€hrung sowie ein aktives Stress- und Schlafmanagement.

Parallel dazu forscht das biopharmazeutische Unternehmen Caliway an Wirkstoffen wie dem Fett-Apoptose-Induktor CBL-514, der in FachprÀsentationen auf dem EASD-Kongress als Ansatz zur Reduktion von subkutanem und viszeralem Fettgewebe vorgestellt wurde.

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