Säureblocker: Langzeiteinnahme erhöht Demenzrisiko um 44 Prozent
Veröffentlicht: 03.07.2026 um 02:36 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Doch eine dauerhafte Einnahme könnte gefährlicher sein als gedacht. Aktuelle Studien zeigen: Protonenpumpenhemmer (PPI) erhöhen das Risiko für Demenz und verschlimmern Lungenerkrankungen.
44 Prozent mehr Demenzrisiko
Eine im Juni 2026 in Nature Metabolism veröffentlichte Studie kommt zu alarmierenden Ergebnissen. Die Langzeiteinnahme von PPI steigert das Demenzrisiko um 44 Prozent. Die Forscher werteten Daten von rund 66.000 Probanden aus. Kurzzeitige Anwendungen gelten demnach als unbedenklich. Kritisch wird die dauerhafte Einnahme.
Eine weitere Langzeitstudie der University of California, San Diego, untermauert die Erkenntnisse. 688 ältere Erwachsene wurden zehn Jahre lang beobachtet. Medikamente mit anticholinerger Wirkung erhöhten das Risiko für leichte kognitive Beeinträchtigungen um 47 Prozent. Bei genetisch Vorbelasteten oder Personen mit Alzheimer-Biomarkern stieg die Gefahr sogar um das Zwei- bis Vierfache.
Gefahr fĂĽr Lungenkranke
Die Risiken beschränken sich nicht auf das Gehirn. Eine belgische Analyse im Fachjournal Chest untersuchte die Daten von über 932.000 Erwachsenen aus den Jahren 2017 bis 2021. Ergebnis: Bei Asthma- oder COPD-Patienten erhöhte die Langzeiteinnahme von Säureblockern das Risiko für Exazerbationen – plötzliche Verschlechterungen der Symptome – um durchschnittlich 18 Prozent. Bei Höchstdosen stieg das Risiko auf 25 Prozent.
Besonders betroffen: Patienten unter 50 Jahren und Asthmatiker. Das Risiko war vor allem bei jenen erhöht, die PPI einnahmen, ohne tatsächlich an Reflux zu leiden. Experten fordern nun ein Umdenken in den Behandlungsleitlinien – weg von der reinen Symptombekämpfung, hin zu frühzeitigen entzündungshemmenden Therapien.
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Gibt es auch schĂĽtzende Medikamente?
Ja. Während bestimmte Wirkstoffe das Demenzrisiko erhöhen, zeigen andere einen schützenden Effekt. Daten des National Institutes of Health (NIH) und britischer Langzeitstudien belegen: SGLT2-Hemmer, die primär gegen Diabetes eingesetzt werden, senken das Alzheimerrisiko um 43 Prozent. Bei GLP-1-Agonisten beträgt die Reduktion 33 Prozent.
Auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Eine Gürtelrose-Impfung kann das Demenzrisiko über sieben Jahre um 20 Prozent senken. Eine hochdosierte Grippeimpfung reduziert es innerhalb von zwei Jahren sogar um 55 Prozent. Mediterrane Ernährung senkt das Risiko um bis zu 30 Prozent, und Hörgeräte bei Schwerhörigkeit verringern die Wahrscheinlichkeit um 23 Prozent. Achtung: Dauerhaft zu niedriger Blutdruck gilt als Risikofaktor – er erhöht die Alzheimer-Wahrscheinlichkeit um den Faktor 2,74.
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Wirtschaftliche Folgen und neue Therapien
Die Kosten sind enorm. Jährlich fallen über 80 Milliarden Euro für Demenzerkrankungen an. Rund 60 Prozent der Betroffenen haben bislang keine fachärztliche Diagnose. Seit Juni 2026 sind in Deutschland neue Antikörpertherapien wie Lecanemab und Donanemab verfügbar. Sie könnten für etwa zehn Prozent der rund 1,2 Millionen Alzheimer-Patienten infrage kommen.
Gleichzeitig machen Diagnoseverfahren Fortschritte. KI-gestützte Netzhautscans können ein Alzheimer-Risiko bis zu 8,5 Jahre vor Symptombeginn erkennen. Moderne Bluttests auf das Protein pTau217 erreichen eine Genauigkeit von über 90 Prozent. Diese Technologien könnten helfen, die Versorgungslücke zu schließen – und Eingriffe zu ermöglichen, bevor irreversible Schäden entstehen.
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