Max-Planck-Institut, Charaktereigenschaften

Wer tanzt, ist weniger neurotisch

13.06.2024 - 08:03:56 | dpa.de

Sage mir, ob (und was) Du tanzt und ich sage Dir, wer Du bist? Das Max-Planck-Institut fĂŒr empirische Ästhetik hat zentrale Charaktereigenschaften von TĂ€nzern erforscht.

Die Forschenden finden erste Hinweise, dass es Persönlichkeitsunterschiede zwischen Tanzenden verschiedener Tanzstile geben könnte. - Foto: Robert Michael/dpa

Menschen, die tanzen, sind einer Studie zufolge weniger neurotisch als ihre Mitmenschen. Zudem seien sie vertrĂ€glicher, offener und extrovertierter als Personen, die nicht tanzen. Beides gilt den Forschenden zufolge sowohl fĂŒr Hobby- als auch fĂŒr Profi-TĂ€nzer, wie eine Studie unter Leitung des Frankfurter Max-Planck-Instituts (MPI) fĂŒr empirische Ästhetik ergab.

Die Studienergebnisse wurden jĂŒngst im Fachjournal «Personality and Individual Differences» veröffentlicht. Die MPI-Mitarbeiter haben dafĂŒr Daten von 5435 Personen aus Schweden und 574 Personen aus Deutschland ausgewertet. Untersucht wurden die fĂŒnf Persönlichkeitsmerkmale Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, VertrĂ€glichkeit und Neurotizismus, die anhand eines umfangreichen Fragebogens ermittelt wurden.

Die sogenannten «Big Five» sind eines der einflussreichsten Modelle der Persönlichkeitspsychologie. Der Faktor Neurotizismus beschreibt, wie emotional stabil eine Person ist. Menschen mit niedrigen Werten in dieser Kategorie sind laut Definition emotional stabil, klagen wenig, sind unempfindlich, aber auch unsensibel.

Ähnliche Ergebnisse gab es auch schon fĂŒr die Persönlichkeit von Musikern. Sie sind einer frĂŒheren Studie zufolge vertrĂ€glicher und offener gegenĂŒber Mitmenschen als Nicht-Musiker. In der aktuellen Studie bestĂ€tigte sich das laut MPI im Prinzip auch fĂŒr TĂ€nzerinnen und TĂ€nzer. 

Was Musiker und TĂ€nzer unterscheidet

Allerdings fanden die Forschenden auch einen interessanten Unterschied zwischen beiden Gruppen: Im Gegensatz zu Musikerinnen und Musikern sind TĂ€nzerinnen und TĂ€nzer nicht neurotischer, sondern – im Gegenteil – weniger neurotisch als Menschen, die nicht tanzen.

Generell wiesen sowohl TĂ€nzerinnen und TĂ€nzer als auch SĂ€ngerinnen und SĂ€nger in ihrer Persönlichkeit ein hohes Maß an Extraversion auf - «was eventuell darauf zurĂŒckzufĂŒhren ist, dass beim Tanzen und Singen der eigene Körper als Ausdrucksmittel eingesetzt wird», berichtete Erstautorin Julia F. Christensen. «Dies bedeutet, dass sie sie sich in einer sozial exponierteren Situation befinden als jemand, der sich zum Beispiel durch ein Instrument ausdrĂŒckt.»

Unterschiede zwischen Swing und Ballroom?

Zudem fanden die Forschenden erste Hinweise, dass es Persönlichkeitsunterschiede zwischen Tanzenden verschiedener Tanzstile geben könnte. So scheinen Menschen, die Swing tanzen, noch weniger neurotisch zu sein als zum Beispiel Latein- und Standard-TÀnzer. 

Laut MPI mĂŒssen solche Annahmen aber noch mit grĂ¶ĂŸeren Datenmengen bestĂ€tigt werden. Auch aus einem anderen Grund soll die Studie fortgesetzt werden: Die Forschenden wĂŒrden ihre Untersuchungen zur Persönlichkeit von TĂ€nzern gern auf weitere Kulturen und Tanzstile ausweiten. 

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