Sandfisch-Roboter, Mars-Rover

Sandfisch-Roboter: Neue Mars-Rover schwimmen durch den Sand

24.05.2026 - 12:30:53 | boerse-global.de

Neue RĂ€der fĂŒr Mars-Rover orientieren sich an WĂŒstenechsen und schwimmen durch Sand statt zu rollen.

Sandfisch-Roboter: Neue Mars-Rover schwimmen durch den Sand - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Sandfisch-Roboter: Neue Mars-Rover schwimmen durch den Sand - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Jahrzehntelang rollten Mars-Rover langsam und vorsichtig ĂŒber den roten Planeten – und blieben immer wieder im Sand stecken. Ein Forscherteam der UniversitĂ€t WĂŒrzburg hat nun einen radikalen Lösungsansatz prĂ€sentiert: RĂ€der, die nicht rollen, sondern durch den Sand „schwimmen“. Das berichtet das Team um Professor Marco Schmidt im Mai 2026.

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Die Inspiration liefert die Sandfisch-Echse (Scincus scincus), die in der Sahara lebt und sich mit wellenförmigen Breitbewegungen durch den WĂŒstenboden grĂ€bt, als wĂ€re er flĂŒssig. Die neuartigen RĂ€der erzeugen sowohl LĂ€ngs- als auch SeitenkrĂ€fte und hinterlassen auf dem TestgelĂ€nde sinusförmige Spuren – ein klares Zeichen, dass der Schwimmmechanismus funktioniert.

Vom WĂŒstensand zum Mars

Die Entwicklung ist Teil der Valles Marineris Explorer (VaMEx)-Initiative des Deutschen Zentrums fĂŒr Luft- und Raumfahrt (DLR). Ziel ist die Erkundung des gewaltigen Canyon-Systems Valles Marineris auf dem Mars, das steile HĂ€nge und tiefe Sandfallen aufweist. Herkömmliche Rover-RĂ€der geraten dort schnell ins Rutschen oder sinken ein.

Erste Prototypen der Sandfisch-RĂ€der waren noch zu schwer und zu schmal, was den Bodendruck erhöhte. „Die Kombination aus Rutschen und Einsinken war ein Problem“, so die Forscher. Mitte Mai 2026 prĂ€sentierten sie eine verbesserte Version: leichtere, breitere RĂ€der, die den Druck besser verteilen und die Kontrolle auf sandigen HĂ€ngen deutlich verbessern.

Physik des Sandschwimmens

Die wissenschaftliche Grundlage reicht fast zwei Jahrzehnte zurĂŒck. Bereits 2009 veröffentlichte ein Team um Daniel Goldman vom Georgia Institute of Technology eine bahnbrechende Studie im Fachmagazin Science. Sie zeigte: Die Sandfisch-Echse nutzt unter der OberflĂ€che ihre Beine nicht zur Fortbewegung, sondern presst sie an den Körper und erzeugt eine wellenförmige Bewegung von Kopf bis Schwanz. Damit erreicht sie Geschwindigkeiten von bis zu 15 Zentimetern pro Sekunde im Sand.

Die sogenannte „granulare Widerstandskraft-Theorie“ beschreibt, warum das funktioniert: Sand verhĂ€lt sich mal wie ein Feststoff, mal wie eine FlĂŒssigkeit. Forscher der University of California San Diego entwickelten 2023 und 2024 Roboter nach dem Vorbild von Meeresschildkröten-Jungtieren und fanden heraus, dass die Reibung zwischen Sandkörnern KrĂ€fte erzeugt, die deutlich höher sind als in flĂŒssigen Umgebungen.

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Schwarmintelligenz fĂŒr den Mars

Der Sandfisch-Rover ist nicht als EinzelkĂ€mpfer gedacht. Das VaMEx-Projekt plant einen ganzen Schwarm von Robotern, die gemeinsam das Canyon-System erkunden sollen. Dort könnten sich Nischen mit flĂŒssigem Wasser verstecken – eine der spannendsten Fragen der Marsforschung.

Die Steuerungssysteme passen die Kraftverteilung und den „Gang“ des Rovers in Echtzeit an den Untergrund an. Diese „mechanische Intelligenz“ spiegelt wider, was WĂŒstentiere instinktiv tun: Sie passen ihre Bewegung der Dichte des Untergrunds an.

Zukunft der Mars-MobilitÀt

WĂ€hrend die aktuellen Rover Perseverance und Curiosity weiter wertvolle Daten liefern, zeigen die Herausforderungen des Mars Sample Return-Programms die Grenzen traditioneller RĂ€der. Die Kosten und technischen Schwierigkeiten der Navigation in unterschiedlichen Mars-Umgebungen sind enorm.

FĂŒr die nahe Zukunft bleibt die Technologie noch experimentell. Der Rosalind Franklin-Rover der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation (ESA), der 2028 starten soll, wird keine SchwimmrĂ€der erhalten. Branchenkenner sehen jedoch das Startfenster 2035 als gĂŒnstige Gelegenheit fĂŒr die neuen Systeme. Bis dahin sollen die Sandfisch-RĂ€der auch auf gemischtem GelĂ€nde mit Felsen und Kies zuverlĂ€ssig funktionieren.

Der Erfolg der Tests in Mars-Simulanten hat die Anwendung der granularen Widerstandskraft-Theorie in der Robotik bestĂ€tigt. FĂŒr flache, felsige Ebenen bleiben traditionelle RĂ€der der Standard – doch fĂŒr die Erkundung von Canyons und DĂŒnen könnte die Zukunft im Schwimmen durch den Sand liegen.

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