SAP Joule Studio: Nutzer bauen KI-Agenten in zehn Minuten
30.05.2026 - 09:15:22 | boerse-global.deGroße Softwarekonzerne setzen auf autonome Systeme, die komplexe Aufgaben eigenständig erledigen.
Die Technologiebranche erlebt einen grundlegenden Wandel: Weg von assistierenden KI-Tools, hin zu autonomen Agenten, die selbstständig programmieren, planen und organisieren. Gleich mehrere Großkonzerne präsentierten Ende Mai 2026 ihre neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet.
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SAP und Google setzen auf Eigenständigkeit
Auf der SAPPHIRE-Konferenz am 29. Mai stellte SAP Joule Studio vor – eine Entwicklungsumgebung, die auf sogenanntes „intent-based Development" setzt. Das Prinzip: Nutzer beschreiben ihre Anforderungen in natürlicher Sprache, das System generiert daraus die komplette Architektur, den Code und die Testumgebung für einen KI-Agenten. Rund 2.000 Besucher nutzten die Plattform während der Messe und erstellten Tausende solcher Agenten – jeder einzelne in etwa zehn Minuten fertig. Ein Early-Adopter-Release soll in Kürze erscheinen.
Parallel dazu brachte Google am selben Tag Gemini Spark auf den Markt. Der 24/7-KI-Agent steht zunächst US-Abonnenten von Google AI Ultra zur Verfügung. Er nutzt Gemini 3.5 und cloudbasierte virtuelle Maschinen, um Aufgaben wie Terminplanung, E-Mail-Suche und Dateiorganisation in Google Workspace zu automatisieren. Das System läuft selbst dann, wenn das Gerät des Nutzers ausgeschaltet ist, und kann bis zu 15 Aufgaben gleichzeitig bearbeiten.
Unternehmen setzen auf KI-Code
Die Umstellung auf KI-generierten Produktivcode schreitet rasant voran. Shopify meldete am 28. Mai, dass sein Slack-integrierter KI-Agent River mittlerweile jeden achten zusammengefĂĽhrten Pull-Request (PR) mitverfasst. Innerhalb von 30 Tagen war der Agent an 3.536 PRs beteiligt.
Auch andere Firmen berichten von beeindruckenden Effizienzgewinnen:
- Swarmia: CEO Otto Hilska gab am 28. Mai bekannt, dass das Unternehmen seine Produktivität verdoppeln konnte – ohne zusätzliche Mitarbeiter. Die Koordination von Bug-Fixes, früher ein zeitaufwendiger Prozess von über zehn Stunden, erledigt der KI-Agent nun in Minuten.
- CREAO: CTO Peter Pang erklärte am 29. Mai, dass 99 Prozent des Produktionscodes des Unternehmens mittlerweile von KI geschrieben werden. Entscheidend sei eine Monorepo-Strategie, die den Agenten den Zugriff auf den gesamten Codebestand erleichtert.
- Endava: Das Unternehmen setzt OpenAI Codex ein und verkĂĽrzt damit die Anforderungsanalyse von Wochen auf Stunden.
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Microsoft plant KI-Super-App
Auch Microsoft arbeitet offenbar an einer umfassenden Lösung. Berichten vom 29. Mai zufolge entwickelt der Konzern eine KI-„Super-App", die verschiedene Produktivitätstools vereinen soll. Das Projekt unter der Leitung von Jacob Andreou zielt darauf ab, GitHub Copilot, Copilot Chat, Copilot Cowork und eine neue Workflow-Funktion namens Autopilot in einer einzigen Oberfläche zu bündeln. Aktuell hat GitHub Copilot 4,7 Millionen zahlende Abonnenten – doch weniger als 4,5 Prozent der 450 Millionen Microsoft-365-Kunden nutzen bislang Copilot-Dienste. Die neue App soll noch im Sommer vorgestellt werden.
Auch Design-Workflows werden zunehmend integriert. Figma gab am 28. Mai bekannt, dass sein Tool Figma Make nun direkt auf Produktiv-Codebestände zugreifen kann. Designer können Layouts, Farben und Schriftgrößen präzise anpassen – ohne den Umweg über Entwickler.
Spezialisierte Apps und unabhängige Entwickler
Der Trend zu KI-gesteuerter Software erfasst auch Nischenanwendungen. Am 27. Mai erschien die App Mentalium im App Store – ein KI-gestütztes Tagebuch für kognitive Verhaltenstherapie, das offline arbeitet und Spracheingaben direkt auf dem Gerät verarbeitet. Nintendo veröffentlichte am 28. Mai Pictonico, eine App, die persönliche Fotos mit KI in Minispiele verwandelt – entwickelt vom Team der WarioWare-Reihe.
Wie tief die Einstiegshürden mittlerweile gesunken sind, zeigt ein Bericht vom 30. Mai: Eine Person ohne Programmiererfahrung entwickelte innerhalb von sechs Wochen vier mobile Anwendungen – darunter einen Gewohnheitstracker und einen Kalorienzähler. Zum Einsatz kamen Claude Code, Expo und Supabase für Authentifizierung und Cloud-Synchronisation. Ein Beleg dafür, dass die Softwareentwicklung längst nicht mehr nur Profis vorbehalten ist.
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