SAP Joule Work: Rollout für Kunden startet zusammen mit neuer KI-Plattform
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 22:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf der Fachkonferenz SAP Connect in Las Vegas hat der Softwarekonzern SAP den Kunden-Rollout von Joule Work sowie die Einführung seiner Autonomous-Enterprise-Plattform angekündigt. Die Initiative soll KI-Agenten und digitale Assistenten tiefer in Geschäftsprozesse einbinden und Arbeitsabläufe über verschiedene Unternehmensanwendungen hinweg automatisieren.
Rollout-Zeitplan und interne Produktivitätswerte
Die zugrunde liegende Autonomous-Enterprise-Architektur soll im Oktober allgemein verfügbar werden. Auch Joule Work, eine Desktop-Anwendung sowie erweiterte Assistenten und Agenten sollen im Laufe des Oktobers bereitgestellt werden. Entsprechende Agenten sind bereits im SAP Discovery Center einsehbar.
Intern nutzt SAP Joule Work nach eigenen Angaben bereits bei 110.000 eigenen Beschäftigten. Der Konzern verzeichnet dabei nach eigenen Angaben einen Produktivitätszuwachs von 20 % in den Bereichen Finanzen, Personalwesen und Beschaffung.
Allerdings handelt es sich hierbei laut Berichten um aggregierte Unternehmenswerte, während das genaue Studiendesign und der Aufgabenmix nicht offengelegt wurden. Ebenso liegen keine detaillierten Angaben zu aufgabenbezogener Genauigkeit, Fehlerraten oder Wiederherstellungsmechanismen vor.
Frühe Einsätze des International Trade Assistant senken laut SAP den Aufwand für die Handelsklassifizierung um bis zu 50 %. Für die Abrechnung der neuen KI-Dienste plant das Unternehmen ein überwiegend verbrauchsbasiertes Modell über sogenannte AI Units.
Vernetzung, Modellvielfalt und Governance
Das System Joule soll Arbeitsaufträge sowohl über Programme von SAP als auch über Drittanbieter-Anwendungen hinweg ausführen können. Nutzer sollen dabei die Kontrolle über Governance und Auditierbarkeit behalten. Laut SAP greifen die Assistenten auf bestehende Berechtigungsstrukturen und Audit-Trails zurück.
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Technologisch bildet der SAP Knowledge Graph mehr als 7 Mio. Datenfelder ab. Zudem unterstützt die Entwicklungsumgebung Joule Studio mehr als 70 KI-Modelle. Um fragmentierte Datenbestände innerhalb und außerhalb von SAP-Systemen zusammenzuführen, kündigte der Konzern SAP Reltio an. Des Weiteren plant SAP die Übernahme von TechWolf.
Brancheneinsatz und neue Assistenten
SAP stellte zudem neue spezialisierte Assistenten für Finanzen, Ausgabenmanagement, HR, Kundenerlebnis, die Lieferkette, Beschaffung sowie Governance, Risk und Compliance (GRC) vor. Ausgewählte Assistenten sind für das vierte Quartal 2026 beziehungsweise das erste Quartal 2027 vorgesehen, teils mit Early-Adopter-Phasen im nächsten Quartal.
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Erste Unternehmenskunden nutzen die Systeme bereits: Novartis startete einen Pilotbetrieb des gemeinsam mit SAP entwickelten Joule Sourcing Assistant. PwC setzt den Billing Assistant ein, um potenzielle Abrechnungsprobleme frühzeitiger zu identifizieren. Wie weitreichend Systemanpassungen in Großkonzernen sind, zeigt zudem Nestlé, dessen laufende Transformation auf S/4HANA insgesamt 140 Länder umfasst.
Erweiterung um Zahlungsdienste und Risikodaten
Parallel zu den KI-Funktionen führt das Unternehmen SAP Pay ein, das direkt in Cloud ERP eingebettet ist und in den USA sowie in Großbritannien ab sofort allgemein zur Verfügung steht. Der Dienst automatisiert Zahlungsabläufe und den Rechnungsabgleich für genehmigte Belege.
Neben klassischen EFT-Methoden wie ACH, Banküberweisungen und Schecks unterstützt das System auch Stablecoin-Abwicklungen bei grenzüberschreitenden Transaktionen. Voraussetzung für die Nutzung ist das Add-on SAP Multi-Bank Connectivity.
Zusätzlich sollen im vierten Quartal 2026 Lieferantenrisikodaten von Moody’s in die Beschaffungsplattform SAP Ariba integriert werden, um eine fortlaufende Risikoüberwachung von Lieferketten zu ermöglichen. Auf der Konferenz wurden die neuen Funktionen in mehr als 20 praktischen Labs vorgestellt.
