SAP, Telekom

SAP und Telekom: Cloud-Deal vor Gericht

30.04.2026 - 17:22:41 | boerse-global.de

KI-Einsatz in EU-Firmen steigt auf 20 Prozent, während der AI Act in Brüssel blockiert wird.

SAP und Telekom: Cloud-Deal vor Gericht - Foto: über boerse-global.de
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KI erobert die Unternehmen

Die künstliche Intelligenz hat den Sprung vom Hype in den Arbeitsalltag geschafft. Rund 20 Prozent aller EU-Unternehmen setzten 2025 auf KI-Technologien – ein Anstieg um sieben Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigt der aktuelle Eurostat-Bericht zur europäischen Digitalisierung, der heute veröffentlicht wurde. Parallel dazu nutzen bereits 53 Prozent der Firmen Cloud-Dienste. Die Infrastruktur für eine digitale Wirtschaft wächst rasant – doch die Herausforderungen sind gewaltig.

Rekordjagd auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Besonders deutlich wird der Wandel auf dem deutschen Stellenmarkt. Im ersten Quartal 2026 wurden hierzulande erstmals über 10.000 KI-Jobs ausgeschrieben – genau 10.056 Stellen. Das ist ein Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und eine Verfünffachung seit Anfang 2023. Die Nachfrage nach Spezialisten ist so hoch wie nie.

Doch die Kehrseite: 40 Prozent der EU-Bürger besitzen keine grundlegenden digitalen Fähigkeiten. Zwar arbeiten inzwischen zehn Millionen ICT-Spezialisten in der EU – das sind fünf Prozent aller Beschäftigten. Aber der Frauenanteil liegt bei mageren 19 Prozent. Ein strukturelles Problem, das die Politik dringend lösen muss.

Immerhin: 72 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen haben inzwischen eine „grundlegende digitale Intensität“ erreicht. In Deutschland gibt es zudem seit Januar neue Förderungen für digitale Pflegeanwendungen – bis zu 70 Euro monatlich für zertifizierte Gesundheits-Apps.

Regulierungs-Stillstand in Brüssel

Während die Technik vorprescht, hinkt die Gesetzgebung hinterher. Die Trilog-Verhandlungen zum AI Act sind gestern an einer zentralen Frage gescheitert: Die Europäische Volkspartei fordert Ausnahmen für industrielle KI-Anwendungen – etwa im Maschinenbau oder der Medizintechnik. Auch ein geplantes Verbot von KI-Bildmanipulation liegt auf Eis. Experten warnen: Ohne horizontale Regulierung drohen Sicherheitslücken.

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Trotz des Stillstands soll das Gesetz am 2. August 2026 in Kraft treten. Um die vielen neuen Regeln zu bündeln, hat die EU-Kommission Ende 2025 ein „Digital Omnibus“-Reformpaket vorgeschlagen. Es sieht unter anderem Erleichterungen bei der DSGVO vor – etwa die Nutzung von „berechtigtem Interesse“ für KI-Training.

Milliarden-Streit um die digitale Souveränität

Ein handfester Rechtsstreit erschüttert die deutsche Cloud-Landschaft. Ein Konsortium aus Google und dem IT-Dienstleister Adesso hat Ende April Beschwerde gegen die Vergabe eines Milliarden-Auftrags eingelegt. Die Bundesregierung hatte den Zuschlag für einen „souveränen Cloud-Vertrag“ an SAP und die Telekom vergeben – über 250 Millionen Euro in vier Jahren.

Das Projekt ist Herzstück der Digitalstrategie von Minister Wildberger. Es soll eine krisenfeste, unabhängige Infrastruktur für die Bundesverwaltung schaffen. Die Vergabekammer des Bundeskartellamts prüft den Fall nun im Eilverfahren. Branchenkenner rechnen mit monatelangen Verzögerungen.

Milliarden für die Zukunft

Die EU stemmt sich mit massiven Investitionen gegen den Rückstand. Das Programm „Digitales Europa“ hat gerade neun neue Förderaufrufe mit einem Volumen von 204 Millionen Euro gestartet – für Big Data, digitale Gesundheit und Innovationszentren. Für 6G-Forschung und KI-Integration stehen weitere 22 Millionen Euro bereit, nächstes Jahr sogar 240 Millionen.

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Auch die Privatwirtschaft investiert kräftig. Microsoft kündigte heute an, seine Rechenzentren in Europa um 40 Prozent auszubauen. Bis 2027 sollen über 200 Standorte in Betrieb sein – von Belgien bis Großbritannien. Dazu gehört die „EU Data Boundary“, die Datenverarbeitung innerhalb der EU garantiert.

In Deutschland hat das Bundeskabinett gestern ein Gesetzespaket verabschiedet, das BKA und Bundespolizei neue Befugnisse gibt: KI-gestützte Datenanalyse und biometrischer Bildabgleich bei schwerer Kriminalität und Terrorismus. Der Deutsche Richterbund begrüßt die Maßnahmen, Datenschützer warnen vor Überwachung.

Zwischen Innovation und Absicherung

Die digitale Souveränität bleibt das beherrschende Thema. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat mit dem C3A-Kriterienkatalog einen Rahmen für souveräne Cloud-Nutzung geschaffen. Ziel: Kritische Regierungsfunktionen müssen auch in geopolitischen Krisen laufen.

Parallel dazu will die EU ihre Gesetzgebung verschlanken. Kommissar Dombrovskis präsentierte am Montag einen Fünf-Punkte-Plan mit Verfallsdaten für Richtlinien und einem „regulatorischen Frühjahrsputz“ in elf Sektoren. Hintergrund: Viele Mitgliedsstaaten überfrachten EU-Vorgaben mit nationalen Zusatzregeln.

Der Weg bis 2030

Die digitale Zukunft Europas hängt an der Infrastruktur. Die Bundesregierung plant noch 2026 eine Novelle des Telekommunikationsgesetzes, um den Glasfaserausbau zu beschleunigen – besonders auf dem Land. Alte DSL-Netze sollen zwischen 2035 und 2040 abgeschaltet werden.

Ein entscheidender Meilenstein ist die EU Digital Identity Wallet. Bis Ende 2026 müssen die Mitgliedsstaaten eine funktionierende Lösung bereitstellen. Zwar zeigen Umfragen, dass 54 Prozent der Deutschen Interesse an der digitalen ID haben – aber nur 18 Prozent haben die eID-Funktion ihres Personalausweises aktiviert.

Während die EU über den Haushalt 2028-2034 verhandelt – rund zwei Billionen Euro stehen im Raum –, bleibt die Finanzierung der Digitalambitionen offen. Neue Digitalsteuern für Tech-Konzerne und höhere Forschungsausgaben stehen zur Debatte. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Europa die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit schließen kann.

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