Saunagang, Abwehrzellen

Saunagang bei 73 °C: Abwehrzellen steigen an, Effekt klingt rasch wieder ab

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine finnische Untersuchung zeigt vorübergehende Leukozytenanstiege, belegt aber weder dauerhaften Immunschutz noch ein geringeres Krankheitsrisiko.
Leeres, minimalistisches Interieur einer finnischen Holzsauna mit hellen Holzbänken in warmem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ein Besuch in der Sauna führt im menschlichen Körper zu einer raschen Reaktion des Immunsystems. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Ostfinnland und der Universität Turku, die in der Fachzeitschrift Temperature erschien, belegt, dass ein 30-minütiger Saunagang bei rund 73 °C mit einer kurzen kalten Dusche zur Halbzeit weiße Blutkörperchen vorübergehend in die Blutbahn mobilisiert.

Zu den betroffenen Zellen gehören insbesondere Neutrophile und Lymphozyten, deren Werte allerdings bereits binnen 30 Minuten nach dem Ende der Sitzung wieder auf das Ausgangsniveau zurückgehen.

Kurzzeitiger Anstieg verschiedener Leukozytentypen

An der Untersuchung nahmen 51 finnische Erwachsene teil, darunter 27 Frauen und 24 Männer mit einem Durchschnittsalter von circa 50 Jahren. Die Probanden wiesen überwiegend mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor wie Bluthochdruck, Übergewicht oder erhöhte Cholesterinwerte auf, litten jedoch unter keiner bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankung. Den Teilnehmern wurden vor dem Saunagang, unmittelbar danach sowie 30 Minuten nach dem Verlassen der Kabine Blutproben entnommen.

Direkt nach der Wärmeanwendung waren alle untersuchten Typen von Leukozyten im Blut messbar erhöht. Während Neutrophile und Lymphozyten eine halbe Stunde später wieder ihr ursprüngliches Niveau erreichten, blieben Monozyten, Eosinophile und Basophile weiterhin erhöht.

Bei den teilnehmenden Frauen zeigte sich auch nach 30 Minuten noch eine leicht erhöhte Gesamtzahl der Leukozyten. Während des Aufenthalts stieg die gemessene Ohrtemperatur von durchschnittlich 36,4 auf 38,4 °C an. Da das Plasmavolumen der Probanden unverändert blieb, führten die Forschenden den Anstieg der Zellzahlen nicht auf eine Bluteindickung durch Flüssigkeitsverlust zurück.

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Physiologische Mechanismen und Zytokinwerte

Ilkka Heinonen von der Universität Turku erklärte hierzu, dass die Abwehrzellen aus Gewebespeichern in das Blut mobilisiert und anschließend wieder dorthin zurückgelagert werden. Diese periodische Freisetzung verbessere die Immunüberwachung und wirke sich förderlich auf die Abwehr von Krankheitserregern aus, was vergleichbar mit den Effekten körperlicher Anstrengung sei.

Ergänzend untersuchten die Wissenschaftler die Reaktion von Botenstoffen im Körper. Laut Prof. Jari Laukkanen von der Universität Ostfinnland sanken von 37 untersuchten Zytokinen lediglich zwei signifikant ab. Zudem korrelierten die beobachteten Zytokinänderungen direkt mit dem Anstieg der Körpertemperatur, nicht jedoch mit der Anzahl der Leukozyten.

Grenzen der Aussagekraft und medizinische Einordnung

Die Autoren der finnischen Universitäten weisen zugleich auf methodische Einschränkungen hin: Neben dem geringen Stichprobenumfang fehlte eine Kontrollgruppe. Zudem erschwere die zwischenzeitliche kalte Dusche die isolierte Zuordnung der Effekte rein zur Hitzeeinwirkung.

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Die Befunde lieferten keinen Nachweis für eine dauerhafte Stärkung des Immunsystems oder ein verringertes Krankheitsrisiko. Bereits eine frühere Studie aus dem Jahr 2010 mit 157 erkrankten Teilnehmern hatte ergeben, dass Saunagänge Erkältungen nicht signifikant linderten.

Fachleute ordnen die Prozesse vor allem als Reaktion auf thermischen Stress ein. Ein Sportmediziner erläuterte, dass Gefäßerweiterung, Adrenalinausschüttung und die Ablösung von Zellen von den Gefäßwänden die Leukozytenzahlen steigen ließen.

Ein einmaliger Besuch der Sauna bewirke für die Immunabwehr eher wenig, während regelmäßig zwei bis drei Saunagänge pro Woche Anpassungsprozesse anstoßen könnten. Bei akuten Infekten oder Fieber sei die Sauna jedoch zu meiden, und ein langfristiger Schutz vor Infektionen bleibe unbelegt.

Eine Hausärztin ergänzte, da Kälte die Abwehrkräfte vorübergehend schwächen könne, sei der beobachtete Anstieg der Abwehrzellen biologisch plausibel; die langfristige Bedeutung dieses Effekts bleibe allerdings weiterhin ungeklärt.

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