Schachtraining: Sechs Wochen stÀrken ArbeitsgedÀchtnis bei Jugendlichen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gezielte Bildungsinitiativen, Wettbewerbe und interaktive Leseformate gewinnen zunehmend an Bedeutung, um kognitive Leistungen zu erhalten, Lesekompetenzen aufzubauen und den sozialen Austausch zu fördern. Sowohl im Bildungsbereich als auch in der therapeutischen Praxis zeigen aktuelle Projekte und wissenschaftliche Untersuchungen, wie strukturierte geistige Aktivierung ĂŒber verschiedene Altersgruppen hinweg wirkt.
Leseförderung und Wettbewerbe im Jugendbereich
Vor dem Hintergrund schwĂ€cher werdender Basiskompetenzen rĂŒcken Leseprojekte verstĂ€rkt in den Fokus. Nach Angaben der jĂŒngsten PISA-Erhebung weist rund ein Drittel der Jugendlichen Defizite beim Lesen sowie beim Rechnen auf; die gemessenen Leistungen in Deutschland markierten dabei den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000. Börsenverein-Vorsteher Guggolz wies ebenfalls darauf hin, dass rund ein Drittel der 15-JĂ€hrigen beim Lesen das grundlegende Kompetenzniveau verfehlt.
Als bundesweite GegenmaĂnahme startet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins im Oktober 2026 die 68. Ausgabe des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels. JĂ€hrlich nehmen rund 600.000 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der sechsten Klassen teil; etwa 13.000 Schulen erhalten dazu Unterlagen per Post.
Der Wettbewerb, der unter der Schirmherrschaft des BundesprĂ€sidenten steht und regional von vier Sparda-Banken unterstĂŒtzt wird, gliedert sich in Klassen- und Schulentscheide, bei denen aus einem selbst gewĂ€hlten Buch sowie einem unbekannten Text gelesen wird.
Nach dem Meldeschluss fĂŒr die Schulsieger am 15. Dezember 2026 folgen Stadt-, Kreis-, Bezirks- und Landesentscheide. Das Bundesfinale der 16 Landessieger findet im Juni 2027 im Europa-Park Rust statt und wird live auf TOGGO ĂŒbertragen.
ErgÀnzend stÀrken kommunale Formate das Leseinteresse:
- Im Herbst 2026 richtet das Kulturzentrum Pelmke in Hagen das landesgeförderte Kinder- und Jugendbuchfestival âLeselustâ in acht StĂ€dten SĂŒdwestfalens aus, darunter Halver, Kierspe, Meinerzhagen, LĂŒdenscheid und Plettenberg, mit Aktionen wie Autorenlesungen, Workshops und Theater.
- Der Sommerleseclub 2026 der Stadtbibliothek Troisdorf verzeichnete mit 566 Teilnehmenden aus allen Altersgruppen eine Rekordbeteiligung bei Ferienworkshops und LeseaktivitÀten.
- Das Programm âLesestart 1-2-3â, getragen unter anderem vom Bundesministerium fĂŒr Bildung, Familie, Frauen, Senioren und Jugend sowie der Stiftung Lesen, versorgt Eltern dreijĂ€hriger Kinder in Einrichtungen wie der Stadtbibliothek Köthen mit kostenlosen BilderbĂŒchern und Vorleseratgebern.
Soziale Interaktion durch gemeinsames Lesen
Neben dem individuellen Kompetenzerwerb dient das gemeinsame Lesen auch der sozialen Einbindung und mentalen Entlastung. Ein Beispiel hierfĂŒr ist die Methode des âShared Readingâ, die um 2002 von Dr. Jane Davis im britischen Liverpool begrĂŒndet wurde. Dabei liest eine geschulte Leitung Texte und Gedichte laut vor, unterbrochen von Pausen fĂŒr ein offenes GesprĂ€ch in der Gruppe.
Im Bildungszentrum Tauberbischofsheim leitet Viola Kammerer ein entsprechendes Angebot fĂŒr rund zehn generationenĂŒbergreifende Teilnehmende, das neben einer mittwochs stattfindenden Abendgruppe ab Donnerstag, dem 1. Oktober 2026, auch vormittags kostenfrei und ohne Anmeldung fortgefĂŒhrt wird.
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Eine vergleichbare monatliche Reihe bietet die Stadtbibliothek Ludwigshafen unter Leitung von Julia Szostek an, deren nÀchster Termin am 7. Oktober 2026 angesetzt ist.
Kognitive Effekte von Lebensstil und Schachtraining
Dass gezielte Interventionen dem geistigen Abbau entgegenwirken können, belegen klinische Untersuchungen. Eine an der University of Southampton durchgefĂŒhrte und im Fachjournal The Lancet Primary Care veröffentlichte Studie an 11.563 Ă€lteren Briten im Alter von 60 bis 85 Jahren mit niedrigen kognitiven Werten untersuchte digitale Trainingsmethoden.
Bei Ă€lteren Personen ĂŒber 65 Jahren treten nach Angaben der Forscher bei etwa 20 Prozent kognitive BeeintrĂ€chtigungen auf, von denen jĂ€hrlich 10 Prozent eine Demenz entwickeln.
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Nach einem einjĂ€hrigen Testzeitraum galt bei 28,4 Prozent der Gruppe mit reinen LebensstilratschlĂ€gen der kognitive Abbau nicht lĂ€nger als gegeben. Unter Nutzung der Plattform âActive Brainsâ, die Bewegung, mediterrane ErnĂ€hrung und RĂ€tsel kombiniert, lag der Wert bei 32,8 Prozent, mit zusĂ€tzlicher E-Mail- und TelefonunterstĂŒtzung bei 31,6 Prozent. Laut den Forschenden reduzierte die Nutzung der Website leichte kognitive BeeintrĂ€chtigungen um 8 Prozent und schwere um 18 Prozent.
Parallel dazu untersucht das Zentralinstitut fĂŒr Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim schachbasiertes kognitives Training im therapeutischen Kontext. In Pilotstudien zeigte sich bei alkoholabhĂ€ngigen Patienten eine signifikant verbesserte Aufmerksamkeitsspanne sowie eine höhere subjektive LebensqualitĂ€t im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Bei Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren in psychiatrischer Behandlung fĂŒhrte ein sechswöchiges Zusatztraining ohne zwingende Vorkenntnisse zu einer Steigerung des ArbeitsgedĂ€chtnisses und des psychischen Wohlbefindens. GröĂere Folgestudien sollen diese Mechanismen weiter aufschlĂŒsseln.
