Schädel-Hirn-Trauma: Pflanzenstoff Isorhoifolin fördert Nervenreparatur
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Weltweit erleiden Schätzungen zufolge jährlich etwa 70 Millionen Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma. Trotz der hohen Fallzahlen existiert bislang kein zugelassenes Arzneimittel, das die Reparatur geschädigter Nerven direkt fördert.
Eine wissenschaftliche Untersuchung der National Tsing Hua University zeigt nun einen potenziellen Therapieansatz auf: Forschende konnten die pflanzliche Verbindung Isorhoifolin identifizieren, die über die Regulierung von oxidativem Stress sowie die Unterstützung neuronaler Reparaturprozesse bei traumatischen Hirnverletzungen wirken könnte.
Zweifacher Wirkmechanismus an Neuronen und Astrozyten
Das Team um Professor Chen Ling-Yi am Institut für Medizinische Wissenschaften der National Tsing Hua University untersuchte die Wirkungsweise der Substanz detailliert.
Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift „Phytomedicine“ veröffentlicht wurden, belegen einen kombinierten Effekt auf zwei zentrale Zelltypen des Nervensystems: Isorhoifolin wirkt gleichzeitig auf Neuronen sowie auf Astrozyten, wodurch es die Neuritenreparatur vorantreibt und oxidativen Stress reguliert.
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Auf molekularer Ebene hemmt die Verbindung das S1PR3-Signal in Neuronen, was das Neuritenwachstum anregt. Parallel dazu nimmt Isorhoifolin Einfluss auf das NQO2-Protein in den Astrozyten und senkt auf diesem Weg das Aufkommen reaktiver Sauerstoffspezies.
In präklinischen Tierversuchen führte dieser Mechanismus zu funktionellen Fortschritten: Mäuse mit einem Schädel-Hirn-Trauma zeigten unter der Behandlung eine verbesserte motorische Koordination.
Zudem wies die Behandlungsgruppe eine bessere Reparatur der geschädigten Region auf. Nach einer nasalen Verabreichung ließ sich der Wirkstoff bereits innerhalb von 15 Minuten im Hirngewebe der Tiere nachweisen.
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Aufwendige Identifizierung und erfolgreiche Synthese
Die Entdeckung des Moleküls war das Resultat einer Forschungsarbeit, die sich über mehr als 8 Jahre erstreckte. Um wirksame Komponenten ausfindig zu machen, screeneten die Forschenden nahezu 900 Pflanzenarten und mehr als 2.000 Extrakte aus dem Dr. Cecilia Koo Botanic Conservation Center. Isoliert und identifiziert wurde die Verbindung schließlich in der Art Monstera epipremnoides.
Um eine verlässliche Basis für weiterführende Untersuchungen zu schaffen, kooperierte das Forschungsteam mit der Chemischen Fakultät der National Tsing Hua University. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde eine vollständige chemische Synthese der Verbindung im Gramm-Maßstab abgeschlossen.
Patentierung und künftige Anwendungsfelder
Für die weitere Entwicklung hat die National Tsing Hua University bereits eine Patentstrategie aufgesetzt. Als nächster Schritt ist eine Beratung zur klinischen Prüfung bei der US-amerikanischen Behörde FDA geplant.
Über traumatische Hirnverletzungen hinaus sehen die Wissenschaftler weiteres Potenzial für die Substanz. Künftig sollen auch Anwendungen bei Hirnschlag sowie bei kognitiven Einschränkungen in Form von „Brain Fog“ nach einer COVID-19-Erkrankung überprüft werden.
