Schaltsekunde endet 2027: Weltzeit darf stärker abweichen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 15:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS27 Korrekturen seit 1972
- Die CGPM beschloss in Versailles bei Paris das Ende der Schaltsekunde ab dem 20. Mai 2027.
- Seit 1972 wurde 27 Mal eine zusätzliche Sekunde eingefügt, zuletzt Ende 2016.
- Künftig darf die Weltzeit bis zu 3.600 Sekunden von der astronomischen Zeit abweichen.
CGPM beendet Schaltsekunden ab 2027
Die Schaltsekunde wird abgeschafft: Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht hat in Versailles bei Paris beschlossen, dass ab dem 20. Mai 2027 eine fortlaufende Koordinierte Weltzeit gelten soll. Damit soll die Zeitmessung stabiler werden, vor allem in Computersystemen und kritischer Infrastruktur.
Atomuhren und Erdrotation laufen nicht gleich
Die UTC basiert auf Atomuhren, während die astronomische Zeit UT1 von der Erdrotation abhängt. Weil sich die Erde geringfügig unterschiedlich schnell dreht, weichen beide Zeitskalen voneinander ab.
Bisher durfte die Differenz höchstens 0,9 Sekunden betragen. Wenn dieser Wert erreicht wurde, fügte der Internationale Erdrotations- und Referenzsystemdienst eine Schaltsekunde ein.
27 Schaltsekunden seit 1972
Seit der Einführung des Verfahrens im Jahr 1972 wurde 27 Mal eine zusätzliche Sekunde eingeschoben. Zuletzt geschah das Ende 2016; betroffen war jeweils das Ende des 30. Juni oder des 31. Dezember.
Die betreffende Minute dauerte dann 61 statt 60 Sekunden. Für Computersysteme kann eine solche unregelmäßige Zeitkorrektur zu Störungen führen.
Abweichung von bis zu einer Stunde erlaubt
Nach dem Beschluss darf die Koordinierte Weltzeit künftig bis zu 3.600 Sekunden von der astronomischen Zeit abweichen. Fachleute erwarten, dass die Zeitmessung dadurch mehrere Jahrhunderte ohne erneute Anpassung auskommen könnte.
Die Entscheidung hängt auch mit der zuletzt leicht beschleunigten Erdrotation zusammen. Dadurch wuchs die Möglichkeit, dass erstmals eine Minus-Schaltsekunde hätte eingeführt werden müssen.
Alltag bleibt zunächst unverändert
Für die meisten Menschen hat die Abschaffung kaum unmittelbare Folgen. UTC und UT1 werden sich zwar schrittweise weiter voneinander entfernen, doch die Abweichung vom Sonnenstand bleibt im Alltag lange unbedeutend.
Betroffen sein können vor allem Astronomen sowie Fachleute der Geodäsie und Vermessung. Sie arbeiten mit der astronomischen Zeit und müssen die wachsende Differenz zur Weltzeit berücksichtigen.
Die Entscheidung verschiebt einen Zielkonflikt der internationalen Zeitmessung: Atomuhren liefern eine äußerst gleichmäßige Skala, während die Erdrotation natürlichen Schwankungen unterliegt. Bislang wurde die Differenz durch gelegentliche Schaltsekunden begrenzt.
Für digitale Systeme ist eine solche Zusatzsekunde problematisch, weil Zeitstempel in Datenbanken, Telekommunikationsnetzen, Navigationsdiensten und automatisierten Steuerungen ohne eine einheitliche Regel verarbeitet werden müssen. Die Abschaffung soll deshalb vor allem die technische Planbarkeit erhöhen. Kritische Infrastrukturen können Zeitabläufe künftig ohne kurzfristige Eingriffe in die UTC organisieren.
Mehr Abstand zur Sonnenzeit
Der Preis ist ein allmählich wachsender Abstand zwischen der Weltzeit und der astronomischen Zeit. Für den Alltag bleibt das über lange Zeit kaum bemerkbar, weil Zeitzonen und Sommerzeit die gesetzliche Uhrzeit ohnehin von der lokalen Sonnenzeit unterscheiden.
Relevant bleibt die Entwicklung für Astronomie, Geodäsie und andere Anwendungen, die präzise Angaben zur Erdrotation benötigen. Diese Fachbereiche werden die Differenz zwischen UTC und UT1 weiterhin beobachten und gesondert berücksichtigen müssen. Die geplante Toleranz von bis zu 3.600 Sekunden soll nach den Erwartungen der Fachleute Anpassungen für mehrere Jahrhunderte vermeiden.
