Schimpansen geben Wissen über Werkzeuggebrauch weiter
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Schimpansen können ihrem Nachwuchs offenbar dabei helfen, den Umgang mit Werkzeugen zu lernen.
Beobachtungen im Senegal
Forscher beobachteten im Südosten des Senegal wildlebende Westafrikanische Schimpansen, die Stöcke oder Früchte an unerfahrenere Tiere weitergaben und ihnen damit das Erlernen schwieriger Techniken zur Nahrungssuche erleichterten. Vor allem Schimpansenmütter spielten dabei eine wichtige Rolle.
Werkzeuge für Nahrungssuche
Für die Studie wertete ein Team der Universität Barcelona und des spanischen Jane-Goodall-Instituts rund 15 Stunden Aufnahmen von Kamerafallen aus. Die Kameras standen an Orten rund um Dindefelo, an denen Schimpansen Werkzeuge nutzen, etwa um Ameisen und Termiten aus ihren Nestern oder Algen aus dem Wasser zu holen.
Weitergabe zwischen Verwandten
Die Forschenden dokumentierten 33 Fälle, in denen Schimpansen Werkzeuge an andere Tiere weitergaben. Unter den Empfängern stellten sehr junge Schimpansen die größte Gruppe; besonders häufig geschah die Weitergabe zwischen Verwandten, oft von einer Mutter an ihren Nachwuchs.
In einem dokumentierten Fall führte eine Schimpansenmutter ihre Tochter zu einem vorbereiteten Stock, mit dem das Jungtier anschließend Ameisen aus einer Kolonie fischte. In einem anderen Fall zeigte ein älteres Jungtier einem jüngeren Tier eine Schlagbewegung, mit der sich eine Baobab-Frucht öffnen ließ.
Hinweise auf Lernen
Die Forscher sehen darin Hinweise darauf, dass die Übergabe von Werkzeugen eine Form des Lehrens sein kann. Nach der Weitergabe nutzten die Tiere Werkzeuge häufiger und kamen öfter an Nahrung. Die Ergebnisse passen zu früheren Beobachtungen, dass Schimpansen Werkzeuge herstellen und für unterschiedliche Techniken einsetzen können.
Einordnung
Die Beobachtung fügt sich in eine lange Forschungslinie ein, die Schimpansen nicht nur als Werkzeugnutzer, sondern auch als soziale Lerner beschreibt. Dass vor allem Mütter und verwandte Tiere beim Weitergeben von Stöcken oder Früchten eine Rolle spielen, passt zu dem bekannten Muster, dass komplexe Techniken in Gruppen nicht zufällig entstehen, sondern über Nähe, Nachahmung und wiederholten Kontakt weitergegeben werden.
Für die Verhaltensforschung ist das bedeutsam, weil sich hier eine mögliche Vorstufe von Unterricht zeigt: Ein erfahreneres Tier verändert sein Verhalten so, dass ein jüngeres Tier eine Technik leichter erfassen kann. Solche Befunde helfen, die Entwicklung von Kultur im Tierreich besser zu verstehen. Sie machen zugleich deutlich, dass Werkzeuggebrauch bei Menschenaffen nicht nur eine Frage der Individualleistung ist, sondern auch von sozialem Lernen abhängt.
Für die Einordnung ist außerdem wichtig, dass die Kamerafallen im Senegal einen Einblick in natürliche Bedingungen liefern. Anders als in Laborversuchen zeigt das Material, wie Lernen in freier Wildbahn abläuft: langsam, situativ und eng an Nahrungssuche gebunden. Genau darin liegt die Relevanz für Leserinnen und Leser, weil die Studie den Abstand zwischen tierischem Verhalten und menschlichem Lehren kleiner erscheinen lässt, ohne beide gleichzusetzen.
