Schizophrenie: 33% der Patienten entwickeln Adipositas durch Antipsychotika
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 05:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Internationale Forschungsergebnisse verdeutlichen eine medizinische Herausforderung in der Behandlung der Schizophrenie: Patienten weisen ein signifikant erhöhtes Risiko fĂŒr Adipositas und Diabetes auf. Aktuelle Analysen deuten darauf hin, dass die notwendige Gabe von Antipsychotika diese metabolischen Belastungen zusĂ€tzlich verstĂ€rken kann.
Hohe PrÀvalenz metabolischer Komplikationen
Eine umfangreiche Meta-Analyse, die Daten von 9.351 Schizophrenie-Patienten auswertete, belegt das Ausmaà der körperlichen Begleiterkrankungen. Demnach lag der Anteil der Patienten mit Adipositas bei 33,0 %. Zudem wurde bei 32,5 % der Probanden ein metabolisches Syndrom festgestellt.
Fachleute identifizieren mehrere Ursachen fĂŒr diese Entwicklung. Neben einer gesteigerten Appetitbildung als Nebenwirkung vieler Antipsychotika tragen auch krankheitstypische Negativsymptome zur Problematik bei. Diese fĂŒhren hĂ€ufig zu einer verminderten körperlichen AktivitĂ€t.
Zudem wird ein verĂ€ndertes Essverhalten der Betroffenen als wesentlicher Faktor angefĂŒhrt. Als BehandlungsansĂ€tze werden daher verstĂ€rkt MaĂnahmen in den Bereichen ErnĂ€hrung und Bewegung empfohlen, die durch multidisziplinĂ€re Teams und die UnterstĂŒtzung der Angehörigen begleitet werden sollten, wĂ€hrend die medikamentöse Therapie fortgesetzt wird.
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Neue Daten aus der pharmazeutischen Forschung
Im Rahmen des Psych Congress 2026, der Mitte September in New Orleans stattfand, wurden neue Daten zu medikamentösen Therapien vorgestellt. Das Unternehmen Teva prÀsentierte Post-hoc-Ergebnisse der Phase-3-Studie SOLARIS zum Wirkstoff TEV-'749. Hierbei handelt es sich um ein Olanzapin-PrÀparat zur monatlichen subkutanen Anwendung, das derzeit noch nicht zugelassen ist.
Von 411 Teilnehmern der Untersuchung erreichten 231 Personen (56 %) eine Stabilisierung. Unter diesen stabilisierten Patienten erlitten lediglich 10 Personen (4 %) einen RĂŒckfall. In einer Gruppe von 183 Patienten, die ĂŒber mindestens sechs Monate behandelt wurden, erreichten 39 Personen (21 %) eine Remission.
Eine Entscheidung der US-Gesundheitsbehörde FDA wird fĂŒr das vierte Quartal 2026 erwartet; die europĂ€ische Arzneimittelagentur EMA hat den Zulassungsantrag bereits im Mai 2026 akzeptiert.
Ebenfalls im September 2026 veröffentlichte AbbVie Real-World-Daten zu Cariprazin. Die Studie CReW BP-I zeigte nach einer zwölfwöchigen Therapie deutliche Verbesserungen depressiver Symptome bei Bipolar-I-Depressionen, wobei Ăbelkeit und Schwindel als hĂ€ufigste Nebenwirkungen auftraten.
Eine weitere Untersuchung deutete auf Fortschritte bei der allgemeinen FunktionsfĂ€higkeit und Motivation hin. Das Medikament wird bereits seit der Zulassung im Jahr 2015 breit eingesetzt; im Dezember 2025 erfolgte zudem die Zulassung fĂŒr pĂ€diatrische Patienten sowie neue Dosierungen im Bereich von 0,5 mg und 0,75 mg.
Da die Forschung zeigt, wie eng körperliche Gesundheit und medikamentöse Einstellungen verknĂŒpft sind, ist eine fundierte AufklĂ€rung ĂŒber die gewĂ€hlte Therapieform entscheidend. Ein ehemaliger Betroffener zeigt in seinem kostenlosen E-Book die Methode, mit der er seine Werte nachhaltig in den Normalbereich brachte. Kostenloses E-Book zur natĂŒrlichen Senkung der Blutzuckerwerte herunterladen
Innovative Modellforschung und LieferengpÀsse
Ăber die rein pharmazeutische Anwendung hinaus verfolgt die Grundlagenforschung neue Wege. Ein Team um den Forscher Sergiu Pasca von der Stanford University transplantierte im Labor gezĂŒchtete menschliche Hirnzellen in genetisch verĂ€nderte MĂ€use. Ziel dieser Arbeit ist die Erforschung komplexer Erkrankungen wie Schizophrenie, Epilepsie und Zerebralparese.
Drei Monate nach dem Eingriff bestand das Volumen der Hirnrinde der MĂ€use zu mehr als 90 % aus menschlichem Gewebe. Den neugeborenen Tieren waren zuvor jeweils rund 100.000 menschliche Hirnzellen injiziert worden, was in der Summe etwa 4 Mio. Zellen ergab.
Trotz dieser Fortschritte in Forschung und Entwicklung steht die Versorgung in der Praxis teilweise vor logistischen HĂŒrden. In Ăsterreich etwa besteht aktuell ein Engpass bei Psychopharmaka, insbesondere bei retardiertem Quetiapin.
Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) registrierte im Jahr 2024 insgesamt 1.177 Meldungen zu nicht verfĂŒgbaren ArzneispezialitĂ€ten, wobei Medikamente fĂŒr das Nervensystem den gröĂten Anteil ausmachten.
NĂ€chste Liefertermine werden laut Behördenangaben fĂŒr Mitte Oktober sowie fĂŒr MĂ€rz 2027 erwartet. Branchenexperten weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass rund 70 % der fĂŒr Europa benötigten Wirkstoffe mittlerweile aus Asien stammen.
