Schlaf-Forschung, Ultraschall-Pflaster

Schlaf-Forschung: Neues Ultraschall-Pflaster verlÀngert REM um 16 Min.

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Anpassung von Arbeitszeiten an den individuellen Biorhythmus kann die LeistungsfÀhigkeit erhöhen. Neue Studien zeigen zudem Fortschritte bei Schlafstörungen.

Chronobiologie im Job: Wie die innere Uhr ProduktivitÀt und Gesundheit steigert
Eine Person arbeitet entspannt an einem Schreibtisch in einem hellen, sonnendurchfluteten BĂŒro am Vormittag. Illustration mit AI erstellt.

Die LeistungsfĂ€higkeit, die Stimmung und der Stoffwechsel des Menschen werden maßgeblich von der inneren Uhr beeinflusst. Aktuelle Untersuchungen und EinschĂ€tzungen von Fachleuten verdeutlichen im August 2026, dass die BerĂŒcksichtigung individueller Chronotypen nicht nur gesundheitliche Vorteile bietet, sondern auch das Potenzial hat, die ProduktivitĂ€t in Unternehmen massiv zu steigern.

Der Konflikt zwischen Biologie und Arbeitswelt

Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass nur etwa 20 Prozent der Menschen dem Chronotyp der „Lerchen“ angehören, die bereits frĂŒh am Tag ihre volle LeistungsfĂ€higkeit erreichen. Der Großteil der Bevölkerung zĂ€hlt hingegen zu den SpĂ€taufstehern oder mittleren Typen. Laut EinschĂ€tzung des Chronobiologen Till Roenneberg ist der individuelle Chronotyp eine feste biologische Eigenschaft.

In der modernen Arbeitswelt fĂŒhrt dies oft zu einem sogenannten „Social Jetlag“. Experten wie Camilla Kring weisen darauf hin, dass SpĂ€taufsteher in klassischen Arbeitsstrukturen systematisch benachteiligt werden. Um die LeistungsfĂ€higkeit zu optimieren, empfiehlt sie eine Kernarbeitszeit von 10 bis 15 Uhr.

Dass sich eine solche Anpassung wirtschaftlich lohnen kann, zeigt das Beispiel eines norwegischen Unternehmens: Nach einer flexibleren Gestaltung der Arbeitszeiten stieg die Mitarbeiterzufriedenheit dort von ursprĂŒnglich 48 auf 95 Prozent.

Auch Experten des Instituts fĂŒr angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) betonen, dass ProduktivitĂ€t nicht durch eine Ausweitung der Arbeitsstunden, sondern durch ein ausgewogenes VerhĂ€ltnis von Arbeit und Erholung entstehe.

Umfragen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) untermauern diesen Handlungsbedarf. Demnach befĂŒrchten rund 75 Prozent der BeschĂ€ftigten gesundheitliche SchĂ€den, wenn sie mehr als zehn Stunden pro Tag arbeiten. Dennoch leisteten im Jahr 2024 knapp 25 Prozent der FĂŒhrungskrĂ€fte mehr als 48 Wochenstunden.

Medizinische Folgen von Schlafmangel und Fehlrhythmen

Die gesundheitlichen Risiken einer dauerhaften Missachtung des Biorhythmus sind erheblich. Medizinische Forschungsergebnisse belegen, dass der soziale Jetlag die Entstehung von Übergewicht, Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördert und mentale Probleme verstĂ€rken kann.

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In der medizinischen Forschung werden daher verstÀrkt AnsÀtze zur Optimierung des Schlafes untersucht. Eine Mitte August 2026 in Nature Communications veröffentlichte Studie der University of Texas at Austin stellte ein Ultraschall-Pflaster namens NEUSLeeP vor.

In einer Untersuchung mit 28 Personen im Alter zwischen 19 und 38 Jahren konnte durch die Stimulation des subthalamischen Kerns der REM-Schlaf um 43 Minuten frĂŒher eingeleitet werden. Die Dauer dieser wichtigen Schlafphase verlĂ€ngerte sich um 16 Minuten (plus 4,6 Prozent), wĂ€hrend die HerzfrequenzvariabilitĂ€t bei gesunden Probanden anstieg.

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Auch fĂŒr spezifische Erkrankungen wie Schlafapnoe gibt es Fortschritte. Eine 26-wöchige Studie mit 646 Teilnehmern untersuchte das PrĂ€parat AD109. Hierbei konnte eine Verbesserung des Apnoe-Hypopnoe-Index um 44 Prozent gegenĂŒber der Placebogruppe festgestellt werden.

Zudem deutet eine schwedische Registerstudie des Karolinska Institutet darauf hin, dass bei Alzheimer-Patienten mit Vorhofflimmern eine therapy mit oralen Antikoagulanzien (NOAC/DOAK) den kognitiven Abbau im Vergleich zu einer unbehandelten Gruppe verlangsamen kann. Ein kausaler Zusammenhang ist hier jedoch noch nicht abschließend belegt.

ErnÀhrung und Umwelt als Taktgeber

Neben der Genetik spielen Ă€ußere Faktoren eine entscheidende Rolle fĂŒr die SchlafqualitĂ€t. Fachleute fĂŒr Chrononutrition, wie Olga Ramich vom Deutschen Institut fĂŒr ErnĂ€hrungsforschung (DIfE), betonen die Bedeutung des Zeitpunkts der Nahrungsaufnahme.

Die InsulinsensitivitĂ€t ist morgens höher als abends; fettreiche Nahrung in den spĂ€ten Stunden kann entzĂŒndungsrelevante Gene aktivieren. Da etwa 50 bis 70 Prozent der Menschen einem mittleren Chronotyp angehören, sei eine frĂŒhe Nahrungsaufnahme oft vorteilhaft.

ZusĂ€tzliche Belastungen entstehen durch klimatische Faktoren. Expertinnen der UniversitĂ€t Basel weisen darauf hin, dass Hitze das Einschlafen verzögert und zu mehr Aufwachphasen fĂŒhrt, was die Tiefschlaf- und REM-Phasen verkĂŒrzt. Laut einer Forsa-Umfrage litt bereits jeder dritte Deutsche unter gesundheitlichen Problemen infolge von Hitze. Als Hilfsmittel werden unter anderem lauwarme Duschen oder das KĂŒhlen der FĂŒĂŸe empfohlen.

In Bezug auf natĂŒrliche Hilfsmittel wie Sauerkirschsaft, der Melatonin und Tryptophan enthĂ€lt, bleibt die wissenschaftliche Bewertung zurĂŒckhaltend. Zwar zeigten Studien aus den Jahren 2010 bis 2018 bei kleinen Probandenzahlen teilweise eine verlĂ€ngerte Schlafdauer, die Verbraucherzentralen halten die Aussagekraft dieser Ergebnisse jedoch fĂŒr unzureichend.

FachÀrzte der Charité bewerten Melatonin generell als ein vergleichsweise schwach wirkendes Mittel. Stattdessen wird auf eine konsequente Schlafhygiene und kurze Ruhephasen am Nachmittag verwiesen, die laut Erkenntnissen des University College London die Konzentration fördern und langfristig das Gehirnvolumen positiv beeinflussen können.

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