Schlaganfall, Darmbakterien-Botenstoff

Schlaganfall: Darmbakterien-Botenstoff Indol kann HirnschÀden verstÀrken

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 04:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Im Mausmodell verstÀrkte bakterielles Indol HirnschÀden; Patientendaten zeigen einen vorlÀufigen Zusammenhang mit schlechteren Ergebnissen.

LMU-Forschung zeigt, wie Darmbakterien SchlaganfallschÀden beeinflussen
Mikroskopische Ansicht organischer Zellstrukturen in einem biologischen Gewebe. Illustration mit AI erstellt.

Die Signale zwischen dem Magen-Darm-Trakt und dem zentralen Nervensystem rĂŒcken zunehmend in den Fokus der neurologischen Forschung. Forschende der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen (LMU) konnten einen spezifischen Kommunikationsweg dieser sogenannten Darm-Hirn-Achse identifizieren.

Die im Fachjournal Cell veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass der mikrobielle Botenstoff Indol die AusprĂ€gung von HirnschĂ€digungen nach einem Schlaganfall maßgeblich beeinflussen kann.

Der molekulare Signalweg ĂŒber dendritische Zellen

Ausgangspunkt des Prozesses sind bestimmte Darmbakterien, darunter StĂ€mme von Escherichia coli, die ĂŒber das Gen tnaA verfĂŒgen. Mithilfe dieses Gens bilden die Mikroorganismen aus der AminosĂ€ure Tryptophan den Botenstoff Indol. Im Rahmen von Versuchen im Mausmodell stellte das Forschungsteam fest, dass indolbildende Bakterien zu einer Verschlimmerung von HirnschĂ€den nach einem Schlaganfall fĂŒhrten.

Verantwortlich dafĂŒr ist nach Erkenntnissen der LMU-Wissenschaftler eine Fehlsteuerung im Immunsystem: Das von den Bakterien produzierte Indol aktiviert den Arylhydrocarbon-Rezeptor (AHR) in intestinalen dendritischen Zellen ĂŒbermĂ€ĂŸig. Durch diese Überaktivierung wird die schĂŒtzende Immunfunktion der dendritischen Zellen empfindlich gestört. In der Folge vergrĂ¶ĂŸerten sich bei den Tieren die GewebeschĂ€den im Gehirn.

Schutzmechanismen durch Hemmung des Rezeptors

Die Experimente lieferten zugleich Hinweise auf potenzielle therapeutische AnsĂ€tze. Wurde der Arylhydrocarbon-Rezeptor gezielt in den dendritischen Zellen ausgeschaltet, zeigte sich bei den Versuchstieren ein deutlicher Schutzeffekt. Die modifizierten dendritischen Zellen wanderten vermehrt aus dem Darm in die HirnhĂ€ute ab. Vor Ort förderten sie schĂŒtzende T-Zellen, was die SchĂ€den am Nervengewebe spĂŒrbar reduzierte.

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Auf Basis dieser Beobachtungen schlussfolgern die Forschenden, dass eine medikamentöse AHR-Hemmung kĂŒnftig eine Möglichkeit bieten könnte, um das Infarktvolumen sowie neurologische FolgeschĂ€den nach einem Schlaganfall einzudĂ€mmen.

Assoziationen bei Patientinnen und Patienten

ErgÀnzend zu den tierexperimentellen Daten untersuchte das Team der LMU auch klinische ZusammenhÀnge beim Menschen. Bei Personen mit einem ischÀmischen Schlaganfall ging ein vermehrtes Vorkommen des bakteriellen tnaA-Gens im Darm mit einem schlechteren funktionellen Ergebnis einher.

Zudem traten die entsprechenden tnaA-tragenden Bakterien bei Menschen mit bekannten Risikofaktoren fĂŒr GefĂ€ĂŸerkrankungen, insbesondere Adipositas und Typ-2-Diabetes, gehĂ€uft auf.

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Trotz dieser signifikanten Korrelationen betonen die Autorinnen und Autoren der Studie den vorlÀufigen Charakter der humanen Befunde. Bei den Daten von Patientinnen und Patienten handele es sich bislang um einen rein assoziativen Zusammenhang.

Ob sich der im Mausmodell detailliert nachgewiesene Mechanismus und die damit verbundenen BehandlungsansĂ€tze direkt auf den Menschen ĂŒbertragen lassen, muss in weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen erst noch geklĂ€rt werden.

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