Schmerzforschung: 20 Minuten im Stadtgrün senken schmerzbezogene Angst
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie physische Umgebung kann das psychologische Erleben von Schmerzsymptomen beeinflussen. Eine Untersuchung der Arbeitsgruppe um Finn Jonasson vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel, die in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München durchgeführt wurde, deutet darauf hin, dass der Aufenthalt in städtischen Grünräumen schmerzbezogene Ängste reduzieren kann. Die Ergebnisse des Experiments wurden auf dem Deutschen Schmerzkongress 2026 in Mannheim vorgestellt.
Experimenteller Vergleich zwischen Grünflächen und versiegeltem Stadtraum
Für die Studie untersuchten die Fachleute insgesamt 30 gesunde Erwachsene, die unter akuten Rückenschmerzen litten. Das experimentelle Design sah vor, die Probanden für jeweils rund 20 Minuten spazieren gehen zu lassen. Dabei verglichen die Forschenden die Effekte zweier unterschiedlicher Umgebungsbedingungen: Die Testpersonen bewegten sich entweder in städtischen Grünanlagen oder in bebauten und versiegelten Bereichen der Stadt.
Die Erhebungen nach den Spaziergängen zeigten einen signifikanten Unterschied im emotionalen Erleben der Versuchspersonen. Nach dem Aufenthalt im Grünen war die schmerzbezogene Angst bei den Teilnehmenden signifikant geringer ausgeprägt als nach dem Gang durch die dicht bebaute städtische Umgebung.
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Schmerzintensität bleibt im Experiment unverändert
Trotz des messbaren Effekts auf die angstbezogenen Aspekte der Beschwerden veränderte sich die eigentliche Schmerzstärke im Rahmen der Untersuchung nicht. Die Forschenden des UKSH Kiel und der LMU München stellten fest, dass es bei der Schmerzintensität keine signifikanten Unterschiede zwischen dem Spaziergang im Grünraum und dem im bebauten Raum gab.
Die Resultate verdeutlichen damit eine methodische Differenzierung zwischen der rein sensorischen Schmerzwahrnehmung und den damit verknüpften kognitiven sowie emotionalen Prozessen. Während das akute Schmerzniveau über die kurze Dauer des Spaziergangs unverändert blieb, wirkte sich die Naturkulisse vor allem auf die begleitenden Ängste der Betroffenen aus.
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Wechselwirkung von Biologie, Psychologie und Umwelt
Nach Angaben der Arbeitsgruppe um Finn Jonasson vom UKSH Kiel entsteht Schmerz grundsätzlich aus einem Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Schmerzbezogene Ängste spielen in diesem Gefüge eine wesentliche Rolle, da sie die Schmerzwahrnehmung zusätzlich verstärken können. Wenn Umgebungsfaktoren wie Grünflächen dazu beitragen, diese Ängste zu dämpfen, könnte dies Ansätze zur Schmerzbewältigung unterstützen.
Die Befunde stießen im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses 2026 auf breite Aufmerksamkeit. An der Fachtagung in Mannheim nahmen rund 1.800 Expertinnen und Experten teil, um aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen in der Schmerzforschung und -therapie zu diskutieren.
