Schmerzlinderung: Lieblingsmusik senkt Einstichschmerz bei 204 Patienten
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung des Universitätsspitals Zürich belegt das Potenzial von individuell ausgewählter Musik zur Schmerzlinderung bei medizinischen Routineeingriffen.
In einer im Fachjournal Frontiers in Pain Research publizierten Studie, über die in Berichten vom 9. Oktober 2026 informiert wurde, untersuchten Forschende die Wirkung akustischer Reize während des Legens einer intravenösen Kanüle vor einer Magnetresonanztomographie (MRT).
Das Ergebnis zeigt, dass das Hören der persönlichen Lieblingsmusik den wahrgenommenen Einstichschmerz am deutlichsten reduzierte – und zwar sowohl bei Personen mit als auch bei jenen ohne vorbestehende Schmerzen.
Unterschiede zwischen Musikgenres und Kontrollbedingungen
An der Untersuchung nahmen 204 Patientinnen und Patienten teil, bei denen vor einer MRT-Untersuchung von Gehirn, Wirbelsäule oder Kopf und Hals ein venöser Zugang gelegt werden musste. Das Schmerzempfinden wurde anhand einer Skala von 1 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster Schmerz) erfasst.
Bei den Teilnehmenden, die ihre bevorzugte Musik hörten, zeigte sich sowohl 30 Sekunden als auch zwei Minuten nach dem Einstich eine signifikante Schmerzminderung. Die von den Untersuchten ausgewählten Musikstücke fielen dabei sehr unterschiedlich aus; genannt wurden unter anderem Safe in New York City von AC/DC, Lionel Richies Hello sowie Mmm Mmm Mmm Mmm von den Crash Test Dummies.
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Andere akustische Bedingungen erzielten diesen Effekt hingegen nicht in gleichem Maße. Die Mozart-Sonate KV448 linderte Schmerzen lediglich bei Personen mit vorbestehenden Schmerzsymptomen signifikant und zeigte diesen Effekt erst zwei Minuten nach der Punktion. Eine neutrale Entspannungsmusik sowie die Kontrollgruppe ohne Musik wiesen keinerlei messbare Schmerzänderung auf.
Physiologische und neurologische Mechanismen
Das Forschungsteam unter der Leitung von Studienleiter Dr. Andrei Cristinel Dragnea und Seniorautorin Dr. Meritxell Garcia Alzamora verweist auf verschiedene Erklärungsansätze für die beobachtete Wirkung. Das Hören von persönlicher Lieblingsmusik kann die Ausschüttung von Endorphinen anregen und zur Senkung von Blutdruck sowie Herzfrequenz beitragen.
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Zudem können Stress und Angstzustände reduziert werden. Auf neurologischer Ebene wird eine gezielte Ablenkung über das limbische System und präfrontale Netzwerke angenommen, wodurch die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzreizen gedämpft wird.
Klinische Relevanz und Grenzen der Untersuchung
Auf Basis der Resultate sprechen sich die Forschenden des Universitätsspitals Zürich dafür aus, Musik künftig häufiger bei Venenpunktionen in der Radiologie einzusetzen. Ein solcher niedrigschwelliger Ansatz könne vor allem bei ängstlichen oder klaustrophobischen Patienten zur Entlastung beitragen.
Gleichzeitig verweist die Untersuchung auf methodische Grenzen. Die festgestellten Effekte lassen sich bislang ausschließlich auf kurze Nadelprozeduren beziehen und nicht auf längere oder schmerzhaftere Behandlungen übertragen. Zudem fungierten die in allen Gruppen anwesenden Begleittechniker als möglicher Störfaktor im Versuchsablauf.

